Ein Schlag gegen das Selbstvertrauen
Es dauerte keine drei Minuten, bis auch die Pariser, die fest vorhaben, in naher Zukunft die Champions League zu gewinnen, ein Tor in Leverkusen erzielten. Simon Rolfes verlor den Ball in der eigenen Hälfte, ließ auch noch dem Torschützen Blaise Matuidi zu viel Platz, und schon hatten die Pariser ihr in der K.-o.-Phase dieses Wettbewerbs so wichtiges Auswärtstor.
Das war natürlich ein harter Schlag fürs fragile Selbstvertrauen der Mannschaft von Sami Hyypiä. Es folgte eine Phase, in der jeder Pass und jeder Zweikampf von Unsicherheit gekennzeichnet war. In der folgenden halben Stunde wurde das Spiel der Leverkusener dann zwar etwas stabiler, Stefan Kießling hatte sogar eine kleine Chance (29.), gefährlicher blieben aber die Gäste.
Erst pfiff der ungarische Schiedsrichter nach einem Zweikampf zwischen Emir Spahic und Ezequiel Lavezzi einen Elfmeter, den Ibrahimovic sicher verwandelte (39.). Und dann beschenkte der Schwede das deprimierte Publikum mit einem dieser Tore, die kaum ein anderer schießen kann. Ömer Toprak und Lars Bender waren nach einem Rückpass aus dem Strafraum zu passiv, so dass der schwedische Exzentriker den Ball mit einem furiosen Schuss aus 18 Metern in den Winkel befördern konnte (42.). Die Leverkusener Fans staunten einige Augenblicke, dann brüllten sie entsetzt: „Wir wollen euch kämpfen sehn!“. Die alte Neigung des Werksklubs zur Vollkatastrophe stand wieder einmal in voller Blüte.
Bayer im Glück
Dabei hatte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade seinen zentralen Vorsatz für diesen Abend nicht nur vor der Mannschaft vorgetragen, sondern auch ins Editorial des Stadionheftes geschrieben: Ein Ausscheiden wäre zwar keine Überraschung, aber es käme auf das „wie“ an, schrieb Schade. Das Team solle beweisen, dass Barcelona, Manchester und die Pokalniederlage gegen Kaiserslautern in der Vorwoche „unentschuldbare Ausnahmen“ seien. Nun bleibt der Eindruck, als seien derartige Einbrüche die Regel.
In der zweiten Hälfte hatte Bayer dann das Glück, dass die Gäste nicht mehr ganz so energisch auf ein weiteres Tor drängten, zumal Emir Spahic in einem Laufduell dem Brasilianer Lucas ins Gesicht griff und mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz flog. Und es gab neben der Tatsache, dass nur noch ein weiteres Tor fiel (Yohan Cabaye, 88.), sogar einen kleinen Lichtblick in dieser zweiten Halbzeit. Der 17-jährige Julian Brandt, der im Winter vom VfL Wolfsburg an den Rhein gewechselt war, kam in der Halbzeit für den völlig überforderten Heung-Min Son, spielte mutig und frisch, er war mit Abstand der beste Leverkusener.
Aber auch er konnte diese nächste Blamage, die bei genauer Betrachtung ziemlich rätselhaft bleibt, nicht mehr abwenden. In der Bundesliga haben die Leverkusener nämlich gerade gegen Spitzenteams besonders gut gespielt und eher gegen Abstiegskandidaten Punkte vergeudet. Die Niederlage gegen die Pariser ist daher wohl auch eine Folge der Gesamtsituation. Sechs der jüngsten acht Spiele hat der Werksklub nun verloren, Bayer 04 steckt einfach in einer tiefen Krise. Und Paris St. Germain war genau der falsche Gegner für solch einen Moment.
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