Er war der große Hoffnungsträger, doch jetzt ist er gescheitert. Thorsten Heins muss seinen Stuhl als Vorstandschef des kanadischen Smartphone-Herstellers Blackberry räumen. Eigentlich sollte der deutsche Manager den kriselnden Konzern retten und ihn an einen Investor oder Tech-Konzern verkaufen. Am Ende wollte niemand zugreifen.
Vor knapp zwei Jahren war Heins bei Blackberry angetreten, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen. Die Kanadier hatten im harten Wettbewerb auf dem Smartphone-Markt schon in der Zeit vor Heins den Anschluss an die Rivalen Samsung und Apple verloren. Blackberry verlor in Europa und den USA immer mehr Marktanteile. Das neue berührungsempfindliche Smartphone Z10 floppte, ebenso das Betriebssystem Blackberry 10 und das Tablet Playbook. Selbst treue Geschäftskunden, lange die Stammklientel, schalteten die Geräte immer häufiger aus.
Zuletzt musste Heins 4500 Mitarbeiter entlassen und die Firma zum Verkauf stellen. Der vom indo-kanadischen Manager Prem Watsa geführte Finanzinvestor und Blackberry-Großaktionär Fairfax hatte ein milliardenschweres Kaufangebot abgegeben. Auch eine von den ehemaligen Firmengründern Mike Lazaridis und Douglas Fregin geführte Gruppe hatte lange einen Erwerb erwogen. Doch der Verkauf kam nicht zustande. Fairfax konnte die vereinbarten 4,7 Milliarden Dollar entweder nicht aufbringen oder kam zu dem Schluss, dass Blackberry dieses Geld nicht mehr wert ist. Auch Facebook oder Microsoft winkten ab. Analysten stuften das Unternehmen drastisch ab. National Bank Financial etwa senkte das Kursziel von neun Dollar pro Aktie auf drei Dollar. Zu ihren Hochzeiten war die Aktie über 200 Dollar wert.
Nach dem geplatzten Verkauf will das Unternehmen jetzt mit einer Art Notlösung mehr Zeit gewinnen. Eine von Fairfax angeführte Investorengruppe will eine Milliarde Dollar in den Konzern pumpen. Zusammen mit dem 2,6 Milliarden Dollar umfassenden Finanzpolster aus guten Zeiten dürfte das Blackberry für etwa 18 Monate Luft verschaffen.
In Kanada rechnet man damit, dass die Investoren die erkaufte Zeit nutzen wollen, um Blackberry als eine Art Nischenanbieter für sicherheitsorientierte Geschäftskunden zu positionieren. Fairfax Chef Watsa, der auch dem Blackberry Aufsichtsrat angehört und etwa zehn Prozent der Aktien hält, gilt als der neue starke Mann in dem Konzern. In Kanada ist von einem Putsch Watsas bei Blackberry die Rede. Milliardär Watsa, einer der reichsten Unternehmer in Kanada, dürfte auch entschieden haben, Konzernchef Heins den Laufpass zu geben. Stattdessen übernimmt nun der in Hongkong geborene Manager John Chen das Ruder. Chen hatte einst den US-Softwareentwickler Sybase aus der Krise geführt und erfolgreich an SAP verkauft. In Kanada hofft man, dass Chen diese Leistung wiederholen kann.
Für den gefeuerten Thorsten Heins gibt es immerhin ein dickes Trostpflaster. In kanadischen Medien ist von einer Abfindung von etwa 22 Millionen Dollar die Rede. Das ist zwar weniger als halb so viel, wie ihm im Falle eines erfolgreichen Verkaufs zugestanden hätte. Für einen gescheiterten Manager aber ist es mehr als ordentlich.
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