Billy Bangs schwarze Veteranen-Band

Als der afroamerikanische Geiger Billy Bang vor gut zehn Jahren nach Berlin kam, um einige Zeit zu bleiben, hatte er nur eine einzige LP dabei, die er stolz zu jedem Interview mitnahm und vorspielte. Auf ihr gab es eine gemeinsame Aufnahme mit dem Trompeter Don Cherry. Vor sechs Jahren verließ Bang Berlin wieder Richtung New York, um bei einigen herausragenden CD-Aufnahmen der jüngsten Zeit dabei zu sein. Mit dem CD-Projekt "Vietnam: the Aftermath" änderte sich für den New Yorker Musiker sein Leben. Bei dieser CD ging es um die schwierige Aufarbeitung (afro)amerikanischer Geschichte. Bang hatte eine Band schwarzer Veteranen zusammengestellt, die bis heute unter den Eindrücken leiden, die sie als junge Männer im Vietnamkrieg erfuhren. Ein ungemein intensives Musikdokument, das zugleich der Selbsttherapie dienen sollte - vor gut einem Jahr folgte dann "Vietnam: Reflections" (Justin Time/Vertrieb: Sunny Moon).In den USA meldeten sich sogar viele Vietnam-Veteranen bei ihm - aus Dankbarkeit. Auch sie hatten vergeblich versucht, ihre Albträume mit Drogen und Alkohol zu bezwingen. Vietnam sei in ihm gewesen, außer wenn er betrunken war oder Heroin nahm. Vietnam habe ihn nie verlassen, bis er die CD machte, berichtet Bang beim Gespräch in New York. Aus Vietnam sei er, damals 21 Jahre alt, als Antiamerikaner zurückgekommen, die Vietnamesen hätten ihn besser behandelt als das rassistische Amerika, sagt Bang.In Vietnam habe man sich auf jeden verlassen können müssen, Schwarze wie Weiße, doch der gravierende Unterschied zum Alltag in den USA war: In Vietnam hatten alle Waffen. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Bang ein "extremer Linker", ein Außenseiter, der sich mit Waffen auskannte. Er habe sich vergewaltigt und von der Regierung betrogen gefühlt, nach dem vielen Töten habe er Frieden gewollt, sagt er. So kam er zur Musik. Kein Blut mehr, keine Schmerzen - es sei keine tolle Sache, als Vietnam-Veteran zurückzukommen und mit Eiern beschmissen zu werden. Erst nach dem 11. September 2001 habe sich das Verhältnis der Amerikaner gegenüber den Vietnam-Veteranen geändert.Bang, der in diesem Jahr 60 wird, wuchs in der South Bronx, New York, auf. Er hatte schon als Kind in der Schule Geige gelernt, der kürzlich verstorbene Geiger Leroy Jenkins motivierte ihn später, Musiker zu werden. Acht Jahre spielte Bang auch mit der Musikerkommune von Sun Ra zusammen. Heute fühle er sich als einer der letzten Avantgardisten, sagt Bang, das Problem sei, dass die jüngeren Musiker das Risiko scheuen. Im Jazz geht es seiner Meinung nach um die Freiheit, die je eigenen Besonderheiten zum Ausdruck zu bringen. In Berlin tritt Bang heute mit dem Kahil El'Zabar Ritual Trio auf. Der Perkussionist El'Zabar repräsentiert die legendäre schwarze Musikerselbsthilfeorganisation AACM aus Chicago, zu seinem Ritual Trio gehören der Saxofonist und Pianist Ari Brown und der Bassist Yosef Ben.Heute um 21 Uhr, Ballhaus Naunyn- straße, Kreuzberg, Tel. 34 745 98 45.------------------------------Foto: Für Billy Bang ist Musik Selbsttherapie gegen das ...

BLZ
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Als der afroamerikanische Geiger Billy Bang vor gut zehn Jahren nach Berlin kam, um einige Zeit zu bleiben, hatte er nur eine einzige LP dabei, die er stolz zu jedem Interview mitnahm und vorspielte. Auf ihr gab es eine gemeinsame Aufnahme mit dem Trompeter Don Cherry. Vor sechs Jahren verließ Bang Berlin wieder Richtung New York, um bei einigen herausragenden CD-Aufnahmen der jüngsten Zeit dabei zu sein. Mit dem CD-Projekt "Vietnam: the Aftermath" änderte sich für den New Yorker Musiker sein Leben. Bei dieser CD ging es um die schwierige Aufarbeitung (afro)amerikanischer Geschichte. Bang hatte eine Band schwarzer Veteranen zusammengestellt, die bis heute unter den Eindrücken leiden, die sie als junge Männer im Vietnamkrieg erfuhren. Ein ungemein intensives Musikdokument, das zugleich der Selbsttherapie dienen sollte - vor gut einem Jahr folgte dann "Vietnam: Reflections" (Justin Time/Vertrieb: Sunny Moon).In den USA meldeten sich sogar viele Vietnam-Veteranen bei ihm - aus Dankbarkeit. Auch sie hatten vergeblich versucht, ihre Albträume mit Drogen und Alkohol zu bezwingen. Vietnam sei in ihm gewesen, außer wenn er betrunken war oder Heroin nahm. Vietnam habe ihn nie verlassen, bis er die CD machte, berichtet Bang beim Gespräch in New York. Aus Vietnam sei er, damals 21 Jahre alt, als Antiamerikaner zurückgekommen, die Vietnamesen hätten ihn besser behandelt als das rassistische Amerika, sagt Bang.In Vietnam habe man sich auf jeden verlassen können müssen, Schwarze wie Weiße, doch der gravierende Unterschied zum Alltag in den USA war: In Vietnam hatten alle Waffen. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Bang ein "extremer Linker", ein Außenseiter, der sich mit Waffen auskannte. Er habe sich vergewaltigt und von der Regierung betrogen gefühlt, nach dem vielen Töten habe er Frieden gewollt, sagt er. So kam er zur Musik. Kein Blut mehr, keine Schmerzen - es sei keine tolle Sache, als Vietnam-Veteran zurückzukommen und mit Eiern beschmissen zu werden. Erst nach dem 11. September 2001 habe sich das Verhältnis der Amerikaner gegenüber den Vietnam-Veteranen geändert.Bang, der in diesem Jahr 60 wird, wuchs in der South Bronx, New York, auf. Er hatte schon als Kind in der Schule Geige gelernt, der kürzlich verstorbene Geiger Leroy Jenkins motivierte ihn später, Musiker zu werden. Acht Jahre spielte Bang auch mit der Musikerkommune von Sun Ra zusammen. Heute fühle er sich als einer der letzten Avantgardisten, sagt Bang, das Problem sei, dass die jüngeren Musiker das Risiko scheuen. Im Jazz geht es seiner Meinung nach um die Freiheit, die je eigenen Besonderheiten zum Ausdruck zu bringen. In Berlin tritt Bang heute mit dem Kahil El'Zabar Ritual Trio auf. Der Perkussionist El'Zabar repräsentiert die legendäre schwarze Musikerselbsthilfeorganisation AACM aus Chicago, zu seinem Ritual Trio gehören der Saxofonist und Pianist Ari Brown und der Bassist Yosef Ben.Heute um 21 Uhr, Ballhaus Naunyn- straße, Kreuzberg, Tel. 34 745 98 45.------------------------------Foto: Für Billy Bang ist Musik Selbsttherapie gegen das Vietnam-Trauma.

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