Berliner Wasserbetriebe schließen Tarif-Anhebung für 2007 nicht aus

Wasser könnte erneut teurer werden

Ewald B. Schulte
3 Min

BERLIN. Berlins Verbraucher haben auf die Wasserpreiserhöhungen der letzten Jahre mit einer spürbaren Reduzierung ihres Wasserkonsums reagiert. Wie die Wasserbetriebe (BWB) gestern im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz mitteilten, sei der Wasserverbrauch pro Einwohner und Tag im vergangenen Jahr um einen Liter auf 116 Liter gesunken. Infolge dessen sank die Gesamt-Wasserförderung des Unternehmens 2005 um 1,5 Prozent auf 206 Millionen Kubikmeter. Einbußen gab es auch beim Geschäft mit der Abwasserentsorgung, dessen Volumen um 2,2 Prozent auf 233,5 Millionen Kubikmeter zurückging.20 Millionen Euro mehr GewinnWegen der Tariferhöhung von 5,4 Prozent konnten die BWB bei Umsatz und Gewinn dennoch zulegen: Mit 340,9 Millionen Euro lag das operative Vorsteuerergebnis um 7,1 Millionen Euro über dem des Vorjahres. Nach Ausschüttung der vertraglich fixierten Mindestrendite an die privaten BWB-Gesellschafter RWE und Veolia in Höhe von 123 Millionen Euro (Vorjahr: 129,6 Millionen Euro) belief sich der Jahresüberschuss auf 84,9 Millionen Euro (Vorjahr: 62,4 Millionen Euro). Von diesem Überschuss wurden 57,6 Millionen Euro an das Land Berlin ausgeschüttet.Nach BWB-Berechnungen hat sich der vom Verbraucher tatsächlich zu zahlende Aufwand für die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung seit 1997 kaum verändert, da die Tarifanhebungen durch den sparsameren Wasserverbrauch der Bürger faktisch nahezu kompensiert worden seien.Konkret wollte sich Vorstandschef Jörg Simon auch auf Nachfrage nicht zur künftigen Tarifentwicklung äußern. Indirekt jedoch ließ der Manager durchblicken, dass - nach der erneuten Preiserhöhung um 2,5 Prozent zu Beginn dieses Jahres - auch 2007 eine weitere Preisanhebung erforderlich sein könne.So steige der Aufwand für Ausbau, Modernisierung und Instandhaltung des Leitungs- und Kanalnetzes weiter, zudem werde das Unternehmen durch die gestiegenen Energiekosten in Mitleidenschaft gezogen, sagte Simon. Diese zusätzlichen Kosten aber müssten infolge des sinkenden Wasserverbrauchs auf eine geringere Anzahl von Kubikmetern umgelegt werden.Angesichts dieser Entwicklung warb der BWB-Chef erneut für ein neues Tarifsystem, bei dem durch die Einführung eines Grundpreises die Infrastrukturkosten verbrauchsunabhängig gleichmäßig auf alle Wasserkunden umgelegt werden. Vor der Wahl zum Abgeordnetenhauses im September ist jedoch kaum davon auszugehen, dass die Politik diesen Vorstoß aufgreift.Die überraschend aufgetretenen Probleme beim Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung der BWB-Tochter Berlinwasser International an den japanischen Mischkonzern Marubeni haben nach Angaben des BWB-Vorstands auch dann keine Auswirkungen auf die Wassertarife, wenn der ursprünglich erhoffte Erlös von 50 Millionen Euro nicht realisiert werden kann. Wie berichtet sperrt sich die Stadt Budapest dagegen, dass ihr Wasserunternehmen in diesen Deal einbezogen wird. Die Beteiligung in Budapest aber ist das mit Abstand werthaltigste Asset der BWI.Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Wasserbetriebe lädt das Unternehmen die Berliner Bevölkerung zum Mitfeiern ein: In der Woche vom 21. bis zum 27. August finanzieren die Wasserbetriebe allen Interessenten den kostenlosen Besuch des Strandbads Wannsee.------------------------------Foto: "Die für Trink- und Schmutzwasser zu entrichtenden Kosten haben sich seit 1997 kaum geändert." Jörg Simon, BWB------------------------------Foto: Kostenloser Spaß: Zum Firmenjubiläum laden die Wasserbetriebe die Berliner vom 21. bis 27. August zum Gratis-Baden ins Strandbad Wannsee ein.

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