Bewohner müssen künftig mehr bezahlen

DRK verkauft das erste Pflegeheim

Dilek Güngör
3 Min

Mehr als 130 Millionen Euro Schulden zahlt man nicht einfach so auf einen Schlag zurück. Auch der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nicht. Wegen schlechten Managements waren beim Roten Kreuz Verbindlichkeiten dieser Höhe aufgelaufen. Im Sommer 2001 meldete das DRK Insolvenz an. Seither wurden mehr als 40 Grundstücke des Landesverbandes an den amerikanischen Investmentfonds Lone Star verkauft, um Schulden bei den Gläubigern zu tilgen. Aber das war nicht genug. Jetzt hat der Landesverband eines seiner beiden Pflegeheime an Lone Star abgegeben: Das Haus Nansen in der Berliner Straße in Zehlendorf wurde in die USA verkauft. Lone Star wiederum hat das Pflegeheim an die süddeutsche Firma Alpenland vermietet. Ab 1. Februar ist Alpenland Trägerin des Heimes. Das zweite Pflegeheim, Barbara von Renthe-Finck in der Bundesallee, wird vom 1. Februar an vom Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge betrieben. Ob Lone Star auch dieses Heim kaufen wird, ist noch unklar.Während man in Wilmersdorf davon ausgeht, dass die Kosten für die Bewohner mit dem neuen Träger sinken werden, hat man in Zehlendorf bereits schriftlich, dass die Tagessätze steigen werden. "Ab 1. Februar kostet das Einzelzimmer pro Tag 16,21 Euro mehr, das Doppelzimmer täglich 13,51 Euro mehr", sagt Jürgen Hofmann. "Das sind für Pflegebedürftige im Einzelzimmer mehr als 480 im Monat." Vorwürfe zurückgewiesenHofmann ist ehrenamtlicher Betreuer einer Bewohnerin des Hauses Nansen. Seit acht Jahren kümmert er sich um deren Geschäfte. Sie bezahlt im Moment jeden Monat 1 800 Euro. "Die Leute werden zu Sozialfällen", sagt Hofmann. "Das Rote Kreuz hat sich einfach aus der Verantwortung gezogen."Friedrich Führ, kommissarischer Landesgeschäftsführer des DRK-Landesverbandes, hält die Vorwürfe für unsinnig. Die Übergabe an die Firma Alpenland sei weder für die Heimbewohner noch für das Personal überraschend gekommen. "Wir haben immer alle informiert." Heimleiter Hans Dreiner sagt, Bewohner und Angehörige seien im Oktober benachrichtigt worden.Die Pflegekosten jedes Heimbewohners setzten sich zusammen aus der Pflegevergütung, aus Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie aus so genannten investiven Aufwendungen, erklärt Dreiner. Von diesem letzten Posten werden Reparaturen und Wartungsarbeiten im Heim bezahlt. Solange das Haus Nansen dem DRK gehörte, war der Posten "investive Aufwendungen" für die Heimbewohner nicht angefallen. Das Rote Kreuz war ja Eigentümer des Grundstückes und des Hauses. Alpenland hingegen muss Miete an den neuen Eigentümer, Lone Star, bezahlen. Die Miete darf als "investive Aufwendung" auf die Heimbewohner umgelegt werden. "Das war schon immer so, das ist Gesetzesgrundlage", sagt Dreiner. Diese Aufwendungen umfassen auch Kosten für Reparaturen und Umbauten, die in dem Heim vorgenommen werden sollten. "Die Nasszellen sollen renoviert und die Bäder behindertengerecht umgebaut werden", sagt Dreiner. "Ganz gleich, wer das Heim übernommen hätte, der neue Posten investive Ausgaben wäre auf jeden Fall angefallen, so Dreiner.Niemand muss ausziehenAusziehen müsse jetzt kein Heimbewohner. Wer die zusätzlichen Kosten nicht bezahlen könne, werde vom Sozialhilfeträger unterstützt. "Die bezahlen die Differenz", sagt Klaus Baier, Berlin-Prokurist der Firma Alpenland. Von 1. März an werden vier weitere Pflegeheime von Alpenland betrieben werden: Das Heim Schlachtensee an der Spanischen Allee, das Seniorenheim Ilnitzky an der Hohenzollernstraße in Wannsee sowie Heime in der Steglitzer beziehungsweise Tempelhofer Albrechtstraße. "Auch hier müssen die Bewohner mit höheren Kosten rechnen", sagt Baier.

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