Wenn es um dieses Thema geht, gibt es in der großen Koalition keinen Streit: Die CDU und die SPD setzen sich dafür ein, das U-Bahn-Netz auszubauen. Damit steht Berlin ein langwieriges, kostspieliges Zeitenwendeprojekt bevor. Aber es nimmt an Tempo auf, wie die neue Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) jetzt der Berliner Zeitung erläuterte. Ende 2031 könnte die U3 zum Mexikoplatz fahren. Außerdem setzt sich die Senatorin dafür ein, eine Idee neu zu beleben: den Bau einer U-Bahn nach Weißensee.
Dieses Ziel können wahrscheinlich sogar fast alle Politiker unterschreiben: „Berlin braucht einen starken öffentlichen Nahverkehr. Der Ausbau von Netzen und Angeboten ist ein entscheidender Schlüssel, um die Klimaschutzziele zu erreichen, den Wirtschaftsstandort zu stärken und die deutsche Hauptstadt als lebenswerte Metropole für alle Menschen zu entwickeln“, so die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Um dieses gemeinsame Verständnis zu bekräftigen, werden Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) an diesem Mittwoch den Betriebshof Lichtenberg sowie die U-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde besuchen.
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Das Signal, das die Landespolitikerinnen während ihrer Tour senden wollen, ist unmissverständlich. Berlins Schienennetz soll wachsen – schneller als bisher. Es ist ein Ziel, das die neue Verkehrssenatorin im Gespräch mit der Berliner Zeitung unterstreicht. „Wenn wir den Ausbau des U-Bahn-Netzes vorantreiben, heißt das nicht, dass wir den Ausbau des Straßenbahnnetzes lassen“, sagt Schreiner. Aber es müsse in größerem Maße als bisher um die U-Bahn gehen. Deren Netz umfasst 146,6 Kilometer Strecke sowie 175 Bahnhöfe. Dabei dürfe es in der wachsenden Stadt Berlin nicht bleiben, so die Koalition.
Als Erstes soll eine Neubaustrecke im Berliner Südwesten gebaut werden, bekräftigte Schreiner. Wie berichtet hat die BVG Projekt GmbH im Auftrag des Senats damit begonnen, die 700 Meter lange Verlängerung der U-Bahn-Linie U3 vorzubereiten. Statt wie bisher in der Station Krumme Lanke zu enden, sollen die Züge zum Mexikoplatz weiterfahren. Dort können die Fahrgäste in die S-Bahn-Linie S1 umsteigen.
Bau der U3 zum Mexikoplatz soll fünf Jahre dauern
„Nächste Etappe wird die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sein, die in diesem Jahr in Gang kommen soll. Der erste Spatenstich für die Verlängerung der U3 zum Mexikoplatz wird für Ende 2026 erwartet“, erläuterte die Senatorin. „Die Bauzeit wird auf fünf Jahre taxiert. Das würde bedeuten, dass die nächste Neubaustrecke der U-Bahn Anfang der 2030er-Jahre in den Betrieb gehen kann.“
Heute endet die U-Bahn-Linie U3 im U-Bahnhof Krumme Lanke. Künftig soll die Strecke zum Mexikoplatz führen.
© Lem/imago
Die 2020 fertiggestellte Verlängerung der U5 in Mitte, die ebenfalls von der BVG Projekt GmbH betreut wurde, sei im Zeit- und Kostenrahmen erfolgt. „Deshalb mache ich mir keine Sorgen, auch mit der U3 wird es klappen. Wenn wir Beschleunigungspotenziale heben können, würden wir das gerne tun. Aber wir sehen überall in der Branche, wie der Material- und Personalmangel die Projekte beeinflusst.“
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Auch Erweiterungen der U7, die bereits die längste U-Bahn-Linie von Berlin ist, würden vorbereitet, so Manja Schreiner. Zur Strecke vom Rathaus Spandau nach Heerstraße Nord läuft gerade die Grundlagenuntersuchung inklusive Verkehrsmittelvergleich, teilte sie mit. Für die Strecke von Rudow zum Flughafen BER beginnt 2024 die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die Berlin mit Brandenburg finanziert. „Die U7 zum BER ist ein wichtiges Projekt, von dem nicht nur die Berliner, sondern auch die Brandenburger profitieren. Die Gemeinde Schönefeld wächst, im Umfeld des BER ist ein prosperierender Wirtschaftsraum entstanden. Er wird durch die U-Bahn erschlossen.“
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Doch die Senatorin möchte sich nicht damit begnügen, bereits bestehende U-Bahn-Neubauprojekte voranzutreiben. Ihr gehe es auch um Strategien und Konzepte für die Zukunft, sagte sie. „Wir werden uns in den kommenden Monaten den Berliner Nordosten genauer anschauen“, kündigte Schreiner an. Der Grund dafür sei klar: Wenn wir uns den Stadtplan anschauen, dann sehen wir vor allem im Nordosten Lücken. Gleichzeitig ist absehbar, dass dort zahlreiche Wohnungen gebaut werden.“
Vorschläge, die Verkehrssituation in Pankow und Umgebung zu verbessern, lägen seit langem auf dem Tisch. So hat sich der damalige Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner dafür ausgesprochen, die schnelle U9 auf Pankower Gebiet zu verlängern. Nun gehe es darum, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, wie dieser Teil Berlins verkehrstechnisch entwickelt werden soll, bekräftigte die neue Verkehrssenatorin. Dabei werde sie sich mit Bausenator Christian Gaebler (SPD) abstimmen. „Wo Wohnviertel entstehen oder dies absehbar ist, muss die Verkehrsanbindung mitgeplant werden“, forderte Schreiner.
Pläne für Straßenbahn zum S-Bahnhof Blankenburg werden überprüft
Dann ging die Landespolitikerin ins Detail. „Zu den möglichen Projekten gehört die U10 vom Alexanderplatz nach Weißensee, für die wir eine Machbarkeitsuntersuchung planen. Denkbar wären auch die Verlängerung der U2 in Pankow und der Weiterbau der U9 über Osloer Straße hinaus auf Pankower Gebiet ist eine ernsthafte Option. Außerdem geht es um die mögliche Verlängerung der S75, die derzeit noch in Wartenberg endet, nach Norden“, so Schreiner. „Selbstverständlich gehört die Straßenbahn dazu. Unter anderem schauen wir uns noch einmal genau den umstrittenen Plan an, die M2 durch die dortigen Kleingärten bis zum S-Bahnhof Blankenburg zu verlängern.“
Noch endet die Straßenbahn M2 in Heinersdorf. Anwohner protestieren gegen die bisher geplante Weiterführung zum S-Bahnhof Blankenburg. Nun lässt Senatorin Schreiner das Projekt überprüfen.
© Volkmar Otto
Eine U-Bahn nach Weißensee: Dies gehört zu den ältesten Ideen, wie das Berliner Schienennetz erweitert werden könnte. Heute verläuft auf der Greifswalder Straße und der Berliner Allee die Straßenbahnlinie M4, die zu den am stärksten genutzten Tramstrecken Berlins gehört. Die Verkehrsachse führt durch dicht besiedelte Stadtgebiete mit niedriger Motorisierungsrate. Zudem kreuzt sie am S-Bahnhof Greifswalder Straße den ebenfalls rege frequentierten S-Bahn-Ring.
Galadinner und Modenschauen im künftigen Tunnel unterm Potsdamer Platz
Damit gilt die Route, die den Arbeitstitel „U10“ trägt, als U-Bahn-würdig. Zwischen Alexanderplatz und Weißensee könnten die U-Bahnhöfe Am Friedrichshain, Marienburger Straße, Danziger Straße, Greifswalder Straße, Gürtelstraße und Falkenberger Straße entstehen. Weitere Ideen sehen vor, die Strecke mit zwei Ästen nach Karow und Falkenberg fortzuführen. In die andere Richtung wäre eine Verlängerung zum Kurfürstendamm sinnvoll. Als neue U3 würde sie im Westen zum Adenauerplatz führen.
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An einigen Stellen sind im Berliner Untergrund schon Vorratsbauten für die neue U-Bahn-Verbindung erstellt worden. So bekam die heutige U5 1927 unter dem Alexanderplatz zwei Tunnelstutzen, um eine solche Strecke („Linie F“) dort ausfädeln zu können. Der U-Bahnhof Rotes Rathaus wurde so angelegt, dass darunter eine Station entstehen kann. Im Regionalbahnhof Potsdamer Platz wurde ein Rohbautunnel für einen möglichen U-Bahnhof mitgebaut. Als „The Tunnel“ wird er als Ort für Galadinner, Tagungen, Modenschauen und andere Veranstaltungen vermietet.
Mehr als eine halbe Milliarde Euro für 2,2 Kilometer U-Bahn
Die U10 nach Weißensee ist ein Thema, das immer wieder auftaucht. Ende der 1920er-Jahre war die „Linie F“ für den damaligen Verkehrsstadtrat Ernst Reuter ein wichtiges Projekt, bis 1935 sollte es verwirklicht werden. In seinen 200-Kilometer-U-Bahn-Plänen ab 1955 erweiterte der Senat die Strecke zu einer Trasse, die Berlin von Lichterfelde bis Weißensee durchmessen würde. Doch die U10 blieb bis heute eine „Phantomlinie“, wie es auf der empfehlenswerten Internetseite www.berliner-untergrundbahn.de heißt. Anfangs kam die Weltwirtschaftskrise dazwischen, danach die Teilung Berlins – und dann immer wieder der Mangel an Ressourcen für ein so gewaltiges Vorhaben.
Was aber nicht heißt, dass es immer wieder Forderungen gab, das Vorhaben endlich anzugehen. So setzte sich die SPD Weißensee 2021 dafür ein, eine Machbarkeitsuntersuchung durchzuführen. Der Pankower SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf gehört ebenfalls zu den Befürwortern.
Doch weil es so aufwändig ist, eine U-Bahn zu bauen, wurde das Projekt Alexanderplatz–Weißensee bislang nicht angepackt. Die knapp 2,2 Kilometer lange Erweiterung der U5 in Mitte, die Ende 2020 ans Netz ging, wurde zuletzt mit 525 Millionen Euro veranschlagt. Wie viel sie am Ende tatsächlich gekostet hat, hat die BVG bisher nicht mitgeteilt. Weil U-Bahn-Projekte kompliziert sind, erfordern sie auch umfangreiche Planungen – was die Vorhaben in die Länge zieht. Als Beitrag zur Verkehrswende, die zügig anzustreben ist, wären neue Straßenbahnstrecken sinnvoller, geben Kritiker zu bedenken. Tramprojekte lassen sich schneller realisieren und sie kosten weniger Geld.
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