Ein Park, ein Nachbarschaftsgarten, ein Platz zum Toben für Kinder: Rund um den Traveplatz in Friedrichshain gibt es viele Wünsche von Anwohnern für die etwa 28.000 Quadratmeter große Brache. Auf der Fläche zwischen Boxhagener, Holtei- und Weserstraße befand sich bis 2012 eine Autozuliefer-Firma. Jetzt gehört sie dem Immobilienentwickler Bauwert.
Was der Eigentümer dort plant, passt nicht zu den Wünschen der Anwohner. Bauwert will gut 550 Wohnungen bauen, rund 40 davon sollen für sozial Schwache sein – mit einer Miete von 5,50 Euro pro Quadratmeter. Das ist etwa die Hälfte dessen, was für die übrigen Wohnungen verlangt wird. Auch eine Kita mit 100 Plätzen will der Investor für den Bezirk bauen, dazu Grünflächen, die insgesamt 5000 Quadratmeter groß sein sollen.
Must go: Der beliebte Flohmarkt auf dem Boxhagener Platz. Jeden Sonntag feilschen hier Berliner und Touristen um den besten Preis. Ob Platten, Möbel, Klamotten oder Schmuck - hier findet jeder etwas.
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Wer vom Shoppen genug hat, macht einen Abstecher in den Kiez am Ostkreuz. Dort reiht sich Bar an Bar und Café an Café.
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Die Sonntagsstraße erlebt daher einen richtigen Boom...
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... nicht nur weil das Ostkreuz so nah liegt. Die S-Bahn-Station ist ein stark frequentierter Umsteigebahnhof, der die Friedrichshainer mit dem S-Bahn-Ring verbindet.
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Der andere, stadtbekannte Dreh- und Angelpunkt in Friedrichshain ist die Warschauer Straße, an der auch die U1 endet beziehungsweise startet. Die Brücke verbindet Kreuzberg und Friedrichshain. Im Sommer findet dort regelmäßig ein Kunstmarkt regionaler Künstler statt.
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Daher ist die Oberbaumbücke auch der perfekte Ort, um kleine "Rivalitäten" zwischen den Stadtteilen auszutragen: Einmal im Jahr findet eine Wasserschlacht auf der Brücke statt. Dort bewerfen sich die Anwohner mit Wasser und Lebensmitteln und versuchen sich gegenseitig von der Brücke - zurück in ihren Stadtteil- zu drängen.
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Weniger lustig ging es immer wieder an der Liebigstraße 14, nördlich der Frankfurter Allee, zu. Die umstrittene Räumung eines der letzten besetzten Berliner Häuser in Friedrichshain hat regelmäßig zu gewalttätigen Protesten in der Hauptstadt geführt.
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Plakate, Schuhe, Graffitis - typisches Bild an der Liebigstraße.
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So sahen Straßenräumungen 1990 in Friedrichshain raus. Hier versucht die Polizei Häuser in der Mainzer Straße zu räumen.
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Straßenfest in der Mainzer Straße in Berlin Friedrichshain.
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Etwas weiter südlicher befindet sich die wohl bekannteste Straße von Friedrichshain: Die Simon-Dach-Straße: Unzählige Kneipen reihen sich an der Straße auf, am Wochenende ist der Simon-Dach-Kiez eine beliebte Party-Promenade - ganz zum Ärgernis der Anwohner.
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Genauso typisch für Friedrichshain ist dieses Bild. Die Riesen mit dem Namen "Molecule man" stehen genau an der Schnittstelle von Treptow, Friedrichshain und Kreuzberg und symbolisieren die drei, vorherig selbstständigen Bezirke.
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Weniger schön, aber genauso bekannt ist die 02-World-Arena in Friedrichshain. Im Vordergrund liegt das einzige Hostel-Schiff Berlins. Das Schiff ist besonders bei jugendlichen Rucksackreisenden beliebt.
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Es gibt aber noch weitere Hallen, in denen man beim Sport nicht nur zugucken braucht. Am Kegel in Friedrichshain kann man nicht nur draußen klettern, sondern auch in der Boulderhalle Griffe "wegziehen".
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Sport kann man in Friedrichshain auch im SEZ, der Freizeit- und Sportstätte, machen. Fitness, Schwimmen, Stepper, Laufband - alles was müde Muskeln begehren.
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Für Outdoor-Aktivitäten wie Grillen, Picknicken, Laufen, Spazierengehen ist der Volkspark in Friedrichshain auch ein beliebter Treff- und Anziehungspunkt. Im Winter wird gerodelt.
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Trotz dieser Zugeständnisse, die das Bezirksamt erstritten hat, wird der Investor im Kiez kritisch gesehen. Fast 3000 Protest-Unterschriften gegen sein Projekt wurden gesammelt. „Was der Bezirk erreicht hat, ist nur ein Almosen“, sagt Carsten Joost von der Bürgerinitiative Traveplatz. Viel mehr Sozialwohnungen seien nötig, denn selbst Normalverdiener könnten sich im Viertel kaum noch Unterkünfte leisten.
Friedrichshain-Kreuzberg ist nach Pankow der Bezirk mit den meisten Zuzüglern. Rund um Traveplatz und Ostkreuz hat sich die Einwohnerschaft seit 1995 verdreifacht. Joost: „Höchstens 300 neue, aber preisgünstige Wohnungen wären für das eng besiedelte Wohngebiet verträglich.“ Schon jetzt fehlten Grundschulplätze und Grünflächen. Joost: „Die Planungen von Bauwert sind eine Katastrophe, sie verschärfen die Lage hier weiter“.
Unrealistische Wünsche?
Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) kann die Wünsche verstehen. Sie seien jedoch unrealistisch. Wer mehr Sozialwohnungen und Grün wolle, müsse das Grundstück kaufen, sagt er. Doch weder Senat noch Bezirk könnten dies. Man sollte daher froh sein, wenn ein Privatinvestor freiwillig Sozialwohnungen und eine komplette Kita baue – was er laut Gesetz in Berlin nicht müsste. Im Gegensatz zu Hamburg, wo von Investoren verlangt wird, dass ein Drittel ihrer Wohnungen für sozial Schwache sind. In Hamburg werden private Bauherren mit zinsverbilligten Krediten gefördert. Panhoff: „Berlin hat solch ein Förderprogramm nicht, deshalb müssen wir Kompromisse machen.“
Doch das will die Bürgerinitiative nicht. Denn längst geht es ihr nicht mehr darum, was ein Privatinvestor leisten will oder kann. Sie wollen mit anhaltender Verweigerung den Eigentümer zum Aufgeben bringen. „Sollte sich die Bauwert Investment Group von dem Projekt zurückziehen, soll sich das Bezirksamt dafür einsetzen, dass städtische Wohnungsbaugesellschaften sowie Genossenschaften preiswerte Wohnungen bauen“, heißt es im Forderungskatalog der Initiative. „Es wäre schön, wenn Land, Bezirk und wir Nachbarn mit landeseigenen Gesellschaften hier etwas Sinnvolles schaffen könnten“, sagt Joost. Statt 40 bis 50 seien dann 150 preiswerte Wohnungen möglich.
Der Eigentümer denkt gar nicht daran aufzugeben. „Als Entwickler will man sein Projekt entwickeln“, sagt Bauwert-Sprecher Henning Hausmann. Es sei traurig, wie im Bezirk mit Investoren umgegangen werde. Nach langer Debatte und Angeboten an die Kommune sondiere man jetzt Möglichkeiten, das Projekt voranzubringen. Welche das sind, wollte der Sprecher nicht sagen. Nur so viel: „Irgendwann muss entschieden werden – entweder vom Bezirk oder vom Senat.“
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