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Großflughafen: Chance oder Risiko für die Region?

Jürgen Schwenkenbecher
3 Min

Als der Chemieingenieur Matthias Kay vor fünf Jahren von Steglitz nach Blankenfelde zog, ahnte er nicht, auf was er sich eingelassen hat. Zwar liegt der Schönefelder Flughafen nur fünf Kilometer entfernt, doch Angst hatte er deshalb nicht. "Niemand ging damals davon aus, dass Schönefeld einmal zum Großflughafen ausgebaut werden soll", sagt Kay. Heute weiß er, dass sein Haus im Zentrum Blankenfeldes ab 2007 nach den Planungen fast zwischen den beiden verlängerten Start- und Landebahnen liegen soll. "Noch kann man nachts mit offenem Fenster schlafen", sagt er. Wie Kay geht es tausenden Familien zwischen Erkner und Ludwigsfelde. Bis zu 200 000 Menschen sind vom Flughafenausbau in Schönefeld betroffen, sagt der Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) Anwohner, Kleingärtner, Ausflügler. Sie alle, glaubt der Verein, der rund 3 000 Mitglieder zählt, werden von der grünen Umgebung schon bald nichts mehr haben. "Wir sind nicht gegen einen Großflughafen", sagt BVBB-Vorsitzender Karl-Heinz Lüpke immer wieder. "Aber Schönefeld ist wegen der dichten Besiedelung in der Region dafür einfach nicht geeignet." Vier Jahre vor Baubeginn des Riesen-Airports geht der BVBB bei den Immobilien in Schönefeld-Nähe bereits von einem 30-prozentigen Wertverlust aus insgesamt zwölf Milliarden Mark bei geschätzten 64 000 Grundstücken. Lärm im Drei-Minuten-TaktBis zu 550 Starts und Landungen täglich erwartet der Bürgerverein, wenn der Flughafen fertig gestellt ist, Lärm im Zwei- oder Dreiminuten-Takt. Dazu der Schmutz des Kerosins, das die Maschinen vor ihrer Landung ablassen. "Im Sommer wische ich schon jetzt jeden Tag eine Schmierschicht von meinem Tisch im Garten", sagt Beate Mischner aus Diedersdorf (Teltow-Fläming). Ärzte wie Dr. Ute Polz aus Bohnsdorf sind sich sicher, dass die gesundheitlichen Auswirkungen des Großflughafens verheerend sind.In die Klagen stimmen auch die südlichen Umlandgemeinden und der Berliner Bezirk Köpenick ein. Ganze Ortskerne wie in Schulzendorf dürfen wegen der Nähe zum Flughafen nicht gebaut werden, in Eichwalde werden in diesen Tagen die Planungen für ein Seniorenpflegeheim und einen Krippenneubau zu den Akten gelegt. Einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Region erwarten dagegen die rund 800 mittelständischen Unternehmen mit ihren 30 000 Beschäftigten, die sich in der Initiative "pro Flughafen" zusammengeschlossen haben. Sie hoffen, bei der Auftragsvergabe für den Bau des Milliardenprojekts nicht leer auszugehen. "Für uns ist es wichtig, dass der Flughafen gebaut wird", sagt "pro Flughafen"-Sprecher Reinhard Schuster aus Königs Wusterhausen. Von gewaltigen Chancen für die Region sprechen auch die Flughafenplaner. In Aussicht gestellt sind 5 000 neue Jobs während der Bauphase, 30 000 nach Fertigstellung.

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