BERLINER STADTSCHLOSS - Nach dem Streit ist vor dem Streit: Die Finanzierung des Baus ist offen. Wilhelm von Boddien verkauft die Fassade stückchenweise.

Darf s ein bisschen mehr sein?

Tobias Miller
3 Min

Wohlportionierte Schlütersche Fassadenteile. Mal eine ganze Fensterbank, mal nur ein kleiner Schnörkel in der Ecke eines Innenhofes, für Wohlhabende ein ganzes Portal. Für jeden Geldbeutel etwas. So möchte Schlossbau-Initiator Wilhelm von Boddien die Barockfassade verkaufen und so den Wiederaufbau mitfinanzieren. Die Auktion wird im Internet starten, wo die Fassade virtuell zerlegt werden kann. Boddien ist fest davon überzeugt, dass sich ein großer Teil des Schlossneubaus privat finanzieren lässt, etwa durch den Verkauf von Aktien. Allerdings gibt es auch Zweifler, etwa den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er halte die Finanzierung des Schlosses durch Aktien nicht für machbar, soll er in einem Zeitungsinterview gesagt haben. Boddien, Vorsitzender des Fördervereins Berliner Stadtschloss, warf ihm vor, nur weil er die historische Barockfassade ablehne, würde er an der Entscheidung des Bundestages "herummäkeln".Am Donnerstag hatte sich der Bundestag für den Wiederaufbau des Stadtschlosses mit der historischen Barockfassade entschieden. "Von einem Bürgermeister erwarte ich, dass er die Chance ergreift, die der Bund bietet und sich an die Spitze der Bewegung setzt", sagte Boddien, der seit 1990 für den Wiederaufbau kämpft. Wowereit hätte eine moderne Fassade bevorzugt. Er könne sich aber auch eine historische vorstellen, ließ er am Freitag mitteilen. Wichtig sei jetzt, dass möglichst schnell ein präzises Nutzungskonzept und ein "realistischer" Finanzierungsvorschlag gemacht werden. Die Frage des Geldes ist die entscheidende auf dem Weg zur Grundsteinlegung für das neue Gebäude auf dem Schlossplatz. Die internationale Expertenkommission, auf dessen Empfehlung die Bundestagsentscheidung beruhte, geht von etwa 670 Millionen Euro Gesamtkosten aus. 360 Millionen Euro will man durch Aktien einnehmen. Mit einer Garantiedividende von zwei Prozent sind vor allem institutionelle Anleger wie Lebensversicherungen als Käufer anvisiert. Aber auch Schlossliebhaber können Aktien erwerben. Die versprochene Dividende von 7,2 Millionen Euro jährlich müsste, so die Schlossbefürworter, der Bund garantieren. 230 Millionen Euro hätten demnach die öffentliche Hand, also Bund und Land, beizusteuern. Beide zeigten sich aber am Freitag zurückhaltend. Es wurde darauf verwiesen, dass sie das Grundstück für den Bau zu Verfügung stellten. Sollten aber tatsächlich, die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ins neue Schloss einziehen, müsste der jetzige Standort in Dahlem nicht für 200 Millionen Euro saniert werden. Außerdem könnten die Gebäude für 30 Millionen Euro verkauft werden - insgesamt 230 Millionen Euro für den Neubau. Die restlichen 80 Millionen Euro, das sind die Mehrkosten für die Barockfassade, will Boddien einsammeln. Unter anderem dafür ist der Fassadenverkauf im Internet geplant. Per Mausklick kann man sich ein Teil auswählen und erfährt sofort den Preis. "Man kann dann sofort per Kreditkarte bezahlen", erklärt Boddien. Wenn man will, kann man seinen Namen in einer Liste eintragen lassen. Außerdem soll es einen Verkaufsstand auf dem Schlossplatz mit Souvenirs geben. "Das kann funktionieren, wenn es alle als nationale Aufgabe verstehen", sagt Reinhard Müller, Vorstandsmitglied der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Die Stiftung hat Erfahrung mit dem Eintreiben von Sponsorengeldern für historische Bauten. Gerade saniert sie das Brandenburger Tor. Er hat beobachtet, dass sich große Firmen vom Sport- und Spaßsponsoring zurückziehen. Die jüngsten Dopingfälle zeigten, wie schwierig das sei, sagte Müller. "Historisches wird gut gefunden." Er würde sich auch eine Schlossaktie kaufen. "Aus Solidarität zur Stadt." (tom.)ELDACO/HUNITZ UND BECKER Schlossansichten. Zwei Rostocker Informatiker haben am Computer die barocke Fassade des Stadtschlosses nachgestaltet.

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