Vermutlich zum letzten Mal tut sie es, handelt es sich bei der Grenzüberschreitung doch um Bardots literarisches Vermächtnis: „Ich gehöre nicht zur menschlichen Spezies“, bekennt sie in ihren „Tränen des Kampfes“ überschriebenen Memoiren. Es folgt Biografisches, das sie als Ausdruck animalischen Wesens deutet. „Schon als Kind ahnte ich, ja wusste ich, dass ich ein Tier bin“, schreibt sie. Die den Tieren eigene, vom Instinkt geleitete Fähigkeit, Witterung aufzunehmen, einen Menschen spontan mit dem Geruchssinn zu erfassen, sei ihr vergönnt. Weshalb sie nur wenigen Besuchern Zutritt zu ihrem Haus an der Côte d’Azur gestatte.
Sie hätte lieber einen Hund zur Welt gebracht
Wo die Schauspielerin BB freilich lustvoll zu Werke gegangen war, meldet sich die Schriftstellerin voller Bitterkeit zu Wort. Denn die Nähe zu den Tieren geht einher mit der Entfremdung von den Menschen. Das Sexsymbol empfindet für ihresgleichen Verachtung, von ein paar wenigen Vertrauten abgesehen. Und Bardot hat von den Menschen ja auch viel Übles erfahren, nicht ohne eigenes Verschulden, wie sie einräumt.
Die Bilanz ihres Privatlebens ist niederschmetternd: vier kaputte Ehen, drei Selbstmordversuche, ein in Norwegen lebender Sohn, den sie nicht haben wollte. Dass sie die Schwangerschaft einst als „Tumorerkrankung“ erlebte, nach eigenem Bekunden lieber einen Hund zur Welt gebracht hätte als diesen Nicolas – Bardot bereut es heute.
Sie ist sich hässlich vorgekommen
Und was besonders bitter anmutet: Auch in den Jahren, in denen sie Kinogeschichte schrieb, vermag sie nichts Erfreuliches mehr zu entdecken. In 48 Filmen stand sie vor der Kamera. Doch die Bewunderung, die ihr entgegenschlug, hat sie nicht überzeugt. Als Weltstar verehrt, habe sie stets das Gefühl gehabt „ein Nichts zu sein“.
Hässlich sei sie sich vorgekommen, so oft ihr auch das Gegenteil versichert worden sei. Gefangen in einer Rolle, habe sie davon geträumt, im Schutz der Anonymität wieder zu sich selbst zu finden. Allein die damals erkämpfte sexuelle Befreiung scheint Bardot noch in Ehren zu halten. Jedenfalls hat sie sich in der #Metoo-Debatte auf die Seite der Schauspielerin Catherine Deneuve geschlagen und vor amerikanischem Puritanismus und Prüderie gewarnt.
So düster Bardot die Jahre im Rampenlicht erlebt haben mag, die „Tränen des Kampfes“ hat nicht die Schauspielerin vergossen, sondern die Tierschützerin. Denn auch wenn sie sich „einer menschlichen Rasse nicht zugehörig fühlt, die Tiere als minderwertige Spezies ansieht, ihnen vielfältiges Leid zufügt, sie selbst zum Freizeitvergnügen umbringt“, so vermochte sie doch nicht Abhilfe zu schaffen. Ihr ganzes Vermögen hat sie in eine Tierschutzstiftung eingebracht. Ob Robbenschlachten, Käfighaltung Gänsemast oder Stierkampf: Bardot hat Flagge gezeigt. Aber mit 83 Jahren spürt sie, „dass die Kräfte schwinden“, bevor „das erträumte Ziel“ erreicht ist.
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