BR Volleys

„Wir sind nicht nach Rom gekommen, um zweimal zu verlieren“

Die Volleys kämpfen in der Champions League jetzt um die Bronzemedaille.

Karin Bühler
3 Min
Enttäuschung bei den Fans der BR Volleys bei der Partie gegen Zenit Kasan.

Enttäuschung bei den Fans der BR Volleys bei der Partie gegen Zenit Kasan.

© imago/Matthias Koch

Wo die Anhänger von Sir Safety Perugia, dem Ausrichterklub des Final Four in der Volleyball-Champions-League schwarz-weiße Fahnen schwenken, und wo zwischen ihnen ein Banner in der kreisrunden Arena hängt, auf dem in aufgesprühten Lettern steht: „Non basta ruggire. Bisogna sbranare.“ Nicht aufhören zu brüllen, ihr müsst sie zerfleischen.“ In diesem Fall ist das Team von Cucine Lube Civitanova gemeint, das  im zweiten Halbfinale des Sonnabends eigentlich als Favorit angetreten ist, dann aber im Tiebreak nach beinahe drei Stunden auf dem Feld tatsächlich 8:15 verliert - und damit an diesem Sonntag gegen die BR Volleys spielt.

Das bedeutet: für den Einzug ins Finale der Champions League hat es für die BR Volleys in Rom nicht gereicht. Sie verloren am Sonnabend  0:3 (21:25, 22:25, 13:25) gegen Titelverteidiger Zenit Kasan. Und hinter den Kulissen brodelten die Emotionen beinahe so vehement wie unter den italienischen Volleyball-Anhängern auf den Tribünenplätzen. Bisher formuliert das allerdings noch niemand  so ungebremst. Dennoch ist es kein Geheimnis mehr, dass  Trainer Roberto Serniotti bei den Volleys keine Vertragsverlängerung erhält. Und wenn sich Manager Kaweh Niroomand nicht schon längst auf die Suche nach einem neuen Coach gemacht hätte,  wäre es spätestens gestern nach dem zweiten Satz im Halbfinale  von Rom soweit gewesen: Da tobte der Manager, er gestikulierte wild mit den Armen, man sah ihm seine Wut an.

Eigentlich lief es ja alles ziemlich gut: die Volleys standen kurz vor dem Satzgewinn gegen die beste Klubmannschaft der Welt, da wechselte Serniotti zunächst Wouter ter Maat zum Aufschlag und dann Steven Marshall zur Annahme ein.  Das Ergebnis: Fehler statt Punkte. Die Volleys verloren den Faden, im dritten Durchgang lief überhaupt nichts mehr zusammen.  „Die Wechsel haben die Mannschaft total aus dem Rhythmus  gebracht“, formulierte Niroomand diplomatisch. Nach dem verlorenen Pokalfinale Ende Januar in Mannheim hatte er den Trainer schon heftig für seine Wechselstrategie kritisiert. Schon damals konnte man davon ausgehen, dass er mit dem 54 Jahre alten Italiener in Berlin nicht weitergeht.

Von seinen fruchtlosen Wechseln genervt

Die Partie um Bronze gegen Civitanova wird  die letzte internationale von Serniotti bei den BR Volleys sein. Auch die Spieler sind von seinen  fruchtlosen Wechseln genervt. Dabei hatten sie im Spiel gegen Kasan zunächst eine beachtliche Leistung abgerufen. Sie standen gut in der Annahme und kamen gut zurecht mit den wahnsinnigen Schmetterschlägen von Matt Anderson, Maxim Michailow und Kasans Topangreifer Wilfredo Leon. „Seine Bälle sind super schnell, man hat kaum Zeit zu reagieren“, sagte Annahmespieler Ruben Schott, „wenn der Ball nur einen Meter neben dir anfliegt, ist es fast unmöglich ranzukommen. Weil er sehr groß ist und sehr hoch springt, fallen Bälle, von denen man denkt, sie gehen ins Aus, am Ende oft doch noch ins Feld.“

Kapitän Robert Kromm, der mit 12 Zählern bester Punktesammler der Berliner war, sagte nach der siebten Niederlage im siebten Aufeinandertreffen mit Kasan: „Wir haben alle gekämpft. Wir können mit erhobenem Haupt vom Feld gehen.“ Immerhin hatten die BR Volleys am Sonnabend ein paar mehr Stunden Zeit als Civitanova nach der Fünf-Satz-Niederlage, um sich für das Spiel um Platz drei am heutigen Sonntag (16 Uhr, laola1.tv) zu erholen. Zuspieler Sebastian Kühner versprach: „Wir sind nicht nach Rom gekommen, um hier zweimal zu verlieren.“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de