Bundespolitik

Der Herrenwitz steht zur Diskussion

Thomas Kröter
3 Min

Die Sexismus-Vorwürfe der Berliner Bezirkspolitikerin Jenna Behrends gegen führende CDU-Politiker der Hauptstadt, an der Spitze den amtierenden Parteichef Frank Henkel, ziehen bundesweit Kreise auch über die Christdemokraten hinaus. Politikerinnen von CDU und SPD sprachen von einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Aus der FDP kam hingegen die Forderung, lieber über die tatsächlichen Probleme mit dem Sexismus zu debattieren.

„Für mich ist die Aufregung nicht nachvollziehbar“, sagte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding der Berliner Zeitung. „Ich weiß nicht, was wirklich gesagt wurde.“ Fraglos gebe es „inakzeptable Äußerungen von Männern, die immer wieder gegenüber Frauen fallen“. Die Debatte gehe aber am eigentlichen Problem vorbei. „Ein echtes Problem ist doch vielmehr, wo zum Beispiel abhängig Beschäftigte am Arbeitsplatz angetatscht werden, oder ihnen sogar Schlimmeres passiert“, sagte die FDP-Politikerin.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) wollte die aktuellen Vorgänge im Berliner Landesverband der CDU nicht kommentieren. Eine Sprecherin ihres Hauses sagte jedoch am Montag, viele Frauen erlebten Sexismus im Alltag und am Arbeitsplatz. Es sei mutig, wenn sie dies offen ansprächen. Denn nur so werde das Bewusstsein dafür geschaffen, „dass sexistische Sprüche und sogenannte Herrenwitze nicht nur altmodisch, sondern völlig inakzeptabel seien.

„Alltags-Sexismus gibt es überall“, erklärte auch die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner dieser Zeitung. „Frauen gelten als karrieregeil, Männer als erfolgsorientiert“. In den Parteien sei Sexismus „nicht weniger verbreitet als im Rest der Bevölkerung“, sagte Ferne, die auch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium ist. „Aber in dieser Ausprägung habe ich das in der SPD noch nicht erlebt.“

Auch die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön, sagte, sie habe solche Erfahrungen noch nicht gemacht, wie sie von Behrends geschildert worden seien. Aber sie kenne dergleichen von Bekannten und Freundinnen, „egal, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in Vereinen und Verbänden“. Es gebe in solchen Fragen einen „Graubereich“, sagte Schön. Man müsse „unterscheiden zwischen einer laxen Bemerkung und einer Bemerkung, die dann einen verletzt und die sexistisch“ sei.

Jeder, der eine Bemerkung mache, müsse sich fragen: „Wäre es okay, wenn man die Bemerkung mir oder meiner Tochter oder meiner Frau gegenüber machen würde.“ Eine solche Prüfung gebe „ein ganz gutes Gefühl dafür“, ob etwas noch ein Witz oder bereits „eine verletzende Bemerkung“ sei. Wie im vorliegenden Fall zu einer erwachsenen Frau „große süße Maus zu sagen, das muss wirklich nicht sein“, erklärte Schön.

Klarere Worte fand die Kölner Bundestagsabgeordnete Gisela Manderla. „Es darf auf gar keinen Fall passieren, dass eine Frau wie Jenna Behrends, die sich wehrt und sexistisches Verhalten öffentlich macht, dafür angefeindet wird.

Die Internet-Aktivistin Anne Wizorek lobte CDU-Generalsekretär Peter Tauber, weil er gleich nach Veröffentlichung der Vorwürfe eingestanden habe, dass es Sexismus-Probleme in seiner Partei gebe. Wizorek wies den Begriff des „Graubereichs“ zurück. Etwas wie Behrends in Berlin „würde männlichen Kollegen schlicht nicht passieren.“ Deshalb sei es „kein Graubereich, sondern Sexismus“. Es sei aber ein Fortschritt, dass es heute kein generelles Leugnen mehr gebe. Wizorek hatte vor gut drei Jahren im Netz die Aktion „Aufschrei“ initiiert, nachdem der FDP-Spitzenpolitiker Rainer Brüderle gegenüber einer Journalistin sexistische Bemerkungen gemacht hatte.

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