Die Soljanka war besonders gefragt. Eine um die andere Schüssel der säuerlich-scharfen Suppe ging am Dienstagabend über den Tresen im Wellis, der Vereinsgaststätte der Eisbären Berlin im Sportforum Hohenschönhausen. Passend zur Rückkehr in den Wellblechpalast, wo die Erfolgsgeschichte des Ostberliner Eishockeyclubs einst begann, wollten sich die hier Anwesenden einen Nostalgiebissen nicht entgehen lassen.
Im Achtelfinale der Champions Hockey League (CHL) gab es mit Nostalgie aber nichts zu holen. Wie erwartet waren die Berliner, bei denen Kapitän André Rankel wegen Nackenproblemen fehlte, dem schwedischen Topteam Skelleftea, Meister 2013 und 2014, über weite Strecken haushoch unterlegen. Mit dieser 2:5-Hinspielpleite ist der Weg ins Viertelfinale nun ziemlich versperrt. Was die wenigen Gästefans unter ihren gelben Helmen, die sich auf die weite Reise vom Bottnischen Meerbusen in die Bundeshauptstadt begeben haben, nordisch kühl registrierten.
Obwohl sich die Eisbären vorgenommen hatten, das 0:4 vom Sonntag gegen Krefeld nicht mit in diesen Wettbewerb zu schleppen, erschien dieses Spiel gegen Skelleftea doch wie eine Fortsetzung. Von den pumpenden Zylindern, die Cheftrainer Uwe Krupp gefordert hatte, waren nur einige in Bewegung. Obgleich der Trainer feststellte: „Es ist eine unglaubliche Kulisse. Ich habe in den Augen meiner Spieler die Freude gesehen.“ Sobald die laufstarken Schweden jedoch das Tempo anzogen, bekamen die Eisbären Probleme. Daran konnte auch die tosende Fankurve nichts ändern, die den Wellblechpalast in ein dröhnendes Monster verwandelte, insgesamt feierten 4 554 Zuschauer.
Kurzer Zwischensprint
Allzu sehr verausgaben, brauchten sich die Schweden nicht mal. Zwei konsequente Angriffe im ersten Drittel legten die Grundlage für ihre Überlegenheit. Tim Heed (4.) per Handgelenkschuss und Erik Forssell (12.) mit einem Abstaubertor ließen Petri Vehanen nicht gut aussehen. „Die Jungs sind technisch brutal gut“, sagte Verteidiger Constantin Braun. „Die haben heute Tore gemacht, die man nicht unbedingt fressen muss.“ Als Heed dann auch im Mittelabschnitt von der Blauen Linie traf (28.), entschied sich Krupp dafür, seinem Torwart eine Auszeit zu gönnen. Der wiedergenesene Kevin Nastiuk ersetzte ihn.
An dem Kanadier lag es allerdings weniger, dass die Eisbären plötzlich einen Zwischensprint hinlegten, vielleicht auch in der Gewissheit, als letzte deutsche Mannschaft im Wettbewerb noch was fürs Image tun zu müssen. Das Anschlusstor durch Bruno Gervais (31.) war der Höhepunkt einer kurzzeitigen Drangperiode. Eine sich kurz darauf ergebende 5:3-Überzahl blieb dann aber ungenutzt und somit die Chance, noch mal so richtig ranzukommen.
Zu Beginn des letzten Abschnitts machten die Schweden deutlich, warum die Scouts aus der nordamerikanischen NHL so häufig in der schwedischen Provinz auftauchen. Mit einigen rasanten Angriffen übertölpelten sie immer wieder die Berliner Abwehr, Andrew Calof und Jimmie Ericsson sorgten mit einem Doppelpack binnen fünf Minuten für klare Verhältnisse (41./46.).
Die Nostalgiewelle, die durch den Wellblechpalast schwappte, ließ sich dennoch nicht aufhalten. Die Schläger sausten noch intensiver auf die Trommeln, die Fahnen wurden noch ausladender geschwenkt, vor allem nach dem Ehrentreffer durch Laurin Braun zum 2:5 (56.). Selbst die duftende Soljanka konnte niemanden bewegen, die Halle vorzeitig zu verlassen.
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