Glosse

Plötzlich vermisse ich die patzige Verkäuferin: In Berlin verschwindet der Mensch hinter dem Tresen

Touchscreen in der Eisdiele, Selbstbedienungskasse im Supermarkt: Der Mensch hinter dem Tresen verschwindet. Ausgerechnet in Berlin fällt das besonders auf.

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Die Berliner Schnauze hatte immerhin ein Gesicht. Hinter Touchscreen und Selbstbedienungskasse bleibt nicht mal mehr das.

Die Berliner Schnauze hatte immerhin ein Gesicht. Hinter Touchscreen und Selbstbedienungskasse bleibt nicht mal mehr das.

© IMAGO/Pazhyna

Neulich in einer Eisdiele am Boxhagener Platz. Ich stelle mich an, sage „eine Kugel Stracciatella, bitte“ und niemand antwortet. Vor mir steht kein Mensch, sondern ein Tablet auf einem Edelstahlständer. Es leuchtet. „Willkommen! Wie dürfen wir dich glücklich machen?“, fragt der Bildschirm und klebt einen Smiley hinter die Frage. Ich tippe auf Stracciatella. Der Smiley bleibt. Immer.

Es ist ja nicht so, dass diese Stadt je für ihren Service berühmt gewesen wäre. Wer hier jahrzehntelang Schrippen, Currywurst und Monatskarten gekauft hat, kennt den Tonfall an der Theke: knapp, eine Spur beleidigt, gelegentlich ehrlich genervt. Die Berliner Schnauze war nie freundlich. Aber sie war da. Sie hat einen angesehen, vermessen, für zu langsam befunden und trotzdem bedient. Hinter der miesen Laune steckte jemand, der einen schlechten Tag haben konnte, und manchmal sogar ein Funke Mitgefühl, wenn man mit kaputtem Buggy und quengelndem Kind in der Schlange stand.

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