Boden- und Kabinenpersonal legt ab Montag die Arbeit nieder / Verdi fordert 9,8 Prozent mehr Geld / Air Berlin leiht Techniker aus / Ferienflüge kaum betroffen

Streik stoppt Lufthansa

Petra Wache
3 Min

BERLIN. Mitten in der Urlaubszeit müssen sich die Reisenden der Lufthansa auf massive Flugausfälle einstellen. Die größte deutsche Fluggesellschaft wird ab Montag, 0.00 Uhr, bestreikt. Die Beschäftigten am Boden und in der Kabine wollen mit dem Streik ein verbessertes Tarifangebot erzwingen. Die Lufthansa reagierte am Freitag mit Unverständnis auf das Ergebnis der Urabstimmung und rief die Gewerkschaft Verdi zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Mit einem Notfallplan will sie die Beeinträchtigungen für ihre Kunden so gering wie möglich halten.Der Ausstand soll nicht sofort an allen von der Lufthansa angeflogenen Flughäfen gleichzeitig beginnen, sondern zeitversetzt, sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott am Freitag in Berlin. Eine Reihenfolge nannte er nicht. Auch die Berliner Flughäfen werden betroffen sein, in welchem Ausmaß ist aber noch unklar. Am Ausstand beteiligen sich unter anderem Techniker, Mitarbeiter der Passagier- und Frachtabfertigung, Beschäftigte des Caterings sowie IT-Mitarbeiter. Zuvor hatten sich die bei Verdi organisierten Beschäftigten des Boden- und Kabinenpersonals für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. 90,7 Prozent der abgegebenen Stimmen seien für Streik gewesen, teilte Verdi mit.Ziel des Arbeitskampfes sei es, die Lufthansa "wirtschaftlich" zu treffen, um möglichst rasch zu einem Ergebnis zu kommen, betonte Ott. Verdi sei sich der erheblichen Belastungen für die Passagiere bewusst und bemühe sich, den Konflikt so "schnell wie möglich beizulegen". "Wenn es Signale von der Lufthansa für ein verbessertes Angebot gibt, werden wir die Verhandlungen wieder aufnehmen", sagte Ott.Verdi hatte Mitte Juli die Tarifgespräche für gescheitert erklärt, weil sie das bisherige Angebot der Lufthansa für zu niedrig hält. Die Lufthansa hatte zuletzt Gehaltserhöhungen in zwei Schritten von 4,6 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr geboten. Verdi fordert für ein Jahr 9,8 Prozent. Die Ertragslage der Lufthansa sei glänzend, argumentierte Ott. Die Beschäftigten, die zum Erfolg beigetragen hätten, müssten nach Jahren der Lohnzurückhaltung entsprechend beteiligt werden.Wie genau sich der Streik bei den Bodendiensten auf den Flugverkehr auswirken wird, ist auch für Verdi "nicht kalkulierbar". Das werde sich am Montag zeigen. Weil sich Verdi über den konkreten Streikablauf bedeckt hält, vermag die Lufthansa keine Einschätzung über den Flugbetrieb ab kommender Woche geben. Ferienflüge seien kaum betroffen, hieß es. Möglich ist, dass die Lufthansa über Fremdfirmen Ausfälle etwa bei der Technik oder beim Catering zu kompensieren versucht. Konkurrent Air Berlin will zur Abmilderung der Streikfolgen Techniker an Lufthansa ausleihen. Die Lufthansa habe um technische Unterstützung an den Standorten Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt am Main gebeten, sagte eine Air-Berlin-Sprecherin. "Soweit wie möglich, werden wir das gegen Bezahlung auch machen."Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat indes die Beteiligten im Tarifstreit bei der Lufthansa zur Besonnenheit aufgerufen. "Es kann nicht im Interesse der Beschäftigten sein, die zahlenden Kunden durch massive Flugausfälle direkt zu schädigen und vielen Bürgern ihren Urlaub zu vermiesen", sagte DRV-Präsident Klaus Laepple. Eine Lösung des Konflikts müsse am Verhandlungstisch gefunden werden. Die Lufthansa will über Flugausfälle unter der Rufnummer 08 00/850 60 70 und im Internet unter www.lufthansa.com informieren. (mit AFP)Wirtschaft Seite 11------------------------------"Wir erwarten ein deutlich verbessertes Angebot."Erhard Ott, Verdi

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