Öffentlicher Nahverkehr

Gewaltdelikte sind in Berlin an der Tagesordnung

2017 zählte die BVG 3310 Attacken. Vor allem nachts haben viele Fahrgäste Angst.

Andreas Kopietz
3 Min
Zwar sinkt die Gesamtzahl der Straftaten, aber es gibt mehr Gewalt. Deshalb laufen BVG und Polizei gemeinsam Streife.

Zwar sinkt die Gesamtzahl der Straftaten, aber es gibt mehr Gewalt. Deshalb laufen BVG und Polizei gemeinsam Streife.

© Imago / Olaf Selchow

Zwar sinkt in U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen die Gesamtzahl der Straftaten. Es werden zum Beispiel weniger Taschendiebstähle, Vandalismus und Schwarzfahrten registriert. Doch vor allem nachts und an den Wochenenden fürchten sich viele Fahrgäste.

Mehr Sicherheitsleute im Einsatz

Unzählige Videokameras an Haltestellen und in Zügen sollen für Sicherheit sorgen – oder zumindest ein Sicherheitsgefühl vermitteln und nach einer Straftat bei der Aufklärung helfen. Doch die Polizei fordert nach Straftaten bei der BVG immer weniger Bilder an: Im vergangenen Jahr geschah das nur 5377 Mal. Im Jahr davor waren es 6087 Mal.

„Videomaterial wird nicht nur nach Gewaltdelikten angefordert, sondern auch nach Straftaten wie Taschendiebstählen oder Sachbeschädigungen, von denen es aber weniger gibt“, sagt ein Polizeisprecher zur Begründung. „Außerdem ist es möglich, dass es zu einer Tat mehrere Anzeigen aber nur eine Videoaufzeichnung gibt, etwa bei einer wechselseitigen Körperverletzung.“

Auf den Anstieg der Gewalt hat die BVG reagiert und ist täglich mit mehr als 100 Sicherheitsleuten unterwegs. Auf 25 „Schwerpunktbahnhöfen“ sind rund um die Uhr Sicherheitsleute im Einsatz. Laut BVG ist die U-Bahn trotz allem sicher. Um Opfer von Gewalt zu werden, müsse man – statistisch gesehen – 900 Jahre jeden Tag einmal mit Bus, U-Bahn oder Tram fahren, heißt es.

Angriff am Hermannplatz

Einen homophoben Angriff durch einen Syrer gab es am Sonntagmorgen im U-Bahnhof Hermannplatz. Wie die Polizei mitteilte, tanzte und sang ein 28-Jähriger gegen 0.30 Uhr auf dem Bahnsteig, als eine Gruppe junger Männer auf ihn zukam. Die Gruppe teilte ihm mit, dass sie sich durch sein extravagantes Auftreten gestört fühle. Dann schlug laut Polizei einer aus der Gruppe den 28-Jährigen mehrfach mit der Faust gegen den Kopf. Zudem sei er durch die anderen bedrängt und geschubst worden. Ihm gelang die Flucht, jedoch folgte ihm einer der Männer.

Zivilpolizisten wurden auf die Situation aufmerksam und nahmen den Schläger fest. Der alkoholisierte 21-jährige Syrer kam zur Blutentnahme auf eine Gefangenensammelstelle, die er anschließend wieder verlassen konnte. Der Angegriffene gab an, dass er wegen seiner Homosexualität angegriffen worden sei. Er erlitt Verletzungen im Gesicht, die durch die Besatzung eines Rettungswagens ambulant behandelt wurden. Die Polizei forderte zur Beweissicherung die Aufnahmen der Überwachungskameras an.

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