Restaurantkritik

Nordische Botschaften im Palsta am Tempelhofer Feld

Tina Hüttl würde gern jede Woche einmal im Palsta sitzen und gut essen.

Tina Hüttl
4 Min
​Schweinerippchen mit Brennesselgremolata im Restaurant Palsta in der Oderstraße in Neukölln. 

​Schweinerippchen mit Brennesselgremolata im Restaurant Palsta in der Oderstraße in Neukölln. 

© Markus Wächter 

In manchen Wochen gehe ich zwei-, dreimal essen. Es macht mir immer noch richtig Spaß, im Restaurant zu sitzen, mehr sogar als am Anfang meiner Kritikerarbeit. Die Erfahrung hat mich selbstsicherer gemacht.

In den meisten Fällen gefällt mir, was serviert wird. Richtig ärgern muss ich mich eher selten. Wenn es trotz sorgfältiger Vorauswahl einmal wider Erwarten unterirdisch ist, sind Sie die Ersten, die es erfahren.

Was mir ebenso selten passiert, ist, dass mich ein Abend in einem Lokal ein bisschen traurig stimmt. Doch genau so ist es mir im Palsta, das vor einem Jahr direkt am Tempelhofer Feld eröffnet wurde, ergangen.

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Es ist ein tolles Restaurant, um das gleich zu sagen. Einige Kollegen priesen die nordisch angehauchte Küche, die dort serviert wird, als beste neue Errungenschaft an. Sie haben recht. Dafür sprechen allein schon die zu Beginn servierten, geschmacklich intensiven Frühlingskartoffeln mit einer fantastischen Mayonnaise samt Liebstöckelaroma und knusprigen Roggenkrümeln. Dazu ein noch warmes Sauerteigbrot in einen Tomatensalat getunkt, der mit der reduzierten und erkalteten Brühe aus eben diesen Tomaten angemacht ist. Himmlisch!

Palsta ist finnisch und bedeutet so viel wie Schrebergarten 

Das Palsta ist eine absolute Bereicherung für die Stadt. Warum also stimmt mich seine Entdeckung dann zugleich auch etwas trübsinnig? Einer der wenigen Wermutstropfen an meinem großartigen Beruf ist, dass ich fast nie dasselbe Restaurant mehrmals besuche. Einen Lieblingsladen, wie viele ihn haben, erlaube ich mir höchstens im Kopf. Ich muss schon rein beruflich immer wieder Neues entdecken. Das Palsta wird leider nicht mein Stammrestaurant werden. Schade!

Weil ich das wusste, habe ich so viel wie möglich ausprobiert. Die Empfehlung hier lautet: Teilen. Zwischen Haupt- und Nebengerichten wird nicht wirklich unterschieden. Die Preise sind mehr als fair berechnet, vor allem wenn man die Qualität beachtet. So gutes Gemüse, wie etwa die bereits erwähnten jungen Kartoffeln, die Wildkräuter, die Kirschtomaten, bekommt man vielleicht, wenn man sie selbst anbaut. Angeblich macht das der Koch Filip Søndergaard auch.

Dazu kursiert eine schöne Legende: Der Name Palsta ist finnisch, wie die in Helsinki gebürtige Wirtin, und bedeutet so viel wie Schrebergarten. Es heißt nun, die Wirtin habe ihren Koch in einem Schrebergarten im Wedding entdeckt. Eigentlich hatte sich der Koch nach seinem letzten Job dorthin zurückgezogen, um sich ausschließlich der Tomatenzucht zu widmen.

Wahr ist sicherlich, dass im Palsta der Geschmack der Zutaten an erster Stelle steht. Kein Gericht fällt gegenüber dem anderen ab, das zieht sich vom Gemüse hin zum Fisch und den Schweinerippchen, das einzige Fleischgericht auf der Karte bei meinem Besuch.

Zu den Speisen wird im Palsta ausschließlich Naturwein ausgeschenkt 

Vom Schwein gibt es neben süßsauer lackierten Rippen ein knuspriges, fettdurchzogenes Bauchstück, das nur so vor Aroma strotzt. Die leicht scharfe Brennnessel-Gremolata passt mit ihren erdigen Noten als Kontrast, besonders Spaß machen aber die lila Chicoréeblätter, die man mit ihrem essigsüßen Dressing wie Chips dazu wegknabbert.

Ein weiteres Highlight war das Ceviche aus Kabeljau und Garnelen, hier ist es als erfrischendes und cremiges Löffelgericht interpretiert. Die Limettensäure ist mit etwas Sauerrahm abgemildert, was wunderbar passt. Und die Meerrettichwurzel, die zuletzt auf Fisch, längs geschnitzte Gurke und süß eingelegte Zwiebeln gehobelt wird, zieht das peruanische Nationalgericht in eine nordische Richtung.

Zu den Speisen wird im Palsta ausschließlich Naturwein ausgeschenkt, weil er – so die Wirtin – ihrer Idee, wie eine gute Landwirtschaft funktionieren soll, näherkommt.

Ich wünschte, ich könnte jede Woche im Palsta sitzen und so gut essen. Geht leider nicht, wie traurig.

Palsta Oderstraße 52, Neukölln. Dienstag bis Sonnabend 18–24 Uhr. 

Alle Gerichte zum Teilen: 3–16 Euro.

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