Die Abende werden länger, und wer nicht gern früh schlafen geht, hat jetzt viel Zeit zum Lesen. Und manche Leute denken jetzt schon über Geschenke nach. Welche Bücher empfiehlt der Buchhändler Felix Palent von KnesebeckElf?
Felix Palent: Da fällt mir natürlich als erstes „Transit 64“ ein, der Roman des Autorentrios Heinz Bude, Bettina Munk und Karin Wieland. Denn alle drei sind bei uns am Donnerstag zu Gast. So voll war das Lesepodium noch nie!
Sie erzählen eine sehr berlinische Geschichte mit politischen Verwicklungen und Intrigen aus den frühen Sechzigerjahren. In einer besonders starken Szene stehen die beiden SPD-Politiker Egon Bahr und Willy Brandt am Schlachtensee im Regen. Sie überlegen, wie man mit den Gerüchten umgehen soll, dass der damalige Bundespräsident Lübke auf einem Foto mit Adolf Hitler zu sehen ist. Egon Bahr kommt auf die Idee, die viel bewunderte Marlene Dietrich ins höchste Amt des Staates bringen.
Was wäre gewesen, wenn?
Für uns als Leser ist nicht zu durchschauen, was davon stattgefunden hat und was die drei erfunden haben. Aber es liest sich gut, wie da in Hinterzimmern verhandelt wird. Das Autorentrio spielt die Frage durch: Was wäre gewesen, wenn? Welchen Charakter hätte die Bundesrepublik mit dieser Präsidentin bekommen? Das wäre doch etwas Großzügiges, Welthaltiges geworden, da hätte eine Person in diesem Amt wirklich repräsentieren können. Ich freue mich schon sehr auf das Gespräch über das Buch.
Das Düstere bannen: Deutscher Buchpreis geht an Dorothee Elmiger für „Die Holländerinnen“
Ein Favorit für den Deutschen Buchpreis: „Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger
Jetzt ist ja die Zeit, in der man schaut, was hat man in dem Jahr gelesen, was wird davon bleiben? „Die Holländerinnen“ von Dorothee Elmiger fallen mir da zuerst ein. Es ist sehr herausfordernd, man muss es vielleicht dreimal lesen – das geht, weil es dünn ist –, um herauszufinden, wie sie das erzählt, was sie erzählt. Mich hat das Buch so geprägt, es lässt mich gar nicht mehr los: diese Ideen, diese souveräne Art zu erzählen und gleichzeitig der Zweifel daran.
Und dann möchte ich ein ähnlich abgründiges Buch empfehlen, das sich aber in der Art des Erzählens sehr von den „Holländerinnen“ unterscheidet: „Die Schule der Nacht“ von Karl Ove Knausgård. Auch er riskiert sehr viel. Sein Thema ist das Böse oder Unanständige in der Kunst. Das ist ein mit sehr viel Tempo geschriebener Schmöker, den man so richtig einsaugen kann.
BudeMunkWieland mit „Transit 64“ in der Buchhandlung KnesebeckElf, Kartenreservierung Tel. 030 23 888 119
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