Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Berlin braucht mehr Fachkräfte

2018 wurden mehr Abschlüsse anerkannt – doch es ist noch Luft nach oben.

Theresa Dräbing
4 Min
Der Fachkräftemangel in Berlin liegt nicht immer daran, dass es zu wenige Bewerber gibt. 

Der Fachkräftemangel in Berlin liegt nicht immer daran, dass es zu wenige Bewerber gibt. 

© dpa/Stephanie Pilick

Ärzte aus Syrien, Erzieher aus den Niederlanden oder Lehrer aus der Türkei, die nun in Berlin eine Anstellung suchen: Wer in einem anderen Land seine Ausbildung abgeschlossen hat und in Deutschland arbeiten will, muss sich seine Qualifikation anerkennen lassen. Die Verfahren sind aufwendig, strotzen vor Bürokratie, dabei sind Unternehmen auch in Berlin auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Ohne gut qualifizierte Fachkräfte aus Europa und dem Rest der Welt lässt sich die Lücke vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch in Berlin kaum noch schließen.

„Die Anerkennungsberatung ist dabei eines von mehreren Instrumenten zur Fachkräftegewinnung“, sagt Meike Al-Habash, Bereichsleiterin Ausbildungsberatung bei der IHK Berlin.

Ausländische Fachkräfte: Mehr positive Anerkennungsbescheide in 2018

Tatsächlich sind in Berlin 2018 die Zahl der Anerkennungsverfahren insgesamt und auch die Anzahl der positiven Bescheide im Vergleich zum Vorjahr laut den Daten vom Statistischen Landesamt Berlin-Brandenburg noch einmal gestiegen. Waren es bei sogenannten reglementierten Berufen, also bei solchen, für die es zwingend einer Anerkennung bedarf, 2017 insgesamt 2.241 Verfahren, von denen 33,7 Prozent positiv bescheinigt wurden, so betrug der Anerkennungsanteil im vergangenen Jahr 52,7 Prozent – bei 2.624 Verfahren. Zu den anerkennungspflichtigen Berufen zählen zum Beispiel Ärzte, Krankenpfleger, Lehrer oder Ingenieure.


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Rechnet man die Positiv-Bescheide mit „Auflage“ hinzu, also wenn die Gleichstellung durch eine Ausgleichsmaßnahme erreicht werden kann, waren es 70 Prozent, beziehungsweise 86,6 Prozent im Jahr 2018.

„Die gestiegene Zahl der Anerkennungsverfahren hängt sicherlich zu einem großen Teil damit zusammen, dass das Verfahren in den letzten Jahren einfach bekannter geworden ist“, sagt Al-Habash von der IHK. Doch sie sieht noch Luft nach oben. „Auch Unternehmen sollten stärker das Anerkennungsverfahren als Instrument nutzen, um Mitarbeiter, die noch keinen fachlichen Abschluss haben, aber aus ihrem Heimatland eine berufliche Ausbildung mitbringen, als anerkannte Fachkräfte in das Unternehmen zu integrieren “, sagt sie. „Momentan sind es hauptsächlich die ausländischen Fachkräfte selber, die zur Anerkennungsberatung kommen.“

IHK Berlin: In Berlin fehlen 141.000 Fachkräfte

Dabei würde eine höhere Quote anerkannter Berufsabschlüsse aus dem Ausland auch Unternehmen zugutekommen: Denn laut Fachkräftemonitor der IHK Berlin fehlen zurzeit 141.000 Fachkräfte allein in der Hauptstadt. Darunter mangelt es an 25.000 Akademikern und 116.000 Facharbeitern, während es bei den Helferberufen mittlerweile laut der Statistik schon einen Überhang von 7.000 Männern und Frauen gibt. Eine Möglichkeit also: Mitarbeiter in Helferberufen mit einem ausländischen Abschluss diesen anerkennen, um sie im Unternehmen weiter zu qualifizieren.

Auch aus Sicht der zuständigen Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales unter der Linken-Senatorin Elke Breitenbach könne mittelbar einiges getan werden, um die Antragszahlen weiter zu erhöhen und so mehr Fachkräfte anzulocken. Dazu zähle, Informations- und Beratungsangebote noch weiter auszubauen. „Vor allem muss die Antragstellung aus dem Ausland leichter werden“, sagt eine Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung. Derzeit werde an der Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes gearbeitet, durch das die Grundlage für eine Zentrale Servicestelle für Antragstellende aus dem Ausland geschaffen werden soll. Daneben seien aber auch bessere Sprachkenntnisse der Fachkräfte entscheidend dafür, ob das Verfahren Erfolg habe.

Ausländische Fachkräfte: Großteil kommt aus Ländern der EU

Tatsächlich muss zwar für die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen kein Sprachniveau nachgewiesen werden. Wenn es aber im Laufe des Anerkennungsverfahrens zu einer Qualifikationsanalyse kommen sollte, müssen hierfür ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden sein. Das ist der Fall, wenn Dokumente nicht mehr vorhanden sind und die Qualifikation deshalb anders bewiesen werden muss.

Der Großteil ausländischer Fachkräfte, der sich in Berlin im vergangenen Jahr einen reglementierten Beruf anerkannt lassen hat, kommt aus Ländern der EU, danach folgen Asien und das übrige Europa. Mit großem Abstand dahinter: Südamerika, Afrika und Nordamerika. Insgesamt haben mehr Frauen als Männer eine Anerkennung beantragt. Den größten Anteil nahm bei beiden Geschlechtern die Berufsgruppe „Medizinische Gesundheit“ ein. So kamen in dieser Berufsgruppe beispielsweise mit 242 Männern und Frauen die meisten Antragssteller von den Philippinen, gefolgt von Syrien mit 185 Antragsstellern.

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