Caritas-Umfrage zu Wohnkosten: Steigende Mieten provozieren soziale Konflikte in Deutschland

"Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ lautet die neue Kampagne der Caritas. Eine aktuelle Umfrage der Organisation verdeutlicht die Dringlichkeit des Wohnproblems hierzulande.

BLZ
2 Min

In den steigenden Kosten für Wohnen und Mieten sehen fast 80 Prozent der Deutschen ein erhebliches Armutsrisiko. Das geht aus einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten repräsentativen Umfrage des IPSOS-Instituts im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes hervor.

Danach sehen 79 Prozent der rund 1000 Befragten in hohen Wohnkosten ein Armutsrisiko. Für 74 Prozent bergen sie darüber hinaus das Risiko, ihre Wohnung zu verlieren. Hohe Wohnkosten führten demnach zu einer räumlichen Trennung von armen und reichen Menschen und begründen die Gefahr von Obdachlosigkeit. Bezahlbares Wohnen zählt nach der Umfrage zusammen mit den Themen Pflege, Kinderarmut und Rente zu den zentralen Themen, mit denen sich die Politik beschäftigen sollte - noch vor dem Thema Arbeitslosigkeit.

„Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht“

„Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftliches Konfliktpotenzial birgt“, sagte Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, zum Start der Caritas-Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Steigende Mieten träfen nicht länger nur Menschen mit geringem Einkommen. Zunehmend würden Familien, alte und einkommensschwache Menschen oder Studenten in Großstädten und Ballungsgebieten aus Stadtvierteln verdrängt.

Auch Krankenschwestern, Polizisten oder Erzieherinnen spürten, dass bezahlbarer Wohnraum mittlerweile Mangelware sei. „Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht“, so Neher. Immer mehr Menschen erführen, dass sie nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt seien oder mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete ausgeben müssten. Wenn zunehmend der Geldbeutel bestimmt, wie sich Stadtteile und Quartiere zusammensetzen, führe dies zu einem Auseinanderdriften von Milieus und schwäche so den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Unter der Kampagnen-Homepage www.zuhause-für-jeden.de finden sich praktische Beispiele, sozialpolitische Positionen und ein interaktives Spiel, das die Mietbelastung in verschiedenen deutschen Städten zeigt. (dpa)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema