Bezirk will Trabrennbahn vor Schließung bewahren

Bürgermeister regt neuen Rennverein an

Marcel Gäding
3 Min

Der Renntag am kommenden Freitag auf der Trabrennbahn Karlshorst ist vielleicht doch nicht der letzte. Lichtenbergs Bürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS) hat angekündigt, sich persönlich für den Erhalt der Trabrennbahn an der Treskowallee einzusetzen. Wie berichtet, zieht sich der Berliner Traberverein (BTV) als Betreiber von Karlshorst zurück. Künftig will der BTV nur noch auf seiner Anlage in Mariendorf Pferderennen veranstalten."Die Trabrennbahn gehört mit ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte zum Bezirk", sagt Friedersdorff. Es sei wichtig, sie für den Pferdesport zu erhalten. Allerdings sei er sich mit den Trainern und Pferdebesitzern einig, dass man das Gelände vielseitig nutzen muss: "Mit Pferdesport allein hat das Areal keine Zukunft. " Friedersdorff stellt sich eine Mischnutzung vor und unterstützt Pläne der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG), die dort Wohnhäuser bauen will. Die TLG ist Eigentümerin des Geländes und hatte nach dem Ausstieg des BTV versichert, an ihrem Projekt festzuhalten. Friedersdorff kann sich vorstellen, für Karlshorst einen eigenen Rennverein zu gründen. "Es ist an der Zeit, dass sich die Trainer und Pferdesportler mal Funktionäre suchen, die keine Kungelpolitik betreiben. " Mittlerweile hat es zwischen Friedersdorff und vier Vertretern der Trabrennbahn ein erstes Gespräch gegeben. Im Januar will der Bürgermeister die TLG einladen. Dass der Berliner Trabrennverein seinen Beschluss zurücknimmt, den mit der Treuhand abgeschlossenen Pachtvertrag zu kündigen, glaubt der Bürgermeister nicht. "Die Kündigung durch den Verein war ein Vertrauensbruch", sagt er. Vor eineinhalb Jahren hatte Friedersdorff zusammen mit dem damaligen Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner und dem Tempelhofer Bürgermeister Dieter Hapel (beide CDU) noch die Neugründung des Vereins unterstützt, um die bisher eigenständigen Trabrennbahnen unter einem Dach zu führen.Der BTV sagt, dass er es bedauert, sich von Karlshorst zu trennen. "Sicher ist ein solcher Schritt immer schmerzlich", sagt BTV-Geschäftsführer Dimitros Vergos. In Karlshorst haben Pferdebesitzer das Vertrauen in Vergos aber längst verloren. "Der hat uns stets an der Nase herumgeführt", sagt beispielsweise Pferdebesitzer Silvio Zahn. So hatte Vergos noch Ende November vor 450 Zuhörern bei einem Leserforum der "Berliner Zeitung" beteuert, dass es ab dem 15. März in Karlshorst weitergeht. Vorige Woche aber wendete sich das Blatt. Statt wie in diesem Jahr 127 Rennen zu veranstalten, soll es 2002 nur noch 60 geben - wegen der sinkenden Wettumsätze.Warten auf Erklärungen Mit den Worten "Eine Bahn ist zu viel" hatte Vergos den Rückzug aus Karlshorst gerechtfertigt. Für Zahn ist das Beweis für einen klassischen Wortbruch. "An der Kehrtwende merkt man, dass es Vergos nie ernst gemeint hat mit Karlshorst", sagt er. Und auch der Bürgermeister hat von den BTV-Verantwortlichen genug. "Mich würde es nicht wundern, wenn auch Mariendorf irgendwann geschlossen werden muss. " Nur das Wort Missmanagement verwendet Friedersdorff nicht. Diesen Vorwurf muss sich Vergos aber von den Karlshorster Pferdesportlern anhören - wenn er denn Wort hält und ihnen den Rückzug erklärt.BLZ/HERSCHELMANN"Das Verhalten des Vereins war ein Vertrauensbruch. " W. Friedersdorff, Bürgermeister

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