Die rechtspopulistische AfD hatte bei den Wahlen vor zwei Wochen aus dem Stand den Sprung in alle Bezirksparlamente geschafft, in sieben Bezirken steht ihr nun einer von jeweils fünf Stadtratsposten im Bezirksamt zu. Welche Aufgaben die Stadträte übernehmen, das wird unter den beteiligten Parteien ausgehandelt.
In Spandau schickt die neunköpfige AfD-Fraktion Andreas Otti ins Rennen, er wurde am Montag nominiert. Der 48-Jährige Bundeswehroffizier lebt mit Frau und Kindern seit zwei Jahren in Spandau. Politische Erfahrungen sammelte er in der CSU, verließ die Partei aber, weil es ihr, wie er sagt, zunehmend weniger gelang, „gewisse konservative Wählerkreise“ anzusprechen.
Er freue sich „unheimlich“ auf die neue Tätigkeit, sagte Otti am Mittwoch, für ihn sei die Arbeit kein Job, sondern etwas, das er aus Leidenschaft täte. Otti betont, er sei kein Europa-Gegner, innerhalb der AfD zähle er sich zum Meuthen-Lager und sei sehr „wirtschaftsorientiert“. Sein Favorit sei wie vermutlich bei allen anderen Kandidaten der Bereich Stadtplanung, gern übernehme er aber auch den Bereich Jugend und Bildung oder auch das Ordnungsamt. Otti ist gebürtiger Westfale.
Maack in Reinickendorf nominiert
Die Reinickendorfer AfD-Fraktion und der Bezirksverband haben am Dienstag Sebastian Maack als Stadtratskandidaten nominiert. Die Entscheidung für den Sprecher des Bezirksvorstandes fiel einstimmig, wie BVV-Fraktionschef Rolf Wiedenhaupt sagt. Maack, der an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurswesen studierte und als freiberuflicher IT-Berater arbeitet, lebt in Frohnau.
Sebastian Maack soll Stadtrat in Reinickendorf werden.
© afd
Der 47-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Maack war mehr als drei Jahrzehnte CDU-Mitglied, wechselte aber aus Ärger über die „Sozialdemokratisierung“ der Union vor zweieinhalb Jahren zu AfD, wie er sagt. Auf linken Internet-Plattformen wird Maack als „rechtsoffen“ bezeichnet und ihm damit mangelnde Abgrenzung zum rechten Rand vorgeworfen. Auch weil er Mitglied zweier Landsmannschaften ist, der Thuringia Berlin und der Akademischen Landsmannschaft Baltia Rostock. Die Kritik sei absurd sagt Maack. Unter den Mitgliedern der Verbindungen sei das „ganze bürgerliche Spektrum“ vertreten.
Als Stadtrat wolle er seine Ideen konstruktiv einbringen und mit den anderen Bezirksamtsmitgliedern zusammenarbeiten. In der CDU, die im Bezirksamt drei Posten besetzen wird, will man sich den Kandidaten nun noch mal näher anschauen. Immerhin sei Maack „kein AfD-Kandidat, bei dem man schon auf den ersten Blick sagt: Der geht gar nicht“, so CDU-Kreischef Frank Steffel.
In anderen Bezirken dauert die Kandidatensuche noch
In den anderen fünf Bezirken ist die Kandidatensuche unterschiedlich weit fortgeschritten. In Treptow-Köpenick, wo die AfD hinter SPD und Linken die drittstärkste Fraktion in der BVV stellt, soll kommende Woche ein Kandidat benannt werden. Am Dienstag habe sich zunächst die Fraktion konstituiert, sagte der 27 Jahre alte Alexander Bertram, der nun der Fraktion vorsteht.
Auch in Neukölln braucht man noch Zeit. Auf Listenplatz 1 stand Jörg Kapitän, ein Bahnhofsmanager der BVG, der nach eigener Aussage nicht so genau weiß, „was ein Stadtrat eigentlich macht“. Wie es heißt, gibt es einen anderen Kandidaten: den Fremdsprachenkorrespondenten Roland Babilon.
Mitten in den Beratungen steckt die Lichtenberger AfD. Spitzenkandidat Karsten Woldeit sagt, eine Entscheidung werde „binnen 14 Tagen“ fallen. Infrage kämen nach seiner Aussage zwei bis drei Kandidaten – er selbst aber nicht. Das habe er aber bereits vor der Wahl mitgeteilt. Unklar ist auch noch der AfD-Kandidat für Marzahn-Hellersdorf.
Pankows AfD indes steht noch vor einem Personalproblem: Die Partei hat ihre wichtigen Bezirksprotagonisten ans Abgeordnetenhaus verloren. „Die restlichen Verordneten müssten sich erstmal sortieren“, sagt Sprecher Ronald Gläser. Allerdings hätten sich bereits Bewerber gemeldet, „mit ausgezeichneten Qualitäten“. (BLZ)
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