Bob Dylan „Like a Rolling Stone“

Zappen mit Zimmy

Fast 50 Jahre nach der Single-Premiere gibt es zu Bob Dylans Song „Like a Rolling Stone“ jetzt auch einen Videoclip. Das ist natürlich kein normales Musikvideo.

Frank Junghänel
3 Min
US-Musiker Bob Dylan tritt am 10.04.2011 in Ho Chi Minh-Stadt in Vietnam auf.

US-Musiker Bob Dylan tritt am 10.04.2011 in Ho Chi Minh-Stadt in Vietnam auf.

© dpa Lizenz

Das Musikgeschäft ist manchmal doch nicht so schnelllebig, wie von manchen Leuten gern behauptet wird. Ausgesprochen langlebig zum Beispiel ist die Wirkungsgeschichte des Songs „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan, der im Juni 1965 als Single veröffentlicht wurde und bei Umfragen nach den besten Songs aller Zeiten bis heute zuverlässig den ersten Platz belegt. Nun also, knapp 50 Jahre nach seiner Premiere, wurde endlich auch ein Videoclip zu diesem Stück veröffentlicht.

Das ist natürlich kein normales Musikvideo. Bob Dylan, 72, lässt sich seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr auf der Bühne fotografieren, und er hat sich nun auch nicht in irgendein Filmstudio gestellt, um vor der Kamera Bob Dylan zu spielen. Das kleine Kunstwerk basiert nahezu komplett auf Fremdmaterial, das so aufbereitet wurde, dass es wie eine Fernsehsendung wirkt. Nein, nicht wie eine Fernsehsendung, das wäre zu banal – sondern wie 16 Fernsehsendungen. Wer das Video im Internet aufruft (www.bobdylan.com), kann sich mit einem Steuerknopf am linken Bildrand interaktiv durch 16 Kanäle zappen und stößt dabei in den verschiedensten Programmen auf die verschiedensten Figuren, die zum ewig gültigen Sound der Originalaufnahme inklusive Dylans näselndem Gesang lippensynchron den Text mitsprechen.

Das Kabelangebot ist äußerst differenziert und kulturell vielschichtig. Unter anderem gibt es: eine Kochshow, ein Tennismatch, die BBC-News samt Wetterfee, eine Modenschau, einen Shopping-Sender, Lokalnachrichten, die Börse, einen Cartoon, den History-Channel … Man kann nun munter von einer Station zur anderen springen und erwischt mit etwas Glück ganz herrliche Momente. Da preist die Shopping-Tante ein völlig sinnloses Staubgebläse an und spricht dazu die unsterbliche Zeile: „When you ain’t got nothing, you got nothing to lose.“ Wenn du nichts besitzt, kannst du nichts verlieren. Oder das Paar in einer romantischen Komödie lehnt am Tresen eines Cafés, und sie sagt zu ihm mit einem Augenaufschlag: „How does it feel, to be on your own, with no direction home?“ Wie ist es, so ganz allein auf der Welt zu sein?

Realisiert wurde der Clip von der Firma Interlude in Tel Aviv, ausgedacht hat ihn sich der Regisseur Vania Heymann, 1986 in einer orthodoxen jüdischen Familie in Jerusalem geboren. Er ist sonst in der Werbung tätig, hat aber auch schon für den Staatspräsidenten Schimon Peres gearbeitet. Am Ende geht es auch hier um Reklame. Das Video begleitet die Edition der Dylan’schen Gesamtausgabe auf CD. Einmal ist der Mann, den seine Freunde früher Zimmy nannten, auch selbst zu sehen. Man muss nur ein wenig suchen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de