STEGLITZ Mädchen und Jungen der Kopernikus-Oberschule wehren sich gegen die Rechtschreibreform. In einem Brief an Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) werfen sie der Politikerin vor, nicht einbezogen worden zu sein. Heute wird der Brief verschickt.Die Mädchen und Jungen des Literaturkurses in der 10. Klasse nennen sich selbst "Schüler gegen die Rechtschreibreform". Bereits im Dezember haben die 16- und 17jährigen in einem Brief an die Senatorin ihrem Unmut Luft gemacht und den "Stopp der Rechtschreibreform" gefordert. Doch die Senatsbehörde erteilte den Schülern eine Abfuhr. "Von einem einzelnen Bundesland kann die Rechtschreibreform nicht außer Kraft gesetzt werden", hieß es im Antwortschreiben. Den Jungen und Mädchen wurde darin ein Schreibfehler vorgehalten, "der wirklich bis ins letzte auf Grundlage der neuen Rechtschreibregeln juristisch auseinandergenommen wurde", erregt sich Deutschlehrer Klaus Deterding. Eine ausreichende Erklärung für die überstürzte Einführung der Rechtschreibreform in Berlin erhielten die Schüler nicht. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres hatte die Schulverwaltung per Rundschreiben gefordert, daß der Deutschunterricht "ab sofort" auf der Basis der Neuregelungen erfolgen soll. "Wenn die alten Schreibweisen noch bis zum 31. Juli 2005 gelten, warum muß dann die neue Schreibung jetzt schon eingeführt werden", fragen die Schüler die Senatorin. "Wieso wurden wir Schüler nicht gefragt, ob wir die neuen Regeln überhaupt richtig finden? Trauen Sie uns darüber kein Urteil zu?"Die Aussage aus der Verwaltung, daß die Reform nicht mehr gestoppt werden könne, bezeichnen die Schüler als "Lüge". Die Schüler verweisen auf einen "Hinweis von Juristen", daß es sich bei dem Beschluß über die neue Rechtschreibreform "um eine Absichtserklärung" handele, die juristisch nicht bindend sei. Deutschlehrer Deterding unterstützt die Aktion. Seit dem Herbst beschäftigt sich der 54jährige Germanist und promovierte Literaturwissenschaftler mit der Reform. "26 Jahre lang bin ich jetzt Lehrer, aber in solch einem Gewissenskonflikt war ich noch nie. Diese Rechtschreibreform nützt uns nicht", sagt er. Seine Schüler haben eine Unterschriftenkampagne gegen die Reform initiiert. Mittlerweile haben sie schon 150 Unterschriften gesammelt. +++
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