Roman

Bernd-Lutz Lange, einer der Leipziger Sechs, liest in Berlin: „Café Continental“ im Pfefferberg

Beliebt wurde der Kabarettist durch die Academixer, er spielte eine politische Rolle im Herbst 1989. Jetzt hat er einen modernen Kaffeehaus-Roman geschrieben: „Café Continental“.

BLZ
2 Min
Am 17.11.1989 kamen die Leipziger Sechs noch einmal im Gewandhaus zusammen (Ausschnitt).  Ganz links ist Bernd-Lutz Lange zu sehen, Kurt Masur trägt das helle Jackett.

Am 17.11.1989 kamen die Leipziger Sechs noch einmal im Gewandhaus zusammen (Ausschnitt).  Ganz links ist Bernd-Lutz Lange zu sehen, Kurt Masur trägt das helle Jackett.

© dpa

Vor wenigen Wochen jährte sich einer der wichtigsten Tage im Leben von Bernd-Lutz Lange zum 35. Mal: Am 9. Oktober 1989, als vormittags klar war, dass die Montagsdemonstration in Leipzig größer würde als alle zuvor, verfassten drei Sekretäre der SED-Bezirksleitung (Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel) gemeinsam mit dem Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, dem Theologen Peter Zimmermann und eben dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange eilig eine Erklärung, die zu Gewaltlosigkeit aufrief.

Sie wurde in den Kirchen und ab 18 Uhr über Lautsprecher in der Stadt verbreitet. Vom „freien Meinungsaustausch“ war in dem kurzen Appell die Rede. Die sechs Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft versprachen, „ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird.“ Die Polizei- und Armee-Lkw blieben nach der Demonstration leer, die Leipziger Sechs haben einen großen Anteil daran, dass die Vorgänge vom Herbst 1989 eine friedliche Revolution genannt werden.

Bernd-Lutz Lange, im Sommer 80 Jahre alt geworden, arbeitet nicht mehr als Kabarettist, erfreut sich als Buchautor jedoch eines großen Publikums. Der in Zwickau geborene Lange verleugnet seine Herkunft aus Sachsen nicht, mischt Witz mit Wärme und ist offenbar so etwas wie ein Schwamm für Geschichten: Auch das neueste Buch zeigt, wie er Anekdoten aufsaugt und in Literatur verwandelt. Im fiktiven, aber durchaus realen Orten nachempfundenen „Café Continental“ (Aufbau-Verlag) werden 60 Jahre lebendig.

Berliner Buchpremiere: So, 1. 12., 15 Uhr bei Literatur live im Pfefferberg-Theater, präsentiert von der Berliner Zeitung am Wochenende, Karten im BLZ-Ticketshop

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