Sollte der geplante freiwillige Wehrdienst nicht genug neue Soldaten bringen, fordert die Union eine automatische Rückkehr zur Wehrpflicht. CDU-Verteidigungspolitiker Thomas Röwekamp sagte der Rheinischen Post, es fehlten mehr als 80.000 Berufs- und Zeitsoldaten und 140.000 Reservisten, damit Deutschland seine Zusagen an die Nato erfüllen könne. Er habe erhebliche Zweifel, dass dies allein mit Freiwilligkeit gelinge, und kündigte Nachbesserungen im Bundestag an. Der vorliegende Gesetzentwurf genüge den sicherheitspolitischen Herausforderungen nicht.
Röwekamp verlangt verbindliche Aufwuchsziele für die Truppe und einen Automatismus, wenn diese nicht erreicht werden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt dagegen auf Freiwilligkeit, bessere Bezahlung und attraktivere Bedingungen. Der Gesetzentwurf soll Anfang 2026 in Kraft treten. Ziel sind bis zu 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservisten. Derzeit sind es gut 180.000 und weniger als die Hälfte an Reservisten. Immerhin: In diesem Jahr stieg die Zahl der Neueinstellungen bereits um 28 Prozent auf knapp 13.800.
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Kritik an Pistorius’ Plänen
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), hält den Entwurf dennoch für unzureichend. Gemeinsam mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel warf er Pistorius in der FAZ vor, Strukturreformen aufzuschieben. Statt die Truppe personell und materiell zu stärken, bleibe der Minister bei Ankündigungen. Mehr als die Hälfte aller Soldaten arbeite nicht in der Landes- und Bündnisverteidigung, sondern in Stäben und Behörden.
Otte und Neitzel warnen, die Bundeswehr müsse dringend von einer „Verwaltungsbehörde“ in eine kriegstüchtige Armee umgebaut werden. Passiere das nicht, drohe im Ernstfall ein böses Erwachen, weil die Politik zu lange gezögert habe. Pistorius müsse Widerstände in Parteien, Gewerkschaften und auch in den eigenen Reihen überwinden, um die Streitkräfte tatsächlich zu stärken.
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