Bund stellt bei Allianz von Karstadt und Kaufhaus Staatshilfe in Aussicht

Warenhaus-Fusion rückt näher

Jakob Schlandt Barbara Weitzel
3 Min

BERLIN. Sie wurde bereits mehrfach erwogen und dann doch wieder ad acta gelegt: Eine Fusion der beiden letzten verbliebenen großen deutschen Warenhausketten Kaufhof und der Arcandor-Tochter Karstadt. Seit gestern ist sie wieder wahrscheinlicher, nachdem sich Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes unter anderem mit Vertretern des Bundeskanzleramts getroffen hatte. Cordes warb dabei für ein Konzept, mit dem die beiden Warenhausketten zusammengelegt werden könnten. Nach seinen Plänen sollen bei einer Fusion 40 der dann 206 Warenhäuser geschlossen werden - zehn Kaufhof- und 30 Karstadt-Filialen. Der Verlust an Arbeitsplätzen könne so auf weniger als 5 000 begrenzt werden. Auch für die Mitarbeiter der von Schließung betroffenen Häuser gebe es Chancen, hieß es bei der Metro. Für 20 bedrohte Häuser gebe es bereits interessierte Unternehmen. Allein die Konzerntöchter Media Markt und Saturn hätten Interesse an zwölf Standorten signalisiert.Antrag beim DeutschlandfondsKanzlerin Angela Merkel sagte, bei den Bemühungen um eine Rettung des angeschlagenen Touristik- und Handelskonzerns Arcandor gebe es "wirklich viele privatwirtschaftliche Möglichkeiten, die immer noch nicht ausgeschöpft sind". Die laufenden Gespräche sollten "schnell geführt werden im Blick gerade auch auf die Arbeitsplätze, die wir natürlich im Sinne der Menschen möglichst weitgehend erhalten wollen", drängte die Kanzlerin.Cordes beriet zudem mit dem Wirtschaftsministerium sowie mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er sagte, die Arbeitnehmer bei Arcandor dürften nun nicht die Zeche für "schwerwiegende Managementfehler" der letzten Jahre zahlen. Zu den möglichen Rettungsmaßnahmen gehöre auch ein Kredit der staatseigenen KfW-Bank. Staatliche Hilfen kämen aber nur in Betracht, wenn sich auch die Eigentümer in Verantwortung begäben, sagte er. Mit Eigentümern meine er zum einen Gesellschafter von Arcandor, aber auch diejenigen, die das Immobilieneigentum innehätten. Steinmeier betonte, eine Insolvenz wäre die schlechteste Lösung.Rückendeckung bekam die Metro für die Fusionspläne auch von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Er halte dies angesichts der Krise beim Karstadt-Mutterkonzern Arcandor für "einen interessanten Weg", sagte der CSU-Politiker. Auch er schloss einen Überbrückungskredit der Staatsbank KfW dabei nicht aus. Am Abend reichte Arcandor beim Deutschlandfonds offiziell einen Antrag auf Beihilfe ein. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung sind Bund und Länder zu Bürgschaften über 450 Millionen Euro bereit.Eine Fusion indes käme den Staat billiger. Auch der Standort Berlin käme glimpflich davon. "In Berlin sind die Standorte gut ausbalanciert. Karstadt im Westen der Stadt, Kaufhof im Osten", sagte ein Metro-Sprecher. Ebenfalls unberührt blieben Solitär-Standorte: "In 92 Städten gibt es jeweils ein Kaufhaus. Hier bliebe zunächst alles beim Alten." Experten halten eine Marktbereinigung ohnehin für überfällig. "Von den mehr als 200 Standorten von Karstadt und Kaufhof sollte ein Fünftel schließen", sagte Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung. Stumpf sieht derzeit ebenfalls rund 5 000 Arbeitsplätze gefährdet. "Viele dieser Jobs tauchen auch nicht einfach wieder bei Konkurrenten auf, sondern sind weg." Auch im Versandhandel würde es Entlassungen geben. Dennoch würde ein großer Teil der 56 000 Jobs bei Arcandor in Deutschland selbst bei einer Insolvenz wohl erhalten bleiben.Fachmärkte und Einkaufszentren haben den Warenhäusern schwer zugesetzt. Laut BBE ist der Marktanteil seit 1994 von fünf Prozent auf 3,3 Prozent gesunken. "Eine Zukunft gibt es dennoch", sagt Stumpf. Für die Premiumhäuser wie das KaDeWe sieht er die geringsten Probleme. "Jede große Metropole in Europa hat ein Luxuskaufhaus." Die anderen könnten als Stadtteilversorger dienen - wie Karstadt am Hermannplatz - oder als Nischenversorger in Innenstädten, wo bestimmte Produkte sonst nicht mehr zu bekommen sind.------------------------------Foto: Karstadt und Kaufhof - möglicherweise bald vereint.

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