BERLIN. Air Berlin droht mit der geplanten Übernahme des Ferienfliegers Condor zu scheitern. Das Bundeskartellamt befürchtet durch den Zusammenschluss erhebliche Wettbewerbseinbußen im Reisegeschäft in der Mittelmeerregion, in der beide Fluggesellschaften sehr aktiv sind. Air Berlin muss bis zum kommenden Montag Stellung zu den Einwänden nehmen. Anderenfalls werde das Kartellamt die geplante Übernahme abmahnen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Das ist der erste Schritt, bevor eine Fusion untersagt wird.Daran ist Air Berlin aber womöglich gar nicht mehr interessiert: Vor zwei Wochen hatte die Airline mitgeteilt, sie überprüfe auch wegen der wirtschaftlichen Lage, ob die Fusion nach wie vor sinnvoll sei.Air Berlin hatte die Übernahme von Condor im vergangenen Herbst angekündigt. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft wollte dem Reiseveranstalter Thomas Cook im Februar 2009 seine Condor-Anteile in Höhe von 75,1 Prozent für eine halbe Milliarde Euro in Aktien und in bar abkaufen. Die restlichen 24,9 Prozent gehören der Deutschen Lufthansa. Deren Anteile wollte Air Berlin ein Jahr später übernehmen. Schon bei der Ankündigung hatte das Kartellamt Bedenken angemeldet.Ende Juni teilten Air Berlin und Thomas Cook dann mit, sie wollten ihre Vereinbarung noch einmal überprüfen - nicht nur wegen des sich hinziehenden Prüfverfahrens des Kartellamts, sondern auch wegen der wirtschaftlichen Lage.Wegen der steigenden Treibstoffpreise will Air Berlin mehrere Langstreckenverbindungen streichen und Flugzeuge am Boden lassen. Die Kapazität soll um zehn Prozent schrumpfen, auf Langstrecken um 30 Prozent."Wir wollen die Profitabilität des Unternehmens steigern, ohne in Aktionismus zu verfallen und ohne unsere Marktstrategie aufzugeben", sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold kürzlich auf der Hauptversammlung. Zur Strategie der Airline zählte bislang aber auch Wachstum durch Übernahmen. 2006 hatte Air Berlin die auf innerdeutsche Strecken spezialisierte dba übernommen. Im vergangenen Jahr kam dann der Ferienflieger LTU mit attraktiven Langstreckenverbindungen hinzu. Condor war das nächste Objekt der Begierde. Anlegerschützer hatten den Deal bereits heftig kritisiert: Die geplante Condor-Übernahme drohe Air Berlin in der derzeitigen Situation zu überfordern, so die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Condor sei in der derzeitigen Situation, in der es um effizientere Kostenstrukturen gehe, schlicht ein zu großer Brocken, zumal Air Berlin noch mit der Integration der LTU beschäftigt sei.Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa hat vorbeugend schon mitgeteilt, es würden "ernsthaft verschiedene alternative Möglichkeiten" zu einem Verkauf von Condor an Air Berlin sondiert. Schwierigkeiten eine andere Verwendung für Condor zu finden, werde es jedenfalls nicht geben: Condor sei weiterhin "ein leistungsstarkes Unternehmen mit beachtlichem Potenzial."Ein Air-Berlin-Sprecher sagte gestern, das Unternehmen werde sich wie aufgefordert gegenüber dem Kartellamt äußern. Derzeit befinde sich Air Berlin in Gesprächen mit Thomas Cook. Es werde ein Ergebnis geben, und zwar spätestens am Montag. (AFP/pw.)------------------------------Grafik : Air Berlin
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de