Brandenburg

Tabak war einst das Gold der Uckermark

Nur noch eine Firma hält die 300-jährige Tradition des Tabak-Anbaus am Leben.

Mathias Raabe
3 Min
Geerntet, um geraucht zu werden: Tabaklese in Vierraden.

Geerntet, um geraucht zu werden: Tabaklese in Vierraden.

© Berliner Zeitung/Christian Schulz

Dass alles erzählt Karin Stockfisch. Die 52-Jährige ist Mitarbeiterin im Tabakmuseum in Vierraden. Der Ort war und ist das Zentrum des Tabakanbaus in der Region. „Hier ist früher auf Hunderten Höfen Tabak gewachsen“, sagt Stockfisch. Der Tabak hat der Region Wohlstand gebracht und wurde deshalb auch als das Gold der Uckermark bezeichnet.

Wegfall der Subventionen

Inzwischen ist diese Tradition fast zum Erliegen gekommen. Nur noch ein Unternehmen baut bei Vierraden Tabak an – die Uckermark-Tabak GmbH. Auf rund 70 Hektar hat deren Geschäftsführer Ralf Molzahn in diesem Jahr Tabak der Sorte Virginia gepflanzt. Alle anderen Vierradener haben den Anbau inzwischen aufgegeben. Grund ist der Wegfall von EU-Subventionen, erzählt Stockfisch. Bis 2010 wurden aus Brüssel für jedes verkaufte Kilogramm Tabak zum Preis von durchschnittlich 1,60 Euro noch einmal 2,40 Euro dazu gegeben. Das war ein lohnendes Geschäft. Wie auch schon zu DDR-Zeiten. Da wurde den Bauern und Kleingärtnern, die Tabak als Nebenerwerb anbauten, ihr Produkt regelrecht aus der Hand gerissen. 18 Mark wurden für ein Kilo Tabak gezahlt und wurde auch von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) angebaut. „Der Tabak war damals ein wichtiger Devisenbringer“, sagt Stockfisch. Denn westdeutsche Firmen waren an dem uckermärkischen Tabak sehr interessiert.

Das ist auch heute noch so. Tabak-Produzent Molzahn hat in den letzten Jahren seine Ernte vor allem nach Süddeutschland verkauft. Dort wird der Oderbruch-Tabak mit anderen Sorten gemischt und zu Zigaretten verarbeitet. „Tabak aus der Oderregion ist nach wie vor gefragt, denn bei seinem Anbau werden keine Pestizide eingesetzt“, sagt Stockfisch. So würden beispielsweise die Hersteller der Zigarettenmarke Roth-Händle schon seit Jahren Uckermark-Tabak verwenden.

Dass sich der 44-jährige Molzahn mit seinem Unternehmen am Markt halten kann, ist vor allem auf die Mechanisierung der Produktion zurückzuführen. Geerntet werden die Tabakblätter großflächig mit Maschinen, auf denen Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen sitzen. Auch das früher so wichtige und zeitaufwendige Auffädeln und monatelange Trocknen der Blätter in den markanten Tabakscheunen und -schuppen ist heute nicht mehr nötig. Die Tabakblätter werden innerhalb von sechs Tagen in speziellen Kammern getrocknet. Und, die Tabakpflanzen können bis zu achtmal abgeerntet werden.

Die Pfeifen von Kohl und Engholm

Ohne Maschinen ist der Tabakanbau eine aufwendige Arbeit – etwa das Stecken der Tabaksetzlinge. Im Vierradener Tabakmuseum ist beispielsweise zu lesen, dass die Kindern in der Region im September extra Ferien hatten, um bei der Tabakernte helfen zu können. Von einem Hektar lassen sich in etwa zwei Tonnen Tabak gewinnen. 1988 gab es allein in Vierraden – der Ort gehört inzwischen zur Stadt Schwedt – noch 142 private Tabakpflanzer, die 31 Hektar bewirtschafteten. Hinzu kamen noch 30 Hektar der LPG.

Zu sehen ist im Museum auch eine Art Ofen, in dem die Tabakbauern die Erde, die sie zur Zucht der Tabakpflanzen verwendeten, zuvor auf 95 Grad erhitzten, um Keime und Schädlinge zu vernichten. Aber natürlich haben die Museumsmacher in Vierraden nicht nur die Methoden der Tabak-Herstellung dokumentiert. Das Rauchen war und ist schließlich ja auch immer eine Genusssache. Also sind in Vierraden auch Tabakpfeifen vom den Ex- Bundeskanzlern Helmut Kohl und Gerhard Schröder zu sehen. Auch TV-Star Joachim Fuchsberger, die SPD-Politiker Björn Engholm und Peter Struck sowie der frühere Arbeitsminister mit CDU-Ticket Norbert Blüm haben ihre Lieblingsrauchgeräte gespendet. Und da das Rauchen bekanntlich schädlich ist, gibt es in der Ausstellung natürlich auch einen Raum der über die Gefahren des Tabaks aufklärt.

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