BKA-Chef Ziercke sieht Terrorgefahr präsenter

Tausend gewaltbereite Islamisten

Andreas Förster
2 Min

WIESBADEN. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hat vor einer wachsenden Gefahr durch islamistischen Terror gewarnt. Auf der BKA-Herbsttagung bezeichnete er die gegenwärtige Bedrohung Deutschlands durch islamistischen Terror als präsenter denn je. Insgesamt bezifferte Ziercke gestern das gewaltbereite Potenzial auf tausend Menschen. Eine besondere Gefahr gehe von radikalisierten Rückkehrern aus, die Terror-Ausbildungslager in Pakistan besucht hätten. Seit Mitte der 90er-Jahre seien rund 220 Islamisten aus Deutschland nach Pakistan gereist, so Ziercke, die meisten hätten dort eine Kampfausbildung absolviert. Allein seit 2008 habe man entsprechende Reisen von rund 140 Deutschen registriert. Sie bildeten den Kern der sogenannten Gefährder, deren Zahl Ziercke auf 131 Personen bezifferte.Ohne auf die aktuelle Zuwanderdebatte direkt einzugehen, warnte Ziercke vor den möglichen Folgen der Ausgrenzung hier lebender Muslime: "Gerade für junge Menschen ist es bedeutsam, wie sie sich aufgenommen fühlen in der Gesellschaft, wie sie ihre Chancen und Perspektiven hier bewerten." Wenn man ihnen das Gefühl gebe, willkommen zu sein und gebraucht zu werden, wäre das positiv für Muslime. "Damit verringert sich bei ihnen auch die Ansprechbarkeit durch radikale Glaubensbrüder", so Ziercke. Deutlichere Worte wählte der Grünen-Politiker Wolfgang Wieland. "Sarrazin, Seehofer, Merkel und Westerwelle haben mit ihren Äußerungen den Deckel vom Topf genommen und einer ausländerfeindlichen Diskussion Vorschub geleistet", sagte Wieland. "So wird der Nährboden für die Radikalisierung insbesondere von jungen Muslimen bereitet."Tatsächlich zeigen neue Studien, dass eine gefühlte oder objektive Unzufriedenheit mit der eigenen Rolle in der Gesellschaft meist Ausgangspunkt des Radikalisierungsprozesses junger Muslimen ist. Der am Londoner King's College forschende Politologe Peter Neumann verwies auf Studien, wonach vor allem bei Migranten der zweiten Generation in Westeuropa das Gefühl der fehlenden Akzeptanz sowie die Diskriminierung ein entscheidender Anstoß für die Radikalisierung sei. "In diese Identitätskrise, in das Vakuum der Heimatlosigkeit, des fehlenden Gefühls, hier zu Hause zu sein, stößt die Ideologie der Radikalen und fällt auf fruchtbaren Boden", so Neumann. "Die Ideologie ist meist erst der zweite Einflussfaktor, er gibt der Unzufriedenheit einen Sinn und lenkt sie in eine bestimmte Richtung."

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