Ein Wunsch ist schon wahr geworden für die BR Volleys: Sie sind jetzt in Rom, in der Ewigen Stadt. Sie stehen zum ersten Mal sportlich im Finale der Champions League. „Aber wir sind nicht als Touristen hier“, sagt Trainer Roberto Serniotti. Am Sonnabend trifft seine Mannschaft um 16.30 Uhr (laola1.tv) im Halbfinale auf Zenit Kasan, den Titelverteidiger. Die Russen sind die beste Klubmannschaft der Welt. Und da hat Berlins Manager Kaweh Niroomand am Freitagmittag die Chance ergriffen, sich noch mal was zu wünschen: am berühmten Trevi-Brunnen. Er hat getan, was alle Touristen dort tun: Er hat eine Münze ins Wasser geworfen, rückwärts über die Schulter.
Volleys gehen nicht als Favorit ins Spiel
Was er sich erbeten hat vor den Meeresgestalten aus Marmor, die das 50 Meter breite Becken umranden? Wird nicht verraten. Sonst geht es nicht in Erfüllung. Aber natürlich kann man sich denken, was seine BR Volleys wollen. Gegen Kasan gewinnen, auch wenn es unmöglich erscheint gegen das Ensemble der Weltstars um den Kubaner Wilfredo León, den Russen Maxim Michailow und Matt Anderson aus den USA.
„Auf jeden Fall gehen wir nicht als Favorit in dieses Spiel“, sagt Kapitän Robert Kromm, „aber dass wir auch gegen gute Mannschaften gewinnen können, haben wir ja gezeigt.“ Allerdings erwartet er nicht, dass sich die Mannschaft aus Kasan ähnlich schnell aus dem Konzept bringen lässt, wie zuletzt Dynamo Moskau. Schließlich hat die Mannschaft des russischen Trainers Wladimir Alekno in dieser Saison weder in der russischen Liga noch in der Champions League auch nur ein einziges Spiel verloren.
Zum siebten Mal hintereinander
„Es ist der reichste Verein der Welt, sie haben die größten Talente und die athletischsten Spieler − dass sie in einem wichtigen Duell als Mannschaft kaputt gegangen sind, habe ich in den letzten Jahren von Kasan nicht einmal gesehen“, meint Kromm. „Ihr Trainer ist jetzt auch kein typisch russischer Haudegen. Er geht sehr gut mit seinen Spielern um.“ Der viermalige Champions-League-Gewinner Kasan nimmt in Rom zum siebten Mal hintereinander am Final Four der Königsklasse teil und könnte sich sich nach 2015 (in Berlin) und 2016 (in Krakau) nun auch in der italienischen Hauptstadt im dritten Jahr in Folge den europäischen Titel holen.
Public Viewing am Alex
Spielstätte: Das Palalottomatica in Rom wurde 1960 für Olympia gebaut und war bis 2003 unter dem Namen Palazzo dello Sport bekannt. Die Arena bietet Platz für mehr als 10.000 Zuschauer. Aktuell trägt das Basketballteam von Lottomatica Rom seine Heimspiele in dem riesigen Rund aus.
Fans: Aus Berlin macht sich ein Tross von rund 100 Anhängern auf nach Rom. Ein kleiner Wermutstropfen: Ihre Trommeln, Tröten und vor allem Rasseln sind in der Arena nicht zugelassen. Aber dank der zwei italienischen Teams im zweiten Halbfinale dürften die Römer für eine gute Atmosphäre sorgen.
Übertragung: Laola1.tv überträgt per Internet-Livestream, ebenso DAZN. Im freien empfangbaren Fernsehen gibt es keine Live-Bilder. Berliner können die Spiele der BR Volleys beim Public Viewing im Park Inn Alexanderplatz sehen. Der Eintritt ist frei, Einlass 30 Minuten vor Spielbeginn.
Berlins Trainer Serniotti zählt León, Michailow und Anderson zu den besten fünf Angreifern der Welt: „Volleyball ist einfach. Man kann mit Taktik und Mentalität vieles ausgleichen, aber am Ende ist es entscheidend, wie hoch man springt und wie stark man angreift.“
Besonders die Sprungkraft des 23 Jahre alten León, der mittlerweile die polnische Staatsbürgerschaft angenommen hat, ist beeindruckend. „Dieser Typ hat eine Abschlaghöhe von beinahe vier Metern“, erläutert Berlins Diagonalangreifer Paul Carroll. „Für mich ist im Spiel eines wichtig: Wenn wir sehen, wie Leon einen absolut verblüffenden Schmetterball schlägt, dürfen wir nicht auf dem Feld stehen und denken: Oh, mein Gott, großartig. Wir müssen einfach zum nächsten Punkt übergehen. Sonst können wir Kasan nicht schlagen.“
Finanzieller Blindflug
Für Manager Niroomand gilt das Turnier in Rom auch als Einstimmung auf das zweite Finalmatch um die deutsche Meisterschaft. Das erste hatte Berlin gegen Friedrichshafen 0:3 verloren, als Meisterschaftszweiter müssten sich die Volleys die erneute Teilnahme an der Champions League über eine Qualifikation sichern. „Ich bleibe dabei, dass das Mittwochspiel das wichtigere ist. Wenn wir diese Spiele in Rom als überragendste Vorbereitungsspiele nehmen, dann machen wir alles richtig“, sagte er.
Finanzieller Blindflug
Finanziell sei die Königsklasse für den Verein ohnehin eine Art Blindflug. An Lizenzgebühren für die bisherigen Runden kamen bereits 38.000 Euro zusammen, dazu die Reisekosten. Dabei hat der europäische Volleyballverband (CEV) noch nicht mal die Erfolgsprämien im Final Four festgeschrieben. „Die werden erst nach finaler Entscheidung des Boardes festgelegt“, meint Niroomand. „Das ist das Paradoxe an unserer Sportart. Wenn ich im Fußball unter die ersten Vier in Europa gekommen bin, hätte ich die Finanzierung des Klubs für die nächsten fünf Jahre sicher. Wenn wir als Volleyballer dahin kommen, muss man froh sein, dass wir das nächste Jahr noch mal finanzieren können.“ Trotzdem sei die Teilnahme am Final Four zur Verbreitung der Marke BR Volleys wichtig.
„Der Druck liegt auf Kasan“, findet Berlins Angreifer Carroll, „wir sollten unsere besten Schläge abliefern und nicht nachdenken. Wir müssen einfach unseren Emotionen freien Lauf lassen.“ Trainer Serniotti meint: „Vielleicht ist unser Duell mit Kasan eine Mission Impossible, aber vielleicht gelingt uns auch die Überraschung. Im Sport ist alles möglich.“ Nach dem Besuch des Trevi-Brunnens sowieso.
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