BR Volleys

Wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen

Volleys-Manager Niroomand beklagt die „beschissene Saison“.

Karin Bühler
3 Min
Kalt erwischt: Kromm (r.), Perry.

Kalt erwischt: Kromm (r.), Perry.

© imago/Matthias Koch

Um von einer Katastrophe zu sprechen, hätte Kaweh Niroomand die durchdringende, wirklich nervtötende Feuerwehrsirene, die italienische Fans am Mittwochabend jedes Mal losplärren ließen, wenn ein Spieler der BR Volleys zum Aufschlag anlief, nicht gebraucht. Der Manager der Berliner Volleyballer ist ja schon vor dem letzten Gruppenspiel in der Champions League durch zwei schwache Ligaspiele hintereinander alarmiert gewesen. Und das, was er während der glatten 0:3 (14:25, 23:25,15:25)-Niederlage seiner Mannschaft beim italienischen Spitzenreiter Cucine Lube Civitanova zu sehen bekam, beunruhigte ihn noch mehr. „Katastrophe“, sagte er. „Das grenzte ja schon an Peinlichkeit.“

Peinlich ist nicht die Niederlage gewesen. Immerhin ist das Team von Civitanova mit Weltklasse-Volleyballern gespickt. Peinlich war eher der Eindruck, den die Berliner auf dem Feld hinterließen. Als die Aufschläge der Italiener mit erwarteter Wucht übers Netz prasselten, wirkte das Team oft wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen, der sich des Fuchses nicht zu erwehren weiß. Die Annahme funktionierte nicht. Kein Vergleich zum Hinspiel, das die Volleys in der Schmelinghalle 3:1 gewonnen hatten. „Die Italiener wollten uns natürlich dieses Mal eine Lehrstunde erteilen“, sagte Niroomand, „aber unsere Probleme in der Annahme waren riesig.“

Niroomand war ziemlich erbost

Der junge Ruben Schott, der seit der Verletzung des Kanadiers Steven Marshall Aufschläge entschärften soll, kam damit nicht wirklich zurecht. Und Robert Kromm, dessen Stärke ohnehin nicht in der Annahme liegt, wurde ein ums andere Mal kalt erwischt. Wenn die Annahmespieler wackeln, „glaubt Luke Perry, dass er als Libero das ganze Feld allein abdecken muss“, fuhr Niroomand fort. So etwas funktioniert in der Liga vielleicht gegen Solingen irgendwie, aber gegen Civitanova klappte es nicht: „Wenn man keinen Ball nach vorne kriegt, kann man nicht zuspielen. Das zieht die ganze Mannschaft runter.“

Zwar haben sich die Berliner als Gruppenzweiter ebenso wie der Sieger Civitanova und das polnische Team von Resovia Rzeszow als bester Gruppendritter in der Champions League für die Runde der besten Zwölf qualifiziert. Doch nun sind sie alle gespannt, was die Auslosung an diesem Freitag als Gegner ergibt.

Aber Niroomand war dennoch ziemlich erbost. Weil Marshall nach seinem Bänderriss frühestens zu den Halbfinal-Playoffs wieder fit sein wird und weil sich der Klub schon im Januar von Annahmespieler Nikola Kovacevic getrennt hatte, der bis dahin nicht die erwartete Leistung bot, fehlen den Volleys jetzt die Alternativen. „Das ist eine Situation, auf die wir nicht vorbereitet waren“, meint Niroomand. Offenbar hat er wenig Hoffnung, dass sich der Trend plötzlich umkehrt.

Dabei steht am Sonntag um 14.30 Uhr zum Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde das wichtige Duell mit dem VfB Friedrichshafen an. Wer gewinnt, hat bei möglichen Final-Playoffs Heimrecht. „Gegen stärkere Mannschaften werden wir das Nachsehen haben. Das ist einfach Mist“, meint Niroomand, von dem zuletzt eher selten ein so frustriertes Fazit wie dieses zu hören war: „Es ist einfach eine beschissene Saison. Wir müssen sehen, dass wir die hinter uns bringen.“

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