Wie wär’s mit einem Latin-Lover-Cup mit verschiedenen Sorten Milcheis, Pralinen, Aniskeksen und Schokokugeln für 13,50 Euro? Das Angebot des italienischen Eiscafés Fantasia del Gelato im ersten Stock des Einkaufszentrums Wilmersdorfer Arcaden an der Wilmersdorfer Straße ist verlockend. So verlockend, dass mancher vielleicht ein Eis bestellt – obwohl er doch nur einen Raum weiter einen neuen Ausweis beantragen wollte.
Das Eiscafé in den Arcaden hat seit Montag einen neuen Nachbarn, das Bürgeramt des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Kunden ziehen an einem Tresen eine Wartenummer. Wenn sie an der Reihe sind, können sie in einem Großraumbüro im ansonsten als Lager genutzten vierten Stock des Einkaufscenters zu einem von elf Sachbearbeitern vordringen. In der Zwischenzeit können sie – nur zum Beispiel – bei Fantasia einen Latin-Lover-Cup verschlingen, shoppen gehen oder sonst etwas tun. Angst, dass sie währenddessen ihren Warteplatz verlieren, müssen sie nicht haben. Überall stehen Info-Terminals, die auf Knopfdruck anzeigen, wann ihre Nummer dran sein dürfte.
Für spontane Besuche
Dieses Amt ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Es ist das erste Bürgeramt Berlins in einem Einkaufszentrum. Und es ist das erste seit längerer Zeit in der Stadt, das nur für Spontanbesucher gedacht ist. Termine werden nicht vergeben. Stattdessen setzt man auf Laufkundschaft. Eine dreiviertel Million Besucher, so schätzt das Bezirksamt, zieht solch ein Bürgeramt jährlich an. In diesem Fall sind dies auch eine Dreiviertelmillion potenzieller Kunden. Das ist selbst für ein Einkaufszentrum an einer der wichtigsten Einkaufsstraßen der Stadt ein Pfund.
Der Ernstfall am Montagvormittag schien zu beweisen, dass es tatsächlich Bedarf an einem Bürgeramt für Spontanbesuche gibt. Noch vor Amtsöffnung bildete sich eine Schlange von rund 150 Wartenden. Manche wollten sich anmelden, andere einen Internationalen Führerschein beantragen. Alle hatten Zeit mitgebracht, die meisten hielten das Amt an diesem Ort für eine gute Idee.
Einzig die Verkäuferin des Sportgeschäfts, vor dessen Tür sich die Schlange aufreihte, war ungehalten. „Die Leute hier verscheuchen uns die Kunden“, sagt sie, „da traut sich doch keiner zu uns rein.“ Vielleicht sollte sie die Wartenden anlocken.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de