Zu ihrem Glück kapiert Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) gar nicht, was der polnische Heimatfrontler ihr da an den Kopf schleudert. „Die Nazi-Schlampe soll gefälligst polnisch reden!“ Der Zuschauer versteht das schon – denn er hat ja Untertitel. Lenskis Kollege Raczek (Lucas Gregorowicz) aber bietet dem Kerl Paroli. Der „Polizeiruf“ aus Frankfurt an der Oder nimmt sein deutsch-polnisches Anliegen sehr ernst und steigt kurz vor dem 80. Jahrestags des deutschen Überfalls tief in die Konflikte ein, die aus der Historie in die aktuelle Politik hinüberreichen.
Schauplatz der Auseinandersetzungen ist ein kleiner Bauernhof, auf dem die Ruine eines deutschen Herrenhauses steht. Der Bauer will’s behalten, seine deutsche Frau verkaufen. Die Heimatfront und demonstrierende Bauern kämpfen verbissen gegen Agrarkonzerne, die über polnische Strohmänner Land aufkaufen. Jenseits der Oder interessieren sich weitere Deutsche für das Land: Sie spielen im Wald Krieg, wähnen sich immer noch in der preußischen „Provinz Brandenburg“ und fahren in Jeeps mit reichsdeutschen Kennzeichen gen Osten. Unterstützung finden sie in einer Bilderbuch-Adligen (Gudrun Ritter), die mit ihrem alerten Sohn (Hanns Zischler) ins Heimatgut zurückkehren will.
Die Methoden, mit denen die Männer um Blut und Boden kämpfen, sind brutal: Finger werden abgeschnitten, Ställe abgefackelt, Schrotflinten und Pistolen in Anschlag gebracht. Kommissarin Lenski hofft angesichts der Heimatverblendeten auf beiden Seiten schließlich, die Idioten mögen sich gegenseitig erschießen. Kollege Raczek aber will weiter aufklären – und gibt immer wieder Kurzreferate über das komplizierte deutsch-polnische Verhältnis. Insgesamt aber ist es dem Autor und Regisseur Christian Bach in seinem Fernsehdebüt gelungen, die verschiedenen Perspektiven rund um das Thema Bodenspekulation geschickt zu verbinden und dabei auch in die Zukunft zu blicken: Eine Hauptfigur des Krimis ist der 14-jährige Sohn des Hofbesitzers, der zwischen den Kämpfen fast zerrissen wird.
Polizeiruf 110: Heimatliebe So, 20.15 Uhr, ARD
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