Niedergelassene Ärzte in Berlin haben seit Jahresbeginn die Möglichkeit, weniger Fälle anzunehmen – als Folge befürchten Berliner Kliniken eine Überbeanspruchung der Notaufnahmen. „Schon jetzt stoßen die Rettungsstellen an ihre Kapazitätsgrenzen“, sagte der Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, Marc Schreiner.
Wenn Arztpraxen weniger Termine anböten, könne es passieren, dass mehr Menschen bei einem Problem in die Notaufnahme gingen. Diese seien allerdings für medizinische Notfälle zuständig, erklärte Schreiner. „Für alle anderen gesundheitlichen Beschwerden sind Hausarzt, Facharzt oder die Bereitschaftspraxen da. Hier muss das Engagement ausgebaut und nicht beschnitten werden.“
Arztpraxen in Berlin können rund zehn Prozent weniger Patienten aufnehmen
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin ermöglicht es Arztpraxen seit Jahresbeginn, zehn Prozent weniger Behandlungsfälle aufzunehmen und dabei weiterhin das gleiche Honorar ausgezahlt zu bekommen. Die KV möchte damit Druck auf die Krankenkassen ausüben. Sie kritisiert, dass die Leistungen von Ärztinnen und Ärzten nicht ausreichend bezahlt würden.
Der Beschluss der KV Berlin, ärztliche Leistungen zu verringern, ist nur eine Empfehlung. „Wie viele Praxen dem folgen, ist aktuell noch nicht abzuschätzen. Eine valide Aussage wird nach Abschluss des ersten Quartals möglich sein“, teilte die KV auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg, Wolfgang Kreischer, bestätigte auf Nachfrage, dass es in Hausarztpraxen seit Jahresbeginn zum Teil weniger Termine geben könne.
Notaufnahmen in Berlin stehen unter mehr Druck
Die Notaufnahmen könnten dadurch unter Druck geraten und zum „Lückenbüßer für verbandspolitische Forderungen“ werden, kritisiert Schreiner. Erschwerend hinzu käme die Tatsache, dass es in den elf KV-Notdienstpraxen seit Januar weniger Personal und deswegen eingeschränkte Öffnungszeiten geben könnte. Außerdem sind seit kurzem weniger Ärztinnen und Ärzte im ärztlichen Bereitschaftsdienst tätig.
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