Nora Hertlein-Hull, die neue Leiterin des Berliner Theatertreffens und die Kritiker-Jury stellten am Freitagmittag die zehn eingeladenen Inszenierungen vor.
Berlin ist mit Yael Ronens und Shlomi Shabans Musical „Bucket List“ dabei, eine Produktion, die unter dem Eindruck des Hamas-Massakers erst zerfiel und dann zu Ende gebracht wurde. Falk Richter verhalf mit seinem autofiktionalen Stück „The Silence“ der Schaubühne zu einem Doppelerfolg. Das ist für das Gorki, das lange die künstlerische Heimat von Richter und Ronen war, sicher nicht so leicht zu verknusen.
Insgesamt wurden von der Jury 690 Inszenierungen gesichtet, 43 Produktionen kamen in die engere Auswahl, aus der in der legendären Schlusssitzung der Jury das Zehner-Tableau gefiltert wurde. Die meisten Positionen kommen aus den Theatermetropolen, die Frauenquote wurde mit 50 Prozent erfüllt.
Zurück zur Alleinverantwortung: Nora Hertlein-Hull übernimmt Theatertreffen
Die Münchner Kammerspiele dürfen sich über die Einladung von Jette Steckels Tschechow-Inszenierung „Die Vaterlosen“ unter anderem mit Wiebke Puls und Joachim Meyerhoff freuen, Zürich kommt mit der begehbaren „Rummel“-Inszenierung nach Tolkien: „Riesenhaft in Mittelerde“, an dem auch das Berliner Helmi-Theater beteiligt ist. Das Hamburger Schauspielhaus ist mit dem Antikenprojekt „Laios“ in der Regie von Karin Baier eingeladen, der Bochumer Intendantenkollege Johan Simons mit Shakespeares Macbeth.
Auch zwei kleinere Städte sind dabei: Nürnberg mit Rieke Süßkows Inszenierung von Werner Schwabs Fäkaldrama „Übergewicht, unwichtig: Unform“ und – man beachte die Ausscheidungskoinzidenz – „Die Hundekot-Attacke. Eine Vorstellung über Finsternis, Schönheit und Vergebung, basierend auf einer wahren Begebenheit“, eine Koproduktion des Theaterhauses Jena mit den Performern von Wunderbaum, die hier schon mal den Preis für den längsten Titel bekommt.
Frieden schaffen durch Lobotomie: „Bucket List“ an der Schaubühne
Aus dem Bereich Performance und freie Szene wurde die Kreation „Extra Life“ der Gisèle-Vienne-Compagnie für würdig befunden, eine Koproduktion vieler Off-Theater-Institutionen. Und Theatertreffen-Dauergast Ulrich Rasche darf seinen für die Salzburger Festspiele entstandenen „Nathan, der Weise“ zeigen.
Zu sehen ist diese Auswahl der vielfältigen Theatersprachen vom 2. bis 19. Mai im Haus der Berliner Festspiele und in weiteren Spielstätten. Der Startschuss für die wie immer anspruchsvolle Organisation des Festivals ist hiermit gefallen.
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