Blieb noch die Sache mit dem Elfmeter und die Frage, wie lange Thomas Müller nun schon für Strafstöße vorgesehen ist. „Er war in den vergangenen Wochen immer der Schütze Nummer eins, nur haben wir da keine Elfmeter zugesprochen bekommen“, sagte Trainer Jupp Heynckes in bestechender Logik.
Das war auch schon einer der ganz wenigen erheiternden Momente des 1:0-Arbeitssieges beim OSC Lille. Mit seinem verwandelten Strafstoß in der 20. Minute hatte Müller den zweiten Sieg im dritten Spiel der Gruppenphase in der Champions League auf den Weg gebracht und damit eine ordentliche Ausgangslage fürs angestrebte Achtelfinale hergestellt. Vor allem aber bewahrte der Nationalspieler den FC Bayern vor Debatten, die ein verpasster Sieg nach der vorangegangenen Niederlage in Minsk gegen Bate Borissow nach sich gezogen hätte.
Stattdessen konnten sich die Münchner nun angenehmeren Themen zuwenden, Müllers erstem Tor vom Punkt beispielsweise. „Eigentlich hatte ich mir für meinen Elfmeter eine druckfreiere Ausgangslage gewünscht. Aber ich war dann doch sehr cool“, sagte der 23-Jährige einigermaßen stolz. Dass er den Strafstoß auf spezielle Art getreten hatte, wie jedenfalls Bastian Schweinsteiger meinte, konterte Müller energisch. „Ich finde an dem Elfmeter nichts Besonderes. Ich laufe an und versuche ihn im Tor unterzubringen.“ Wahrscheinlich, spöttelte Müller, habe Schweinsteiger „noch nie einen Elfmeter gesehen, der reingeht“. Der FC Bayern hat zuletzt nicht viele Elfmeter verwandelt.
Alles ein bisschen geschönt
Es war aus Sicht der Münchner ein gutes Zeichen, dass sie sich nach diesem schmucklosen Erfolg, der sicher nicht „in die Geschichtsbücher der Champions League eingehen wird“ (Karl-Heinz Rummenigge), auf eine Erklärung verzichten konnten, warum sie national gerade konkurrenzlos erscheinen, in Europa aber doch ein bisschen durch die Gruppenphase holpern. Stattdessen durften sie den knappen 1:0-Erfolg ganz pragmatisch als Beleg einer Qualität werten, die nach ihrer Auslegung in dieser Ausprägung in der laufenden Saison bisher noch nicht zu besichtigen war.
„Das zeichnet meine Mannschaft aus, dass sie solche Spiele für sich entscheidet“, sagte Trainer Jupp Heynckes, man habe gemerkt, „dass wir große internationale Erfahrung haben“. Mario Mandzukic, der in der Champions League weiter auf sein erstes Tor wartet, befand gar: „Solche Spiele muss man auch gewinnen. Das zeichnet eine große Mannschaft aus“. Dass man zwar kein Spektakel gezeigt habe, „aber ein Spiel, mit dem man zufrieden sein kann“, ergänzte Schweinsteiger.
All das war vielleicht ein bisschen geschönt. Aber es stimmte schon, dass die Münchner durchaus den Nachweis erbracht hatten, auch schmutzig gewinnen zu können, wie die Fußballer das nennen. Denn anders als in der Bundesliga agierten die Bayern weitaus weniger offensivfreudig, verstanden es aber, den Vorsprung zwar nicht ganz frei von Wacklern, aber doch ohne größere Turbulenzen über die Zeit zu bringen. Wirklich überzeugend allerdings, das wissen die Münchner, wäre das vor allem gegen einen stärkeren Gegner als den französischen Tabellenelften gewesen.
Müller wunderte sich dennoch, dass Lille nun kaum noch eine Chance aufs Achtelfinale haben dürfte. „Ich weiß auch nicht genau, wie die es geschafft haben, null Punkte zu haben. Wir mussten uns schon strecken und vor allem kämpferisch sehr dagegenhalten“, sagte er und räumte ein: „Spielerisch war das nicht unsere beste Partie. Aber für einen Fußballer ist das der schönste Sieg, wenn man einfach alles reinhauen muss. In der Situation, in der wir jetzt waren, war das genau die richtige Art und Weise zu gewinnen.“ Was am Sonntag gegen Bayer Leverkusen besser gemacht werden könne, wurde er noch gefragt. „Eigentlich nix“, antwortete Müller vergnügt, „denn wenn wir Sonntag 1:0 gewinnen, fahre ich wieder mit einem Lächeln nach Hause.“ Auch das war von bestechender Logik.
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