„Bevor die CDU das Kiffen wieder verbietet, müssten sie erst mal Alkohol verbieten. Alles andere ergibt keinen Sinn.“ Der junge Mann neben mir hat gerötete Augen. Wir sitzen im Außenbereich der Messe Berlin, und er hat nicht ganz unrecht.
Ich schaue in die Menschenmenge und denke: Wenn das hier eine Alkohol-Messe wäre – wenn sich also Hunderttausende Trinkfreudige aus aller Welt zum Feiern, Verkosten und Berauschen träfen –, würde es spätestens morgen Abend aussehen wie am Ballermann. Prügeleien inklusive. Stattdessen: entspannte Gesichter, gedämpfte Stimmen, alle haben Zeit. Die Mary Jane ist eine Cannabis-Messe. Und Cannabis macht entspannt und kreativ statt stumpf und aggressiv.
Mit dieser provokanten, vielleicht auch etwas einfältigen Erkenntnis im Gepäck ziehe ich durch die Hallen der zehnten Mary Jane – des größten Cannabis-Events Europas, vielleicht sogar der Welt, je nachdem, wen man fragt. In sechs Hallen dreht sich alles um die grüne Pflanze: Welche man raucht. Wie man sie raucht. Wie man sie anbaut. Wie man sie verkauft. Kaufen aber darf man hier THC nicht – den Stoff, der eigentlich berauscht. Im Grunde wie eine Weinmesse, auf der Alkohol verboten ist.
Szene-Event
Mary Jane Berlin 2026: Warum die größte Cannabis-Messe kein Gras verkauft
Die Mary Jane Berlin 2026 läuft: Ein Vor-Ort-Bericht von der Cannabis-Messe zwischen Sidos Gras-Business, Telemedizin-Boom und Druck der CDU.
Albert Hammig
6 Min
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Die Mary Jane bewirbt sich Jahr für Jahr selbstbewusster – doch die Bundespolitik will die Branche stärker regulieren.
© Albert Hammig/Berliner Zeitung