Wer in Como demnächst mit dem Rad in die Altstadt will, wird absteigen müssen. Die Stadt am Comer See erlaubt Fahrräder, E-Bikes und E-Scooter in rund 30 Gassen ihres historischen Zentrums künftig nur noch geschoben.
Der Grund lässt sich auf einen einzelnen Nachmittag eindampfen.
Am 18. Juli verlässt Bürgermeister Alessandro Rapinese sein Rathaus, geht in die Via Luini und wird nach eigener Darstellung von einem E-Bike erfasst. Blaue Flecken, kein Krankenhaus. Drei Wochen später steht das Verbot im Beschluss seiner Stadtregierung.
„Diese Biester“: Was der Bürgermeister über E-Bikes sagt
Rapinese bestreitet den Zusammenhang nicht. Man werfe ihm vor, das Verbot erlassen zu haben, weil ihn ein E-Bike erwischt habe, sagte er der Nachrichtenagentur Ansa: „Die Menschen handeln aufgrund ihrer Erfahrungen, und ich habe erlebt, was es heißt, von diesen Biestern angefahren zu werden“.
Verkündet hat er es in RapiNews24, seiner selbst produzierten Pseudo-Nachrichtensendung samt Abspann. Dort nahm er sich auch die Essenslieferanten vor. Wer in der Altstadt mit Schwung auf dem E-Bike losfahre, werde das Sandwich am Ende selbst essen, weil er es nicht mehr rechtzeitig ausliefere.
Rapinese regiert Como seit 2022 mit einer Bürgerliste. Die Leih-E-Scooter hatte er schon damals aus der Stadt geworfen.
Alessandro Rapinese (rechts) begrüßt im August 2022 den neuen Kardinal Oscar Cantoni in Como. Vier Jahre später verbietet er in der Altstadt das Radfahren. (Archivbild)
© IMAGO/Andrea Butti
Wo das Fahrradverbot in Como gilt
Betroffen ist der römische Kern der Stadt, je nach Quelle 30 bis 35 Straßen und Plätze der ummauerten Altstadt. Genannt werden unter anderem die Via Cesare Cantù, die Via Bernardino Luini und Abschnitte der Via Vittorio Emanuele II.
Es trifft die breiten Verbindungen zwischen Stadttor, Piazza San Fedele, Dom und Seepromenade. Also die Achsen, auf denen bisher geradelt wurde und auf denen sich im Sommer die Reisegruppen stauen.
Lieferungen nur noch von 6 bis 11 Uhr
Das Radverbot ist Teil eines größeren Pakets. Mit dem Beschluss Nummer 178 vom 5. August hat die Stadtregierung auch die verkehrsberuhigte Zone neu geordnet.
Waren dürfen künftig nur zwischen 6 und 11 Uhr angeliefert werden, wie Il Post berichtet. Für viele Fahrzeugkategorien wird eine Jahresgenehmigung fällig, dazu drei Euro pro Einfahrttag.
Hotelgäste und Ferienwohnungsmieter dürfen nur noch dann mit dem Auto in die Altstadt, wenn ihre Unterkunft einen eigenen Stellplatz hat.
Warum auch normale Fahrräder verboten sind
Naheliegender Einwand: Wenn schnelle E-Bikes das Problem sind, warum trifft das Verbot dann auch das Hollandrad der Nachbarin?
Rapineses Antwort fällt erstaunlich juristisch aus für einen Mann, der sonst gern draufhaut. Die italienische Straßenverkehrsordnung behandele Fahrrad und Pedelec gleich, eine Unterscheidung würde vor dem Verwaltungsgericht kassiert.
Gesperrt wird deshalb nicht das Gerät, das ihn erwischt hat, sondern jedes Rad in der Altstadt.
Handel, Parteien und Radfahrer laufen Sturm
Der Handelsverband Confcommercio warnt, ein einziges Lieferfenster am Vormittag sei für Zulieferer von außerhalb kaum zu schaffen, ein Stau reiche. Der Verein Nova Como wirft der Verwaltung vor, die Alltagsradler zu bestrafen. Vereinschef Vincenzo Falanga liefert den Satz, der seither überall zitiert wird: Die Verwaltung mache aus einem individuellen Problem ein kollektives.
Die Lega sammelt Unterschriften, der PD hält der Stadt vor, sie regiere per Verbot statt per Verkehrsplanung. Eine frühere Stadträtin will den Beschluss vor dem Verwaltungsgericht anfechten. Aus Rom nannte der Forza-Italia-Abgeordnete Paolo Emilio Russo das Verbot eine Kapitulation.
Fahrraddemo am 12. September, streng nach Vorschrift
Der beste Protest nimmt die Regel wörtlich. Nova Como ruft für den 12. September zu einer Fahrraddemonstration von der Piazza Perretta zum Rathaus auf, und zwar pedantisch regelkonform: ein paar Meter fahren, absteigen, schieben, wieder aufsteigen. Ein Demonstrationszug, der sich alle 50 Meter selbst ausbremst.
Schon für den 1. September kündigen Radfahrer eine „Invasion“ der Altstadt an.
Ab wann gilt das Verbot?
Noch ist nichts in Kraft. Dafür braucht es eine Anordnung der Stadtpolizei und neue Schilder, beides wird für September erwartet. Wie kontrolliert und sanktioniert wird, ist bislang nicht öffentlich geregelt.
Für Urlauber heißt das ab September: Das Leihrad bringt einen bis an die Stadtmauer. Ab da gilt in Comos Gassen das Tempo des Bürgermeisters.
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