Sergej Grankin ist am Sonntag am Flughafen Schönefeld gelandet. Mit Rollkoffer und Umhängetasche spazierte der russische Zuspieler der BR Volleys über den Parkplatz seiner zweiten Saison in Berlin entgegen, die am 12. Oktober mit der Partie bei den Netzhoppers KW beginnt. Am Montag um 16 Uhr war für den Olympiasieger und die weiteren Spieler des deutschen Volleyball-Meisters Trainingsauftakt im Horst-Korber-Zentrum. „Unser Strippenzieher ist zurück“, begrüßte ihn der Verein: „Dobro poschalowatch obratno“, Willkommen zurück.
Besonders viele seiner Teamkameraden, die er vorige Saison in einem spannenden Bundesliga-Finale zum Meistertitel führte, hat Grankin, 34, in der Halle neben dem Glockenturm nicht angetroffen. Eigentlich nur zwei: Mittelblocker Georg Klein und den französischen Außenangreifer Samuel Tuia. Dazu kam der neue polnische Libero Adam Kowalski und Trainer Cedric Enard, der sich für zwei Tage von seinem Job als Assistenztrainer der französischen Nationalmannschaft freimachen durfte, um das Wichtigste mit den Klubverantwortlichen und seinem neuen Assistenztrainer zu besprechen, der bei den BR Volleys ebenfalls ein Rückkehrer ist: der Brasilianer Lucio Oro. Alle anderen Spieler kommen den Verpflichtungen ihrer Nationalteams nach.
Manager Niroomand schaute am Montagnachmittag ebenfalls in der Halle vorbei, kopfschüttelnd – und durchaus verärgert über die Turnier- und Terminflut des Volleyball-Weltverbandes (FIVB). „ Es kann in erster Linie nur darum gehen, diejenigen, die hier sind, körperlich in Gang zu kriegen“, sagte er. „Zu viert ist natürlich kein ordentliches Mannschaftstraining möglich.“
EM in vier Ländern
Für Außenangreifer Moritz Reichert und Libero Julian Zenger sowie für den Franzosen Nicolas Le Goff steht ab 12. September zunächst die EM in vier Ländern an. Die fünf US-Nationalspieler der Berliner, die nach Platz zwei bei der anstrengenden Nations League vor wenigen Tagen die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio geschafft haben, müssen von dem Panamerika-Spielen weiterhetzen zum World Cup. Dieser Wettbewerb findet vom 1. bis 15. Oktober in Japan statt, um Olympiaplätze geht es nicht mal mehr. Die Relevanz des Turniers ist daher mäßig. „Der Word Cup ist völlig unnötig. Da geht es wirklich nur ums Geld“, meint Niroomand. Zumal es passieren kann, dass den Berlinern Spieler wie die Diagonalangreifer Ben Patch oder Kyle Ensing sowie Mittelblocker Jeff Jendryk bei den ersten Saisonspielen fehlen, weil sie vom US-Team noch in Japan gebraucht werden.
Zorniger Manager
„Ich finde das einfach unverantwortlich in jeder Hinsicht“, sagte Niroomand. „Sowohl der Sport als auch der Mensch wird der Einnahmegier des Weltverbandes geopfert.“ Die FIVB verdient an jedem Turnier kräftig. Statt beispielsweise bei der EM oder der Panamerika-Meisterschaft Qualifikationsplätze für Olympia zu vergeben, fand zuletzt ein interkontinentales Olympiaqualifikationsturnier statt, an dem Deutschland aufgrund seiner schlechten Weltranglistenposition 27 nicht teilnehmen konnte. Im Januar 2020 gibt es jedoch noch eine kontinentale Olympiaqualifikation, um deren Ausrichtung sich auch der Deutsche Volleyball-Verband bemüht. Die FIVB kassiert erneut vom Veranstalter ab.
Die internationale Turnierflut hat schließlich Auswirkungen auf die Spielpläne der Ligen – und die kaum adäquat mögliche Vorbereitung der Vereinsteams. „Wir müssen das gleiche Pensum in wesentlich kleineren Zeiträumen schaffen und haben mehr Spiele unter der Woche“, kritisiert Niroomand. „Der Weltverband nimmt keine Rücksicht auf die Interessen der Vereine. Wir haben keine Lobby.“ In einigen Ländern haben die Spieler überlegt, mit Streiks auf die Terminhatz zu reagieren. Dazu ist es bislang noch nicht gekommen.
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