Wir stellen Ihnen in Kurzporträts die Spitzenkandidaten für die BVV-Wahl in allen Bezirken vor. Diesmal: Spandau.
SPD, Helmut Kleebank
Helmut Kleebank, 51, hat nach seiner Berufsausbildung zum Krankenpfleger Lehramt mit den Fächern Mathematik und Physik studiert. Bis zu seiner Wahl zum Bezirksbürgermeister 2011 war er Leiter der Heinrich-Böll-Oberschule in Hakenfelde. Kleebank ist Ur-Spandauer und wuchs im Ortsteil Falkenhagener Feld auf. Die wachsende Stadt will die SPD sozial und gerecht gestalten, sie steht für soziale Investitionen: mehr Kitas, besser ausgestattete Schulen und weniger Jugendarbeitslosigkeit. Um geflüchtete Menschen und ihre Kinder besser zu integrieren, sollen Willkommensklassen ausgebaut werden. Mehr Geld soll es für die Pflege von Grünflächen, aber auch für den Aus- und Neubau von Straßen, Rad- und Fußwegen geben. Der soziale Wohnungsbau ist für die SPD ein zentrales Thema, ebenso die Sanierung der Altstadt.
CDU, Gerhard Hanke
Gerhard Hanke, 60, ist der dienstälteste Bezirksstadtrat in Berlin – seit 24 Jahren gehört er dem Bezirksamt Spandau an. Er ist für Bildung, Kultur und Sport verantwortlich, seit 2011 auch für den Jugendbereich. Bevor Hanke Berufspolitiker wurde, hat er in mehreren Firmen als Industriekaufmann gearbeitet. Die CDU will saubere Parks. Ordnungsamt und Polizei sollen Vandalismus verhindern. Kriminalitätsbelastete Schwerpunkte will die CDU durch polizeiliche Präsenz und bauliche Maßnahmen sicherer machen sowie Videotechnik gezielt einsetzen. Die Altstadt soll attraktiver und am Abend auch belebter werden etwa durch mehr Außensitzplätze vor Restaurants und Cafés. Hanke will Sport und Ehrenamt stärken und ein kostenloses WLAN-Netz einrichten. Straßenbahnen lehnt die CDU als Verkehrsmittel ab.
Die Linke, Lars Leschewitz
Lars Leschewitz, 30, wurde in Rendsburg (Schleswig-Holstein) geboren. Wie er sagt, habe ihn der Zivildienst in einer integrativen Kita in seinem sozialen Engagement sehr geprägt. Nach Berlin zog er 2006 und studierte hier Politik, 2013 nahm er ein Zweitstudium zum Physik- und Politiklehrer auf. Leschewitz wohnt seit vier Jahren in Spandau, besonders gefallen ihm die Havel und die Grünanlagen. Der Wohnungsbau und die Strom- und Wasserversorgung müssen wieder komplett in öffentliche Hand kommen, sagt er. Die Mieten sollen durch Milieuschutz deutlich sinken. Investiert werden müsse in Schulen, Krankenhäuser und Kitas. Öffentlicher Dienst und Bürgerämter müssen angemessen mit Personal ausgestattet werden. Die Linke hat derzeit einen Sitz in der BVV, künftig will sie in Fraktionsstärke (ab drei Leute) im Rathaus vertreten sein.
FDP, Matthias Unger
Matthias Unger, 50, ist gebürtiger Spandauer. Er besuchte hier die Schule und erlernte später den Beruf des Versicherungskaufmanns. Seit zwei Jahrzehnten ist er selbstständig im Immobiliengeschäft tätig. Der bekennende Hertha-Fan hat seit der Kindheit beim SC Staaken Fußball gespielt, den er heute als Sponsor unterstützt. Unger hat viele ehrenamtliche Funktionen etwa im Bezirkselternausschuss. Bildung beginne nicht erst in der Hochschule, sondern bereits in der Grundschule, sagt er. Hier dürfe nicht gespart werden, seine Schwerpunkte sind Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Die FDP fordert Straßensanierung und den vierspurigen Ausbau der Potsdamer Chaussee. Die S-Bahn muss nach Nauen erweitert werden. Quartiersmanagement- und Streetwork-Angebote sollen erhalten bleiben.
AfD, Wolfgang Werner
Wolfgang Werner, 63, ist in der Stadt Brandenburg geboren. Der Diplom-Bauingenieur und Volkswirt arbeitet derzeit selbstständig als Finanzdienstleister. Die AfD sieht den Bereich Bildung als einen ihrer Schwerpunkte in Spandau. Wie Werner sagt, soll Gender-Mainstreaming aus den Schulen verbannt und wieder mehr Wissen vermittelt werden. Die AfD fordert die Einführung von Schuluniformen nach britischem Vorbild. Nach Ansicht der Partei ist Spandau ein Kriminalitätsschwerpunkt, das will sie ändern. So soll die statistische Aufbereitung der Taten auch nach Herkunft der Täter erfolgen. Den derzeitigen Bezirkspolitikern wirft sie vor, die negative Entwicklung der Zuwanderung in die Sozialsysteme ignoriert zu haben. Die AfD fordert die Offenhaltung von Tegel, Wohnungsbau soll gefördert werden.
Grüne, Elmas Wieczorek
Elmas Wieczorek, 47, hat Soziale Arbeit in Potsdam studiert und eine Ausbildung als Coach und Mediatorin absolviert. Sie lebte bis 1995 in der Türkei und hat dort als Lehrerin für Kunst und Handwerk gearbeitet. Mitgewirkt hat sie am Zukunftskonzept für den öffentlichen Nahverkehr in Spandau, einem der Kernthemen der Grünen. Sie fordern Lösungen für die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern etwa an Altstädter Ring und Klosterstraße, am Bahnhof Spandau fehlen Fahrradparkplätze. Spandau soll mehr Straßenbäume erhalten. Die Grünen wollen, dass nicht nur die Aufnahme von Migranten funktioniert, sondern auch die Integration. Sie warnen vor Ghettobildung in sozial benachteiligten Stadtteilen. Wieczorek will bezahlbaren Wohnraum erhalten und neuen schaffen.
Piratenpartei, Marion Schunke
Marion Schunke, 52, wurde in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) geboren. Sie hat Tontechnik studiert und arbeitet als Musikerin und Videoproduzentin, Musikpädagogin sowie Dozentin für audiovisuelle Medien. Seit 2011 gehört sie der BVV Spandau an. Besonders will sie sich für mehr soziale Sicherheit für Kulturschaffende in Berlin einsetzen. Zudem dringen die Piraten auf Transparenz in der Verwaltung, damit Dokumente und Studien für die Bürger veröffentlicht werden. Als Erfolg verbuchen sie, dass im Jobcenter eine Ombudsstelle eingerichtet wurde. Wichtig sind den Piraten Fahrradfahrer – mit ihren Belangen beschäftigt sich im Bezirk seit kurzem das Gremium „FahrRat“. Die Piraten wollen den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sowie des Fahrradnetzes als Alternativen zum Autoverkehr.
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