Ostsee

Nach gescheitertem Versuch: Konzept für die Ostsee-Walrettung wird überarbeitet

Auch nach dem Fehlschlag will die Privatinitiative zur Rettung von Wal Timmy offenbar nicht aufgeben. Landes-Umweltminister Till Backhaus verteidigt die Bemühungen.

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Ein Helfer wirft nasse Tücher zum Schutz der Haut auf den Rücken des festliegenden Buckelwals vor der Insel Poel.

Ein Helfer wirft nasse Tücher zum Schutz der Haut auf den Rücken des festliegenden Buckelwals vor der Insel Poel.

© Jens Büttner/dpa

Nach dem gescheiterten Versuch, den seit drei Wochen vor der Insel Poel liegenden Buckelwal zurück in die Ostsee zu treiben, ist die Erarbeitung eines neuen Rettungskonzept angekündigt worden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verteidigte die in der Kritik stehenden Bemühungen.

Das Anheben von Wal Timmy mit Luftkissen nach dem Konzept einer Privatinitiative ist fehlgeschlagen und soll nun aufgegeben werden. Allerdings werde bereits an einem neuen Konzept gearbeitet, wie Backhaus bei einer Pressekonferenz bekanntgab. Für den 67-Jährigen ist das Signal des Wals klar: „Das ist nun mal ein lebender Organismus und er hat gezeigt, dass er schwimmen will.“

Backhaus: „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler“

Die an der Rettung arbeitende Initiative hatte sich noch nicht geäußert, arbeite laut Backhaus aber „auf Hochdruck“ an der Anpassung des Konzepts und werde sich danach öffentlich zum Vorgehen äußern. Die vor allem von Umweltverbänden vielkritisierten Rettungsversuche verteidigte der Minister: „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler. [...] Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.“

Der zwölf Meter lange Buckelwal vor der Insel Poel ist nach einem missglückten Rettungsversuch erneut bewegungslos in der Wismarbucht verharrt. Er liege nun in einer Art „Badewanne“, so Backhaus, nachdem die Helfer am Dienstag mit Saug- und Spültechnik  den Untergrund bearbeitet hatten.

Das Tier war am Montag nach drei Wochen Liegezeit plötzlich wieder losgeschwommen. Damit habe sich für die Helfer überraschend die Gelegenheit ergeben, den Meeressäuger doch noch zurück in offenes Wasser zu bringen.

Panik-Reaktion: Wal stieß mit Boot zusammen

Von Booten aus versuchten die Helfer, das mehrfach umkehrende Tier in Richtung offene Ostsee zu treiben. Dabei sei der Wal zeitweise in völlige Panik geraten, sagte der zum Team der privaten Rettungsinitiative gehörende Schriftsteller Sergio Bambaren auf Poel. Nach etwa zwei Stunden stoppte der vermutlich erschöpfte Meeressäuger und verharrt seither erneut an einer Stelle. Laut einem Bericht von Focus Online stieß das Tier während der Aktion auch mit einem Boot zusammen. Wie schwer der Wal dabei verletzt wurde, blieb zunächst unklar.

Innerhalb der Initiative gibt es nach dem missglückten Versuch Vorwürfe. Verschiedene noch beteiligte oder bereits ausgeschiedene Teammitglieder beschuldigten sich gegenseitig, bei der Aktion am Montag falsch gehandelt zu haben, hieß es in dem Bericht. Details zu den Konflikten innerhalb des Teams nannte die Initiative zunächst nicht.

Das gesamte Vorhaben sei hochkomplex, sagte Bambaren. Nach Einschätzung des Schriftstellers hat der Meeressäuger eine Überlebenschance von 50 Prozent. „Der Wal will leben und ist ein Kämpfer“, sagte Bambaren. Wie lange das Tier in seinem geschwächten Zustand noch durchhalten könne, ließ er offen.

Der Naturschutzbund (Nabu) verfolgt die Aktionen der Privatinitiative mit Sorge. „Zu geschwächt und krank scheint der Buckelwal, zu lang sein Leiden, zu auffällig die wiederholten Strandungen“, heißt es in einer Mitteilung. „Durch den nachvollziehbaren Drang der Menschen, dem Wal zu helfen, droht das Wohl des Tieres verloren zu gehen.“ Nur durch wirksame Meeresschutzgebiete, eine nachhaltigere Fischerei und das Abstellen von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft habe die Ostsee eine Zukunft, sagte Nabu-Meeresschutzleiter Kim Detloff. Landes-Umweltminister Backhaus wurde aufgefordert, mindestens zehn Prozent des Küstenmeeres vor Mecklenburg-Vorpommern streng zu schützen.

Antrag gegen Rettungsversuch bei Gericht

Beim Verwaltungsgericht Schwerin ist am Montag ein Antrag gegen den laufenden Rettungsversuch eingegangen. Der Antrag einer Bürgerinitiative richte sich gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern „mit dem Ziel, die durchgeführten oder veranlassten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Rettung einzustellen", sagte ein Gerichtssprecher.

Die Bemühungen werden nicht von Behörden, sondern von einer privaten Initiative unternommen. Das Land duldet und überwacht die Maßnahmen. Vor einer Woche hatte Umweltminister Backhaus der Initiative grünes Licht für ihr Konzept gegeben. Zuvor hatten Experten laut einem Gutachten von Rettungsversuchen abgeraten. Frühere Anträge mit dem Ziel, einen Rettungsversuch zu erwirken, waren an der fehlenden Antragsbefugnis gescheitert. Auch beim neuen Antrag zweifle das Gericht daran, sagte der Sprecher. (mit dpa)

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