Berlin In Deutschland sind zwei riesige Energiesysteme installiert, die Wärmeerzeugung und der Strommarkt - sie sind kaum miteinander verschaltet. Doch der steigende Anteil schwankenden Öko-Stroms macht es hochattraktiv, das zu ändern. Vattenfall hat in Berlin gestern die Leitwarte eines virtuellen Kraftwerks in Betrieb genommen - es ist nach Aussage von Vattenfalls Wärme-Chef Frank May die "intelligenteste Antwort, die es derzeit auf den Ökostrom-Boom gibt" und ein weltweit einmaliges Projekt.Der Trick liegt in der zentralen Steuerung zweier Öko-Wärmequellen. Die erste sind Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Das sind kleine Kraftwerke, die je nach Größe ein Haus oder einen Wohnblock durch einen Verbrennungsmotor mit Wärme versorgen und zudem Strom produzieren. Vattenfall will diese Anlagen durch seine Erfahrung im Strom- und Wärmemarkt optimal steuern, so dass der Strom zu hohen Preisen verkauft wird. Die Wärme kann vorübergehend gespeichert und später verwendet werden. Das ist gut fürs Stromnetz: Hohe Preise gibt es in der Regel an der Strombörse, wenn Wind und Sonne nicht viel Elektrizität liefern.Weniger SchwankungenZudem übernimmt Vattenfall die Kontrolle über Wärmepumpen - bei ihnen ist es gerade andersherum als bei den KWK-Anlagen. Die Pumpen brauchen Strom, um Wärmeenergie aus Boden oder Luft zu gewinnen. Vattenfall will die Pumpen dann anwerfen, wenn hohe Öko-Strom-Mengen zur Verfügung stehen und so die Kosten für den Betrieb senken. Mit der Steuerung können also die starken Schwankungen der erneuerbaren Energiequellen etwas abgemildert und besser genutzt werden. Zunächst sind nur zwölf Anlagen an die neue Leitstelle angeschlossen, die 2000 Wohnungen und Häuser versorgen. Aber Vattenfall hat große Expansionspläne: 2013 sollen 200000 Berliner Kunden an die Warte angeschlossen sein. Auch private Besitzer einer geeigneten Anlage können sich dem System anschließen. (jas.)
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