50 Jahre Städtepartnerschaft

Michael Müller reist nach Los Angeles

Es geht um bessere Wirtschaftsbeziehungen und eine Premiere.

Jan Thomsen
4 Min
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), reist zum 50. Sister-City-Jubiläum an die Westküste der Vereinigten Staaten.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), reist zum 50. Sister-City-Jubiläum an die Westküste der Vereinigten Staaten.

© imago/Hoffmann

Sein Vorgänger hatte stets mit dem – ziemlich ungerechten – Vorwurf der „Lustreise“ zu kämpfen, wenn es nach Los Angeles ging. Doch das wird Michael Müller (SPD), seit 2014 Regierender Bürgermeister und als solcher bekanntlich Nachfolger von Klaus Wowereit, dieses Mal kaum passieren: Müller reist von diesem Mittwoch an bis Samstag zum 50. Sister-City-Jubiläum an die Westküste der Vereinigten Staaten.

Dass die älteste, vielleicht sogar intensivste Städtepartnerschaft der deutschen Hauptstadt bei einem solchen Jahrestag per Besuch gefeiert werden muss, versteht sich von selbst. Müller wird auch nicht, wie Wowereit, Privatbesuche bei Thomas Gottschalk in Malibu einstreuen, schließlich sind der aktuelle Amtschef und der Ex-Showmaster nicht persönlich befreundet. Und, last not least: Müller reist mit einer der größten Delegationen aus Wirtschaft, Politik und Kultur in Los Angeles an, die es jemals gab.

Entsprechend umfangreich ist das Programm. Neben etlichen repräsentativen Terminen gibt es eine Reihe von Businesstreffs, organisiert von der Industrie- und Handelskammer Berlin, deren Vertreter ihre Tour nach Kalifornien sogar schon in San Francisco begannen, noch ohne den Senatschef.

Bisher war Wirtschaftsanbahnung kaum mehr als ein Randprogramm. Jetzt ist es mit die Hauptsache. Der Grund ist klar: Berlin boomt – insbesondere was die Kreativ- und Filmbranche sowie die Start-ups in den Bereichen Technik und Green Economy angeht, hat sich die Hauptstadt zum wichtigsten Standort in Deutschland entwickelt. Mit den entsprechen Branchen-Kennzahlen aus der Region L. A. kann die Stadt zwar nicht mithalten, wie IHK-Präsidentin Beatrice Kramm einräumt. Doch die Dynamik reicht, um Neugier auf beiden Seiten zu wecken.

Es werden etwa 120 Teilnehmer aus Berlin und L. A. erwartet

Die größte Veranstaltung dieser Art ist eine Wirtschaftskonferenz am Donnerstag im Los Angeles Cleantech Incubator, einer Art Gewerbepark für Green-Economy-Firmen, die unter anderem dazu beitragen sollen, die ehrgeizigen Klimaziele Kaliforniens – immerhin eine der größten Volkswirtschaften der Welt – zu erfüllen.

Etwa 120 Teilnehmer aus Berlin und L. A. werden erwartet. Die deutsche Delegation besteht dabei aus 27 privaten Unternehmen, dazu die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner, der Investitionsbank und dem Medienboard Berlin-Brandenburg sowie die Tourismusexperten der Hauptstadt von visitBerlin.

Bereits im Juli dieses Jahres war Müllers Amtskollege aus Los Angeles, Eric Garcetti, zu einem Besuch in Berlin. Der aufstrebende Politiker der US-Demokraten, erst 46 Jahre alt, dem manche eine Präsidentschaftskandidatur 2020 gegen Donald Trump zutrauen, vereinbarte mit Müller insbesondere mehr Zusammenarbeit beim Thema Klimaschutz in Großstädten. Ihn trifft Müller ebenfalls am Donnerstag.

Die Berliner Energieagentur (BEA), ein öffentlich-privates Unternehmen für Energiedienstleistungen, wird eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnen. Am Abend steht die Eröffnung des „Berlin Lab“ im LOT 613 in der Downtown von Los Angeles an. In den für Events ausgebauten ehemaligen Lagerhallen gibt es zwei Tage lang Shows, Konzerte, Debatten, Workshops und Ausstellungen über Berlin.

Die 20er-Jahre-Serie „Babylon Berlin“ feiert ihre internationale Premiere

Interessant könnte zudem ein Termin mit dem Unternehmen ESRI am Freitag werden, das für Los Angeles ein sogenanntes „GeoHub“ aufgebaut hat. Das ist eine Web-Plattform mit Zugang für jedermann, auch mit dem Smartphone, das via Satellitenkarten relevante Daten der Stadt leicht verständlich zur Verfügung stellt.

Der Sauberkeitszustand der eigenen Straße kann im digitalen Stadtplan verglichen werden, Bürger können sich über die aktuellen Baupläne in der Nachbarschaft informieren, Investoren nach geeigneten Standorten suchen, die Darstellung von Unfallschwerpunkten soll verdeutlichen, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Alle Daten stammen aus öffentlichen Datenbanken und werden laufend aktualisiert.

Am Freitagabend feiert die 20er Jahre Serie „Babylon Berlin“ ihre internationale Premiere im berühmten Theatre at Ace Hotel, erbaut 1927, in dem einst auch Charlie Chaplins Produktionsfirma United Artists ihren Sitz hatte.

Am Sonnabend stehen noch Besuche beim Thomas-Mann-Haus, derzeit eine Baustelle, und in der Villa Aurora an, wo einst Lion Feuchtwanger lebte – beides traditionelle Orte für Kulturschaffende aus Berlin. Anlässlich von 50 Jahren Sister Cities finanziert die deutsche Hauptstadt zwei neue dreimonatige Stipendien für bildende Künstler aus Berlin.

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