Bürgerfest in Bellevue

Der große Dank ans Ehrenamt

Wir stellen drei Berliner vor, die beim Fest im Schloss Bellevue dabei waren.

Elmar Schütze
3 Min
Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßten Besucher beim Bürgerfest im Schloss Bellevue in Berlin.

Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt begrüßten Besucher beim Bürgerfest im Schloss Bellevue in Berlin.

© dpa

Der Koordinator

Ralf Gottschalk

Ralf Gottschalk

© Markus Wächter

Ralf René Gottschalk hatte schon eine Karriere hinter sich, als er noch einmal von vorne anfing und sich in der  Flüchtlingsarbeit engagierte. 15 Jahre lang hatte  der heute 53-Jährige  in der Anmeldung einer Schwerpunktpraxis für HIV und Hepatitis C in Mitte gearbeitet. Irgendwann spürte der gelernte Betriebswirt, Personal-Coach und Gesundheitstrainer für Menschen mit HIV und Aids einen immer stärkeren  Drang nach Veränderung.

Im März vorigen Jahres stieß Gottschalk auf der Freiwilligenbörse im Roten Rathaus auf Angebote des Unionhilfswerks. Er ließ sich weiterbilden und wurde   Deutschkurs-Leiter für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Längst ist daraus  ein Beruf geworden. Seit 1. August arbeitet Gottschalk  als hauptamtlicher Freiwilligenkoordinator in einer Gemeinschaftsunterkunft in Pankow.

Die Einladung  hat er als „schöne Auszeichnung“ empfunden, er nehme sie aber  stellvertretend „für alle Menschen, die sich engagieren“ an, sagt Gottschalk.

Die Helferin

Sohir Chaker

Sohir Chaker

© Markus Wächter

Sohir Chaker  ist vor zweieinhalb Jahren aus dem syrischen Bürgerkrieg geflohen. „Das Leben dort war sehr schwer geworden“, sagt sie. Mit ihrer Tochter und ihrem Sohn kam sie in einem Wohnheim in Marienfelde unter. Heute wohnt die Familie in einer Wohnung in Hellersdorf.

Seit acht Monaten engagiert sich die 54-Jährige  im SOS-Familienzentrum in Hellersdorf, wo sie anderen Flüchtlingen hilft.  Sie berät in  Lebensdingen,  kocht, liest Kindern vor oder  übersetzt   arabische Geschichten ins Deutsche. Die Schriftsprache beherrscht sie schon, das Sprechen wird immer besser. Ansonsten hilft ihr die Tochter weiter.

In Deutschland, so glaubt Sohir Chaker, wird sie kaum in ihrem Beruf als Architektin arbeiten können, zu groß sind die Unterschiede. Sie  würde  gerne Sozialarbeiterin werden. Deutlich bessere Chancen auf einen höher qualifizierten Job  haben  ihre Kinder: Sohn Milad ist 15 Jahre alt und geht in die 9. Klasse einer Hellersdorfer Schule. Tochter Yara, 19, absolviert Sprach- und Integrationskurse. Sie hat in Damaskus  Abitur mit der Durchschnittsnote 1,2 gemacht. „Ich würde gerne Zahnmedizin studieren“, sagt sie.

Der Abend in Bellevue macht die gesamte Familie Chaker froh. „Das bedeutet, dass der Bundespräsident  die Arbeit meiner Mutter würdigt“, sagt Yara Chaker. „Ich bin sehr stolz auf sie.“

Der Schiedsmann

Henning Zimmermann

Henning Zimmermann

© Markus Wächter

Henning Zimmermann   mag den Streit, sagt er. Aber noch mehr das Schlichten desselben. Seit zehn Jahren ist der als Freiberufler tätige Kommunikationstrainer Schiedsperson des Bezirks Mitte – einer von 69 Menschen in dieser Funktion in ganz Berlin. Ihre Aufgabe: „Schlichten statt Richten.“ Die Idee ist, dass am Ende eines Streits beide Parteien zu einer  einklagbaren Vereinbarung kommen.

Nicht zuletzt entlasten  Schiedspersonen die Gerichte. In Zimmermanns Büro werden  Nachbarschaftsstreits verhandelt, die sonst oft vor Gericht landen und teuer werden. „Das Übliche, jemand fühlt sich lärmbelästigt, es gibt Beleidigungen, kleine Körperverletzungen, Hausfriedensbruch.“ Fünf bis sechs Fälle  hat er pro Jahr.

„Dabei  begegnen mir alle Formen von Emotionen, Wut, Tränen ...“ Aber vor allem  Menschen, die sich am Ende doch mit ihrem Gegenüber verständigen wollen. „70 bis 80 Prozent der Leute, die zu uns kommen, sagen: Hoffentlich hört das bald auf. Dabei helfen wir ihnen gerne.“

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