Wie brisant die Dokumente tatsächlich sind, ist noch unklar. Doch bekannt ist schon, dass es in beiden Büchern um die Verschwendungssucht in der römischen Kurie sowie um undurchsichtige Manöver in der vatikanischen Finanzverwaltung geht – lange bestehende Probleme, denen Papst Franziskus trotz aller Reformbemühungen bisher offenbar nicht beikommen konnte.
„Keine Kirche für die Armen“
Die Dokumente zeigten, „dass die Kirche der Armen für die Armen, von der Franziskus spricht, bis jetzt Utopie geblieben ist“, sagt der Journalist Emiliano Fittipaldi, Autor des Buchs „Avarizia“ (Geiz). Gianluigi Nuzzi, Verfasser des zweiten Buchs, das in Deutschland mit dem Titel „Alles muss ans Licht“ erscheint, versichert: „Die Informanten wollten die Dokumente mit mir teilen, um Papst Franziskus zu helfen.“
Nuzzi war durch den ersten Vatileaks-Skandal international bekannt geworden. Er veröffentlichte 2012 geheime Papiere, die Paolo Gabriele, Diener von Papst Benedikt XVI., aus dessen Umfeld schmuggelt hatte. Hintergrund waren Machtkämpfe in der Kurie und dunkle Machenschaften der Vatikanbank. Der Papstdiener wurde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und dann von Benedikt begnadigt. Immer wieder wird spekuliert, der deutsche Papst sei zurückgetreten, weil er sich zu schwach fühlte, um mit den bei Vatileaks bekannt gewordenen Missständen aufzuräumen.
Mutmaßliche Informanten festgenommen
Dieses Mal reagierte der Vatikan noch vor den Veröffentlichungen. Am Wochenende wurden im Kirchenstaat zwei mutmaßliche Informanten verhört und festgenommen: der 54 Jahre alte spanische Geistliche Lucio Angel Vallejo Balda, ein hohes Kurienmitglied, und die 33-jährige PR-Beraterin Francesca Chaouqui.
Beide waren Mitglieder einer von Papst Franziskus im Juli 2013 eingesetzten Kommission, die eine Neuordnung der Wirtschafts- und Finanzstrukturen im Vatikan prüfte und die 2014 aufgelöst wurde. Sie stehen im Verdacht, vertrauliches Material weitergereicht zu haben. Während Balda in der vatikanischen Gendarmerie festgehalten wird, ist die PR-Beraterin bereits wieder auf freiem Fuß. Sie gab am Dienstag in einem Interview dem früheren Sekretär der Kommission die Schuld. Balda, Mitglied der konservativen Organisation Opus Dei, hatte 2014 auf einen Posten im von Franziskus neu geschaffenen Wirtschaftssekretariat gehofft – und ihn nicht bekommen. Einige vermuten, er habe sich rächen wollen.
Billige Mieten, veruntreutes Geld
Vatikansprecher Federico Lombardi hat die angekündigten Buch-Veröffentlichungen scharf verurteilt. Sie seien „Frucht eines schweren Verrats an dem vom Papst erwiesenen Vertrauen“. Es sei ein Missverständnis, „zu denken, damit könne man der Mission des Papstes helfen“.
Die Festnahmen wirkten wie Werbung, doch der Autor Fittipaldi mutmaßte, der Vatikan habe erreichen wollen, dass nur über die Informanten gesprochen werde und nicht über die Inhalte seines Buchs. So gehe es darin um den Peterspfennig, die Spende, mit der katholische Gläubige die apostolische und karitative Arbeit des Papstes unterstützen. In der Kasse lägen 400 Millionen Euro, „und sie werden nicht etwa für Wohltätigkeit und Arme ausgegeben, sondern für die Kurie“.
Transparenz unerwünscht
Nuzzi sagte dem Corriere della Sera, aus der vatikanischen Staatsverwaltung seien in nur zwei Jahren Waren im Wert von 1,6 Millionen Euro verschwunden. Auch würden Immobilien aus Kirchenbesitz an bestimmte Leute für sechs Euro pro Jahr vermietet. Er meint damit wohl Kurienmitglieder. Der Zeitung zufolge wird im Buch belegt, wie verpönt bei einem Teil der Vatikan-Bürokratie Franziskus’ Forderungen nach Transparenz sind.
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