Es sind die großen Dinge, die selbst einen 31 Jahre alten Fußballer wieder zu einem kleinen Kind werden lassen. Kevin-Prince Boateng bekam das Dauergrinsen gar nicht mehr aus seinem spitzbübischen Gesicht, das von einem akkurat getrimmten Ziegenbärtchen geziert wird. Weder am Flughafen in Barcelona, als er von Fotografen abgelichtet wurde, noch bei der Führung durch das legendäre Camp Nou, noch später dann bei der Beflockung seines eigenen Trikots mit der Aufschrift „Prince“ und der Nummer 19.
Die Nachricht überraschte die Fußball-Welt: Kevin-Prince Boateng wechselt auf Leihbasis von US Sassuolo zum FC Barcelona. Der Profi, der in Italien noch einen Kontrakt bis 2021 besitzt, kommt für eine Leihgebühr in Höhe von zwei Millionen Euro erst mal bis Saisonende. Barça besitzt aber eine Kaufoption, die bei acht Millionen Euro liegt. Heute steht der ehemalige Bundesligaspieler im Pokalspiel in Sevilla im Kader.
Hollywoodreifes Märchen
Boateng, der Berliner Jung’, kickt im Herbst seiner Karriere also noch mal für den größten Fußball-Klub der Welt. Ein Märchen, das hollywoodreif ist. Schnulzig und kitschig zugleich. Vom „Bad Boy“, der in Deutschland wegen zahlreicher Eskapaden schon mehrfach als gescheitert galt, zum Sensations-Pokalsieger 2018 mit Eintracht Frankfurt und jetzigen Teamkollegen von Lionel Messi. Boateng reiht sich damit in die Reihe von nur drei Deutschen ein, die das Blaugrana-Trikot in den letzten vier Jahrzehnten tragen durften: Bernd Schuster, Robert Enke, Marc-André ter Stegen.
„Kevin hat als 17-und 18-Jähriger schon Dinge am Ball gezeigt, die kein anderer Spieler konnte“, erinnert sich Dick van Burik, 45. Der Holländer war damals Führungsspieler bei Hertha BSC, als der blutjunge Boateng im Jahr 2005 beim 2:0 gegen Frankfurt sein Debüt für Hertha gab. „Ich habe mich immer gewundert, warum er es nicht schaffte, zu den besten fünf bis zehn Spielern der Welt aufzusteigen. Nun löst er sein riesiges Potenzial im Alter ein.“
Jugendfreund und Friseur schwärmt: „Er wird Barca helfen”
Eigentlich wollte Boateng, der im Sommer aus Frankfurt zum italienischen Mittelklasse-Klub Sassuolo gewechselt war, seine Karriere in Italien ausklingen lassen. Der Familie wegen. Ehefrau Melissa Satta, 32, und Sohn Maddox Prince, 4, hätten unter der Fernbeziehung zwischen Mailand und Frankfurt gelitten, so hieß es. Spekulationen, wonach es zur Trennung mit Satta gekommen sein soll, bewegen in diesen Tagen die Boulevardblätter.
In Berlin ist man stolz auf den Boateng-Transfer. „Schön, dass Hertha einen Spieler ausgebildet hat, der es nun nach Barcelona geschafft hat. Das adelt uns und Kevin und ist wie ein Ritterschlag“, sagt etwa Herthas stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Schmidt, 45, der zwei Jahre an der Seite von Boateng aktiv war. Von 1996 bis 2007 spielte Boateng für die Blau-Weißen. Später unter anderem für Tottenham (2007-2009), Dortmund (2009), Portsmouth (2009-2010), AC Mailand (2010-2013), Schalke (2013-2015) und Las Palmas (2016-2017).
Barcelona? „Ein Traum wird wahr”
Sein Jugendtrainer, Dennis-Hoy Ettisch, 48, schwärmt: „Kevin ist das größte Talent, das ich je trainieren durfte. Sein Potenzial war enorm. Leider hat er es nicht voll ausgeschöpft. Es kamen viele Dinge zusammen: Knieprobleme, der schnelle Erfolg, Undiszipliniertheiten. Kevin ist im Alter aber reifer geworden. Er hat diese Chance verdient.“ Boateng ist als Mensch gereift, übernahm zuletzt auch abseits des Rasens Verantwortung. In der Öffentlichkeit setzt er sich mit aller Kraft gegen Rassismus im Sport ein. Und sportlich bereicherte er zuletzt jedes seiner Teams.
Für ihn sei es „ein Traum und eine große Ehre, die Möglichkeit zu haben, für so einen großartigen Klub zu spielen“, sagte der frühere Herthaner bei seiner Vorstellung. Er sei hier, „um alles zu gewinnen“. Und weiter: „Ich denke, für jedes Kind, das anfängt, Fußball zu spielen, ist ein großer Traum, für einen Club wie Barcelona zu spielen. Für mich auch.“
Einer, der Boateng von klein auf kennt, ist Can Avci. Der 37-Jährige kommt aus dem Wedding und betreibt den Friseursalon „Cutbusser“ am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Boateng schaut bei Berlin-Besuchen immer mal wieder bei seinem Jugendfreund vorbei. Avci sei „superstolz, dass es einer von uns von ganz unten nach ganz oben geschafft hat“. In Barcelona wird Boateng vorerst nur auf der Bank Platz nehmen. „Ich weiß, dass ich nicht unbedingt Stammspieler sein werde“, räumte er ein, weil es im Team schier unglaubliche Spieler gebe. Sein Kumpel Can Avci ist sich aber sicher: „Prince wird auf seine Einsätze kommen und Barcelona helfen.“ Es wäre die endgültige Krönung für den Prinzen.
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