Walrettung

Buckelwal vor Poel hat Lastkahn erreicht – Transport in Nordsee kann beginnen

Mit Gurten zogen Helfer das zwölf Tonnen schwere Tier durch eine ausgebaggerte Rinne. Nun soll die Reise nach Skagen starten.

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Erste Helfer des Rettungsteams beobachten am Morgen den festliegenden Wal vor der Insel Poel.

Erste Helfer des Rettungsteams beobachten am Morgen den festliegenden Wal vor der Insel Poel.

© Marcus Golejewski/dpa

Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal hat den für seinen Transport vorgesehenen Lastkahn erreicht. Das Tier bewegte sich in die sogenannte Barge, nachdem Helfer der privaten Initiative es zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen hatten, wie auf Livestreams zu sehen war. Damit ist ein zentraler Schritt der Bergung des seit dem 31. März in einer flachen Bucht der Insel Poel feststeckenden Meeressäugers gelungen.

Die Helfer waren am Vormittag vom Hafen von Kirchdorf aus zu dem rund zwölf Meter langen Tier hinausgefahren. Sie legten dem Wal Gurte an, um ihn durch eine etwa 100 Meter lange, in den vergangenen Tagen ausgebaggerte Rinne zu dem mit Wasser gefüllten Lastkahn zu führen. Der Wal ließ die Prozedur nach Beobachtungen zunächst ruhig über sich ergehen.

Backhaus zeigt sich zuversichtlich

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte sich am Morgen optimistisch geäußert. „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“, sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: „Wir wollen heute fertig werden.“

Die Behörden hatten Backhaus zufolge die Erlaubnis erteilt, den rund zwölf Tonnen schweren Wal mit Hilfe von Gurten in den Lastkahn zu führen. Auf der Barge, die normalerweise unter anderem Schiffe transportiert, soll der Buckelwal wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Ein Schiff soll den Lastkahn samt Wal in Richtung Skagen am Eingang der Nordsee bringen. Dafür sind nach Angaben der Initiative etwa dreieinhalb Tage eingeplant.

Es sei der „Tag der Entscheidung“, betonte Backhaus. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück.“ Mit Blick auf einen möglichen Erfolg fügte er hinzu: „Für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“ Die Tierärzte der Initiative hielten den Wal für transportfähig, sein Gesundheitszustand sei gut, die Atmung tief und ohne Geräusche.

Unabhängige Fachleute raten ab

Wal-Experten kommen zu einer anderen Einschätzung. Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier solle größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden. „Von weiteren Manipulationen am Wal“ sei abzusehen. „Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert", die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie „ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden“, erklärten die Forscher und verwiesen auf ähnliche Einschätzungen der International Whaling Commission und der British Divers Marine Life Rescue.

Mehrere Strandungen seit März

Der Meeressäuger war nach Angaben der Behörden bereits Anfang März in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Über eine ausgehobene Rinne gelang es dem Tier, das flache Wasser zu verlassen. Statt Kurs aufs offene Meer zu nehmen, schwamm es jedoch zurück in Richtung Wismar und schließlich in die flache Kirchsee der Insel Poel.

Backhaus hatte Mitte April trotz Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird von Walter-Mommert sowie vom Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Ein vorheriges Bergungskonzept war nicht aufgegangen und verworfen worden.

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