Es wird voller im Südosten der Stadt. In Treptow-Köpenick, wo derzeit gerade mal 1500 Einwohner pro Quadratkilometer leben (im Berliner Durchschnitt sind es 4000), stellt man sich auf ein überdurchschnittlich hohes Bevölkerungswachstum ein. Nach Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte zählt Treptow-Köpenick laut Senatsprognose zwar ohnehin zu den Zuzugsgebieten. Im Köpenicker Rathaus rechnet man aber damit, dass bis 2030 deutlich mehr als die offiziell veranschlagten 20.000 Einwohner zuziehen.
Vor allem Ältere und Familien mit Kindern zieht es in den Südosten, der mit Wasser, Wald und Grün lockt. Wie sich die Bezirkspolitik darauf vorbereitet, steht in einem fast hundertseitigen Papier zum Thema demografischer Wandel, das am Dienstag vorgestellt wurde.
Bis zu 28.000 neue Wohnungen
Seit Jahren liegt das Durchschnittsalter in Treptow-Köpenick berlinweit mit am höchsten. „Die Menschen werden älter, zudem ziehen viele Senioren zu uns, denen es in der Innenstadt zu hektisch und zu laut ist“, sagte Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Der Anteil der über 60-Jährigen liege derzeit bei fast 30 Prozent (Berlin 19 Prozent). Bis 2030 werde er weiter ansteigen, der Anteil der über 80-Jährigen sogar um 140 Prozent. Vor allem im Allendeviertel, in Köpenick-Nord und in Friedrichshagen leben die Älteren. Das andere Extrem ist der starke Zuzug junger Familien mit Kindern – vor allem nach Oberschöneweide, Treptow-Nord und Adlershof. Beide Entwicklungen stellen die Politik vor Herausforderungen, so Igel.
Beispiel Wohnungsbau: Bis zu 28.000 Wohnungen könnten im Bezirk bis 2030 entstehen. Vor allem in attraktiver Wasserlage werden teure Wohnungen gebaut, die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen ist fast überall höher als das Angebot. Für Treptow-Nord, einen Kiez in direkter Nachbarschaft zu Kreuzberg, wird eine Milieuschutzverordnung vorbereitet, um dort Luxussanierung und Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen einzudämmen. Ein Thema, das im Bezirk bislang kaum eine Rolle spielte. Mehr barrierefreie Wohnungen werden gebraucht, und in Oberschöneweide, dem Sitz der Hochschule für Technik und Wirtschaft, entstehen rund 800 Studentenwohnungen.
Beispiel Kitas und Schulen: „Die Entwicklung wird zu Problemen führen“, sagt Bürgermeister Igel. Obwohl mehr als 1000 neue Kitaplätze geschaffen worden seien, könne man nicht allen Eltern eine wohnortnahe Versorgung zusichern. Und es müssten auch Container aufgestellt werden. Leerstehende Schulen wie an der Stillerzeile oder an der Alfred-Randt-Straße würden reaktiviert.
Beispiel Verkehr: Von der BVG wird der Bezirk nicht gerade als Schwerpunkt betrachtet, Linien werden ausgedünnt oder gar wie die Tram 67 eingestellt. Igel: „Auch die Verkehrsbetriebe müssen umdenken, die Verkehrsinfrastruktur muss sich den Entwicklungen anpassen.“
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