In der deutschen Gründerszene ist nach dem Aus der Ampel-Koalition eine Debatte über die AfD entbrannt. Der aus Brandenburg/Havel stammende Christian Reber, der durch den Verkauf seiner To-do-List-App Wunderlist an Microsoft bekannt wurde, hat sich in einem Post auf X direkt an CDU-Chef Friedrich Merz gewandt: „Öffnen Sie sich für eine Koalition mit der AfD, unter der Bedingung, dass kein offensichtlich rechtsradikales Parteimitglied politische Verantwortung tragen wird“, heißt es darin. Es müsse außerdem sichergestellt werden, dass Deutschland nicht aus der EU austrete und den Euro behalte, so Reber weiter.
„Stehen Sie gemeinsam mit der AfD für eine deutsche, bürgernahe und europäische Politik“, fordert Reber. Verweigere sich die Union einer Kooperation mit der AfD, „droht Deutschland eventuell eine rechte Mehrheit in 2029.“ Er fügte hinzu, er sei CDU-Wähler und hoffe auf eine Koalition zwischen Christdemokraten und FDP.
Schmerzhaft, aber wahr: Wenn SPD und Grüne sich nicht bewegen, ist die AfD 2029 an der Macht
Angestoßen hatte die Debatte der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Startup-Verbands, Christian Miele. Er hatte auf X geschrieben, er befürchte, dass es durch die sogenannte Brandmauer zu einer schwarz-grünen oder schwarz-roten Koalition kommen werde, obwohl die Wählerinnen und Wähler „mehrheitlich eine bürgerlich-rechte Politik wollen“. Es bestehe eine große Gefahr, „dass es abermals vier Jahre faule Kompromisse geben wird.“ Dann werde die AfD 2029 stärkste Kraft, prognostizierte auch Miele.
Ihn treibe der Wunsch um, dass die kommenden vier Jahre nicht vergeudet würden. „Weil ich Angst habe, dass wir sonst 2029 in den Armen der AfD aufwachen, einer Partei, der ich die Führung Deutschlands durch Menschen wie Höcke uvm auf keinen Fall zutraue!“, so Miele.
Zuspruch bekamen Reber und Miele von Investor Frank Thelen. Er danke den beiden „für euer politisches Engagement“, schrieb er auf X. „Keiner will eine starke AfD, aber aktuell geben uns die Wähler eventuell keine andere Option, ihre demokratischen Stimmen in einer funktionierenden Regierung zusammenzubringen“, so Thelen. „Dennoch bleibe ich optimistisch: Wir können es auch ohne die AfD schaffen.“
Der Berliner Grünen-Kommunalpolitiker Daniel Eliasson reagierte auf X: „Wer mit Naziparteien Koalitionen fordert, ist ein Nazi. Punkt.“
Der ehemalige Start-up-Beauftragte der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, schrieb auf X an Reber: „Wie soll bei einem so UNTERSCHIEDLICHEN Wertefundament eine gemeinsame Politik möglich sein?“ Reber antwortete darauf: „Ich glaube bei den kritischen Themen (Außenpolitik + Europa) sollte CDU einfach als Mehrheit in den Driver-Seat gehen, dafür darf die AfD bei anderen Dingen mitregieren (zum Beispiel Energiepolitik, Infrastruktur etc.).“
CDU-Chef Friedrich Merz hat eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen. „Weder vorher noch nachher noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt gibt es eine Zusammenarbeit meiner Fraktion mit Ihren Leuten - egal mit wie vielen Leuten Sie hier im nächsten Deutschen Bundestag sitzen werden“, sagte Merz an die Adresse der AfD in der Debatte über die Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Die AfD wolle diese Zusammenarbeit ja auch gar nicht wirklich. „Und sie wird nicht stattfinden“, sagte Merz.
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